Die Idee vom Sozialdienst macht Bürger zu Kindern. Das tut niemandem gut.

Sibylle Hamann

Wie lang ist es her, dass das BZÖ einen supergenialen Plan zur Lösung der Pflegekrise hatte? Der lautete in etwa so: Wenn man die illegalen Pflegerinnen erst mal abgeschoben hat, kann man ja einfach die österreichischen Arbeitslosen zum Pflegedienst verdonnern. Sinngemäß: Die Oma wird, tatterig wie sie ist, eh nix merken. Hauptsache, wir quälen die Slowakinnen. Zweite Hauptsache: Wir quälen die Arbeitsscheuen, ist ja nicht so angenehm, was man da bei der Oma alles machen muss, gell, hehe?

In ihrer Menschenverachtung war die Idee kaum zu überbieten. Weil ihre Erfinder sich in quälerischen Phantasien vergnügten, ohne einen einzigen Gedanken an jene zu verwenden, auf deren Kosten das ging. Auf Kosten der pflegebedürftigen Menschen nämlich, und auf Kosten aller Profis, die in Sozialberufen tagein, tagaus, ihre Arbeit tun. Denn selbstverständlich merkt die Oma den Unterschied zwischen der Svetlana und dem arbeitslosen, unvermittelbaren Fleischergesellen. So tatterig kann die Oma gar nicht sein.

Sozialarbeit fällt Politikern offenbar immer dann ein, wenn sie jemanden ärgern wollen („gängeln“ ist wohl das richtige, etwas aus der Mode gekommene Wort). Wenn sie verhindern möchten, dass jemand allzu billig davonkommt; um jemandem klar zu machen, dass es ihm besser geht, als ihm eigentlich zusteht. Sozialarbeit ist eine staatlich verordnete Demutsgeste; eine Chance zu zeigen, dass man als Bürger „eh brav“ ist, bevor man sich Geld überweisen lässt oder eine staatliche Leistung in Anspruch nimmt. So ähnlich wie einem Kind eine Woche Geschirrspülerausräumen befohlen wird, damit es beweisen kann, dass es der (viel zu teuren) neuen Rollschuhe würdig ist.

Diese Haltung ist aus zwei Gründen schädlich: Erstens weil sie Bürger zu Kindern macht, und Politiker zu Erziehern mit dem Rohrstaberl. Und zweitens, weil sie die Arbeit in Sozialberufen systematisch geringschätzt und für fremde Zwecke missbraucht.

Wer gratis studieren will, soll halt also in ein Hospiz gehen. Eh nicht so richtig, eh nur ein bisserl, sechzig Stunden a sechs Euro. Wird schon irgendwas zu tun geben bei Sterbenden, Leidenden, kümmern halt, das kann ja nicht sooo schwer sein, oder? Die sollen ruhig einmal sehen, wie grauslich das Leben noch wird, die jungen Leute, gell, hehe. Schaden wirds ihnen nicht.

Schaden wirds ihnen selbstverständlich nicht (schaden würde es auch jenen Politikern nicht, die sich sowas ausdenken), schaden tuts bloß den Sterbenden, Leidenden, wenn man ihnen überforderte oder ungeeignete Frondienstleister zum Trösten vorbeischickt. Und schaden tuts Krankenschwestern und Pflegerinnen, denen die Politik sinngemäß ausrichtet, ihre Arbeit sei gar keine richtige Arbeit, sondern bloß Beschäftigungstherapie, um Bummelstudenten Ehrfurcht vor der Obrigkeit beizubringen. So eine Art Geschirrspülerausräumen für Große.

P.S.: Meine Rundfunkgebühr würd ich dann übrigens mit Straßenkehren abdienen, und die Kanalgebühr mit sechzig Stunden Parteiarbeit, am besten in der Abteilung Zukunftsideen. Kann ja nicht sooo schwer sein, oder?

 

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