Inspektor Tuncay gibt’s kan
Warum eigentlich gibt es kaum Polizisten, denen man die fremdländische Herkunft ansieht?
Sibylle Hamann
Wahrscheinlich stünde Herrn T. C. die Polizeiuniform ganz gut. Er ist 28 Jahre alt, einsachtzig groß, 70 Kilo, durchtrainiert. Er bringt Muskeln mit, Wendigkeit und Reaktionsschnelle. Angeblich zeichnet er gut. Beim Skizzieren von Unfallhergängen kann man das eventuell mal brauchen.
Von der inneren Einstellung her sollte ohnehin alles passen. Herr T.C. betreibt Taekwondo, ist Träger eines schwarzen Gürtels. Der Begründer dieses koreanischen Kampfsports, General Choi Hong-hi, formulierte einst die fünf Taekwondo-Grundsätze: Höflichkeit, Integrität, Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin, Unbezwingbarkeit. Alles recht sinnvoll, wenn man einem Räuber mit Brechstange gegenübersteht, einem flüchtenden Dealer hinterherhechtet oder einen betrunkenen Raufbold bezwingen muss.
Auch an Herrn T.C.s Loyalität zum Staat bestehen keine Zweifel. Er ist österreichischer Staatsbürger, Korporal des Bundesheeres, zweimaliger Olympia-Teilnehmer und gewann bei der WM eine Bronzemedaille für Österreich. “Das, was ich geworden bin, bin ich in Österreich geworden”, sagt er.
In der Zeitung stand, Herr T.C. habe sich einmal für den Polizeidienst beworben. Geworden ist daraus offenbar nichts. Als Herr T.C. jüngst im Kommissariat Siebenbrunnengasse vor einem betrunkenen Verfolger Schutz suchte, sei er, sagt er, von den Polizisten dort als “Kanak”, “Tschusch” und “Arschlosch” beschimpft worden.
T. C. heißt nämlich Tuncay Caliskan und ist nicht in Floridsdorf, sondern in der Türkei geboren. Und wenn man unbedingt will, sieht man ihm das auch an.
Um die Manieren einiger Margaretner Revierinspektoren soll es hier nicht gehen. Sondern um die viel wichtigere Frage: Warum ist Tuncay Caliskan damals eigentlich nicht Polizist geworden? Überhaupt – warum hat kaum einer der Ordnungshüter, die die Wiener Ordnung hüten, eine Herkunft, der man die vielfältige Wiener Wirklichkeit anmerkt?
Wäre die Polizei eine professionelle Behörde – sie hätte längst eine breit angelegte Kampagne starten müssen, um Tuncays und Tülays gezielt für die Polizeischulen anzuwerben. Weil es, erstens, symbolisch wichtig ist, dass die Staatsgewalt aus dem Staatsvolk kommt und diesem Volk ähnlich schaut. Weil, zweitens, die Kids aus der zweiten und dritten Zuwanderergeneration Role Models brauchen, die den Aufstieg zu Respektspersonen geschafft haben. Und weil Tuncay und Tülay, drittens, Zusatzqualifikationen mitbringen, die in der täglichen Arbeit nützlich sein können: Wer kennt sich denn aus in der gefürchteten “Parallelgesellschaft”? Wer spricht deren Sprache und kennt deren Regeln? Wer ermittelt bei Verdacht auf eine Zwangsverheiratung effizienter – Herr Inspektor Heinz aus Gänserndorf, oder Frau Inspektor Tülay aus Mersin?
Eventuell würde Inspektor Tuncan/Tülay langfristig auch für Manieren im Kommissariat Siebenbrunnengasse sorgen. Bis dahin sei empfohlen, dort zumindest den Taekwondo-Eid an die Wand zu hängen: “Ich verpflichte mich, mich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen und an der Schaffung einer friedlicheren Welt mitzuarbeiten.” Hundertmal abschreiben, bitte.
Über mich | about me
Tagcloud
alltag alter arbeit asyl bundesheer demokratie dienstboten eltern facebook familie feminismus fortpflanzung FPÖ geld geschichte gewalt global identität integration irre islam kinder konsum korruption krieg lügen macht medien medizin menschenrechte migration nazis obama ORF rassismus reisen revolte schule sex USA verbrechen verkehr wien öko österreichBlogroll
Archive
- Mai 2013
- April 2013
- März 2013
- Februar 2013
- Januar 2013
- Dezember 2012
- November 2012
- Oktober 2012
- September 2012
- August 2012
- Juli 2012
- Juni 2012
- Mai 2012
- April 2012
- März 2012
- Februar 2012
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
- August 2007
- Juli 2007
- Juni 2007
- Mai 2007
- April 2007
- März 2007
- Februar 2007
- Januar 2007
- Dezember 2006
- November 2006
- Oktober 2006
- September 2006
- August 2006
- Juli 2006
- Juni 2006
- Mai 2006
- April 2006






schreibt, liest, redet, moderiert. Auch für Geld.
