George Bush denkt derzeit nach, wie es im Irak weitergehen soll. Wie macht er das?

Sibylle Hamann

Es wird wohl, äußerlich, wieder alles passen zu Weihnachten im Weißen Haus. Eine Profi-Dekorateurin hat vier Tage lang drapiert und gepinselt. Die Zwillinge kommen über die Uniferien nach Hause, Hausherrin Laura wählt einen cremefarbenen Zweiteiler, der Hund ist da und die beiden Katzen, die immer so tun, als mögen sie ihr Herrl nicht (so zumindest beschreibt es George W. Bush in seiner – nicht sehr ambitionierten – Autobiographie). Die alten Großeltern werden vorbeischauen. Sie werden einander Zeug schenken, Rührung wird sich abwechseln mit mühevoll unterdrücktem Zorn, vielleicht auch mit Langeweile, warum sollte es bei den Bushs anders sein als irgendwo sonst auf der Welt.

Wenns zwischendurch ruhig wird, wird sich der Hausherr allerdings kurz zurückziehen müssen. Denn er hat zu tun. Er hat versprochen, über die Feiertage über den Krieg im Irak nachzudenken und der Welt anschließend mitzuteilen, wie es weitergehen soll.

Es ist gar nicht leicht, sich dieses Nachdenken konkret vorzustellen. Geht George W. still in sich, während er auf dem Sofa die Katze krault? Dreht er eine blöde Fernsehtalkshow auf, wenn ihn die Stille gar zu nervös macht? Ruft er ausgewählte Berater zu sich, die zwischen Haupt-und Nachspeise kurz ihre Standpunkte referieren? Hört er auf seinen Papa, den verklemmten Diplomaten, oder auf Mama, die Impulsive mit der großen Klappe? All das kann wichtig sein, einen Unterschied machen. Denn es geht um sehr viele Menschenleben.

George W. Bush ist keiner, der Papiere mag, sagt man. Er sagt seinen Leuten, sie sollen ihre Mäppchen wegstecken und in eigenen Worten sagen, was ihnen wichtig ist. Dann entscheidet er nach Gefühl. Auf diese Intuition kann er nur deswegen vertrauen, weil er meint, dass in ihr göttliche Vorsehung steckt.

Bush mag, wie er selbst zugibt, keine Zweifler. Zweifeln hält er für destruktiv. Er hat es gar nicht gern, wenn man widerspricht, und hat dafür den Preis gezahlt, dass ihm nur die wenigsten in seiner Umgebung die Wahrheit zumuten.

Er ist, auch das hat er oft schon gesagt, kein Mann von Details. Es bereitet ihm keine intellektuelle Lust, Kompliziertes durchzudenken; es macht ihn eher nervös. Das sind die Momente, in denen er, so als eine Art Reiningungsprogramm, den Texaner rauslässt, die Axt in die Hand nimmt und Holzhacken geht.

„Wir werden nicht die Nerven verlieren“, sagt Bush. 2933 tote amerikanische Soldaten, zwischen 50.000 und 56.000 tote irakische Zivilisten; das sind zerfetzte Maurer und Studentinnen, Marktstandlerinnen und Teppichhändler, Omas und Straßenjungen. Man wünscht sich irgendwie, dass sie sich alle dem Präsidenten kurz mal vorstellen, wenn er mit der Katze auf dem Sofa die Augen zumacht. Dass sie ihn, für ein paar Sekunden nur, im Halbschlaf heimsuchen und ihn hochschrecken lassen, weil er den Anblick von Blut nicht erträgt.

Denn nichts wäre unerträglicher als dieses: Dass sich der Präsident lässig die Katzenhaare vom Sakko klopft, sich kichernd ein Weihnachtsmannmütze aufsetzt, noch ein Stück vom Festtagsbraten nachlegt. Und dass ihm alles andere komplett wurscht ist.

 

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