Etwas gegen die Klimaerwärmung zu tun, kann sehr angenehm sein.

Sibylle Hamann

Langsam ist die Botschaft also gesickert: Von Tony Blair zu den Wirtschaftslenkern von Davos, von Al Gore zu Arnold Schwarzenegger, von Hollywood in den ORF. Man kommt dem Klima und seinen Rettern nicht mehr aus, die kollektive Bewusstseinsschärfung nimmt bereits volkssportlichen Charakter an, in „Fit-mach-mit“-Manier. Da es für die gute Sache ist: Tun wir mal mit. Aber konzentrieren wir uns, fairerweise, zuerst auf die Stadtbewohner, da gehts am einfachsten.

Der erste Vorschlag klingt echt hart. Er lautet: Verschrotten Sie Ihr Auto. Unmöglich! werden Sie rufen, mit schreckgeweiteten Augen wie ein Junkie, dem man die Spritze wegnehmen will. Es sei Ihnen, nach 12 Jahren Selbstversuch, versichert: Es tut gar nicht weh.

Zuerst besorgen Sie sich eine Netzkarte für die Öffis sowie ein Kursbuch der ÖBB und bringen Ihr Fahrrad zum Service (für die Zeit nach dem Schneesturm). Dann setzen Sie sich an den Küchentisch und rechnen aus, was Ihr Auto im Jahr kostet. Und zwar ehrlich: von Strafmandaten bis Lackschäden, von Wertminderung bis Winterreifen. Diese Summe ist jetzt Ihr Spielkapital. Die investieren Sie, Tag für Tag, in all jene kleinen Dinge, die Ihnen die Fortbewegung – sowie das Leben im allgemeinen – angenehmer machen.

Leisten Sie sich im Zug den Zuschlag auf die erste Klasse oder gönnen Sie sich ein Glas Prosecco im Speisewagen. Fahren Sie hemmungslos Taxi, wenn Ihnen danach ist. Lassen Sie sich alles hinterhertragen wie Pretty Woman die Kleider: den Wein vom Weinbauern, den Tisch von IKEA, den Kühlschrank vom Elektrohändler. Radeln Sie zur Arbeit, statt nach der Arbeit mit dem Auto ins Fitnesstudio zu fahren und dort auf dem Hometrainer zu sitzen. Sie werden sich wundern, wieviel Zeit Ihnen dann für Sauna, Yoga oder fürs Schweinsbratenessen übrigbleibt. Oder Sie fahren mit der Straßenbahn, das dauert zwar länger, aber Sie schaffen dabei den Roman, der seit Weihnachten auf dem Nachtkastl liegt.

Nächster Schritt: Gehen Sie zu Fuß. Erkunden Sie Ihre unmittelbare Wohnumgebung. Sie werden, sofern Sie nicht in der totalen Einöde leben, staunen, was Sie bisher alles übersehen haben: den Eisenwarenhändler, den kurdischen Greißler, den obskuren Haushaltswaren-Diskonter, das verstaubte Papiergeschäft. Überall dort kann man zwischendurch einkaufen, und zwar beinahe alles. Klar kostet manches um 20 Cent mehr als beim Billa. Kaufen Sies trotzdem. Am Samstagvormittag hingegen, den Sie sonst immer fluchend auf Großmarkt-Parkplätzen verbracht haben, setzen Sie sich ins Kaffeehaus oder spielen mit den Kindern Memory. Und machen dann dem Lieferservice des Supermarkts die Tür auf, der Ihnen alles, was noch fehlt, bis in den dritten Stock hinaufschleppt.

Nie mehr Autosaugen, nie mehr Eiskratzen, nie mehr auf den ÖAMTC warten, nie mehr Parkplatz suchen. Sie werden nach ein paar Wochen das Gefühl haben, ein Luxusleben zu führen.

Wenn Sie trotzdem noch Lust haben, sich für den Sonntag ein sonnengelbes Cabrio zu mieten – Sie können es sich leisten. Ihr Spielkapital und Ihre Ökobilanz sind noch immer haushoch im Plus. Tuns Sies einfach, und viel Spaß dabei!

 

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