Endlich gibt es Politikerinnen, die Kinder kriegen – und beweisen, dass eine Geburt keine Gehirnwäsche ist.

Sibylle Hamann

Es ist schön, Eva Glawischnig dieser Tage dabei zuzuhören, wie sie über den Benzinpreis redet. Ebenso gern folgt man Ministerin Karin Gastinger bei ihren Versuchen, in Justizfragen auf Distanz zur eigenen Partei zu bleiben. Die können das, die beiden. Die machen das gern, und sie machen es gut.

Die Tatsache, dass sie eben Mütter geworden sind, haben Gastinger und Glawischnig der Öffentlichkeit mit angemessener Nüchternheit mitgeteilt. Keine verträumten Fotos an der Wiege, keine hormongetränkten Interviews, keine Details über kindliche Rülpser. Gut so. Alles ganz normal.

Obwohl: Es ist, obwohl es ganz normal sein sollte, natürlich überhaupt nicht normal. Dass junge Mütter Politik machen, passierte in der Menschheitsgeschichte bisher bloß, wenn sie ihr Amt vom Schicksal zugeteilt bekamen, von Kleopatra bis Maria Theresia. Allen anderen standen nur zwei Rollenmodelle zur Verfügung. Das häufigste, Modell Merkel: Kinderlos bleiben. Das andere, nennen wir es „Modell Madeleine Albright“ oder „eins nach dem andern“: Die Kinder früh kriegen und beruflich erst durchstarten, wenn sie aus dem Haus sind. (Meistens ging das, in der Generation der jetzt 60jährigen, mit einem Akt der Auflehnung einher. Eines Tages stand die Hausfrau vor der Waschmaschine und dachte sich: Das kann doch nicht alles gewesen sein.)

Die heute 35- bis 40jährigen unterscheidet von ihren Müttern etwas ganz Wichtiges: In dem Moment, in dem sie Kinder kriegen, haben sie schon ein Leben. Haben Ziele, einen Beruf und ausgeprägte Vorlieben. Das wischt man nicht so leicht weg mit den üblichen zugeraunten, als Glückwünsche getarnten Drohungen: „Das wird dich alles nicht mehr interessieren.“ „Es wird nichts mehr so sein wie vorher.“ „Du hast ja jetzt andere Prioritäten.“

Das ist nicht nur Wunschdenken, es ist Ideologie. Und es ist, meistens, einfach falsch.

Ja, selbstverständlich ändert sich im Alltag einiges, wenn man Kinder hat. Aber: Nein, man wird nicht schlagartig ein anderer Mensch. Was im Kreißsaal geschieht, ist keine Gehirnwäsche. Was dort bleibt, ist nur die Plazenta, nicht der Kopf. Eine Frau, die sich für erneuerbare Energien interessiert, wird das auch als Mutter tun. Und die Reform des Strafvollzugs verliert nicht an Dringlichkeit, weil ein Baby im Haus ist.

Eva Glawischnig und Karin Gastinger beweisen das. So soll es sein. Es mögen sich viele ein Beispiel nehmen.

Im Sinn der Normalität bloß noch eine kleine Bitte an die Journalisten: Verkneifen Sie sich die nervende Frage, wer denn eigentlich „jetzt gerade auf die Kinder aufpasst“. Oder stellen Sie sie einem der vielen Väter in der Politik. Die Frage hört jede Mutter jeden Tag, und sie transportiert einen unterschwelligen Vorwurf: Was machen Sie denn eigentlich hier, im Kaffeehaus/im Büro/auf der Pressekonferenz? Sollten Sie nicht woanders sein? Vernachlässigen Sie etwa Ihre Pflicht?

Seien Sie versichert: Sie müssen sich keine Sorgen machen. Berufstätige Mütter binden ihre Kinder nur selten daheim im Abstellkammerl an. Babies haben Väter. Die Nabelschnur ist nicht mehr dran. Es geht ihnen gut.

 

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