Bei den deutschen Soldaten geht einiges schief. Schade. Denn man könnte von ihnen lernen.

Sibylle Hamann

Deutsche Soldaten draußen in der weiten Welt – wer sie einmal beobachtet hat, in der kargen Steppe Afghanistans oder im schwülen Kongo, kann kaum anders, als sie zu mögen. Da stehen keine aufgeblasenen Schmalspur-Rambos mit verspiegelten Sonnenbrillen. Sondern eloquente, gebildete Profis, wie dem Lehrbuch für die neue, solidarische Weltgesellschaft entsprungen. Jeden Tag eine gute Tat: Wo Deutsche sind, weht ein Hauch Pfadfindertugend über die Fertigteilcontainer.

Wahrscheinlich können nur Deutsche so sein – nach allem, was sie in der Geschichte schon angerichtet haben. Und wahrscheinlich hat es ein Grüner sein müssen, Außenminister Joschka Fischer, der das Wort „Friedenspolitik“, damals im Kosovo, neu definierte: Wer den Frieden will, darf sich nicht wegducken vor Verantwortung und Risiko.

Seither sind Müllers und Meiers in die ganze Welt hinausgezogen. 200.000 waren schon mal im Auslandseinsatz, im Kosovo und Bosnien, im Kongo, in Afghanistan und im Libanon. 9000 sind es derzeit.

Sie sind, in Stil und Umgangsformen, das personifizierte Gegenprogramm zu den Amerikanern: US-GIs bunkern sich in ihren Camps ein, lassen sich, vom Zahnstocher bis zum Ketchup, alles aus den USA einfliegen, und tragen ein sichtbares Misstrauen gegen die Fremde vor sich her. Die Deutschen hingegen spielten in Afghanistan die Dorfpolizisten von nebenan. Sie kauften – auch wenn es gegen die militärischen Regeln verstieß – schon mal ein Kebab am Markt, schlenderten, nur leicht bewaffnet, durch die Straßen, fuhren ihre Patrouillen in ungepanzerten Fahrzeugen.

Wenn es eine politisch korrekte Variante von Kriegstaktik gibt, dann so: Man zeigt Respekt. Man organisiert Gesprächskreise für die geistlichen und weltlichen Würdenträger. Man schleppt Kopiergeräte für die örtliche Zeitung herbei. Und wenn es ein Problem gibt, dann hört man zu und schlichtet.

Zyniker können das als „Gutmenschenkrieg“ karikieren und endlos darüber spotten. Doch die Grundidee ist richtig und wirksam: Sicherheit schaffen kann man nur, wenn man weiß, was eigentlich los ist an dem Ort, den man befrieden soll. Und man erfährt nur, was los ist, wenn die Einheimischen mit einem reden und einem vertrauen.

Und funktioniert hat es, zumindest am Anfang, zumindest im relativ friedlichen Norden Afghanistans. Ganz sicher hat es besser funktioniert als das, was die anderen Armeen taten: Türen eintreten, herumbrüllen, erst schießen, dann reden.

Derzeit herrscht in Deutschland Katzenjammer. Deutsche Soldaten haben in Afghanistan mit Totenschädeln gespielt, sie haben einem Buben eine Pistole an den Kopf gesetzt, sie feiern mit Ketanest, einem halluzinogenen Schmerzmittel, Parties. Das klingt gar nicht gut. 26 deutsche Todesopfer hat es bei Auslandseinsätzen bisher gegeben, darunter mehrere Selbstmorde. Nun grassieren die Selbstzweifel: Sind wir überfordert? Verzetteln wir uns an zu vielen Schauplätzen? Waren wir zu naiv? Ist Krieg doch nichts für uns? Sollten wirs besser bleiben lassen?

Nein. Die türeneintretenden Rambos können es auch nicht besser. Den Versuch ist es wert. Es wäre schade drum.

 

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