Robert Mugabe hat Geburtstag. Man kann Simbabwe nur wünschen, dass es sein letzter ist.

Sibylle Hamann

Als über die saftig grünen Weiten Rhodesiens noch die Briten herrschten, erfanden sie eine elegante Regelung, um unter sich zu bleiben. Der „Regional Town and Country Planning Act“ schrieb vor, dass ein Kanalanschluss da sein müsse, bevor ein Bürger beginnen dürfe, ein Haus zu bauen. Mit diesem Gesetz hielt man sich die Armen vom Leib. Und die Schwarzen, was praktischerweise immer dasselbe war. So konnten die Reichen rassistisch sein, ohne sich als Rassisten deklarieren zu müssen.

Heute herrscht Robert Mugabe über die saftig grünen Weiten, nur dass Rhodesien mittlerweile Simbabwe heißt und die Weiten allenfalls vom Unkraut grün sind, weil auf den Feldern nichts mehr wächst. Mugabe nennt sich einen antikolonialistischen, antirassistischen Befreiungskämpfer. Aber die kolonialistischen, rassistischen Gesetze mag er sehr. Vergangenes Jahr besann er sich auf den „Town and Country Planning Act“ und ließ mit Bulldozern ganze Stadtviertel niederwalzen: Wohnhütten und Kioske, Obststände und Friseurbuden; alles Verschläge ohne Kanalanschluss, gleichzeitig die einzige Nische ökonomischen Lebens, die in seinem kaputten Land noch halbwegs funktionierte.

Er nannte den Kahlschlag „Murambatsvina“, was in der Sprache der Shona „Müllbeseitigung“ heißt. Mit „Müll“ meinte er die Menschen in den Slums. Die beleidigten nämlich erstens sein Auge und unterstützten zweitens die Opposition.

Robert Mugabe feiert heute seinen 83. Geburtstag. Zu feiern gibt es: Dass in Simbabwe Männer mit durchschnittlich 37, Frauen mit 34 Jahren sterben. Dass das Geld, das man in der Früh verdient, am Nachmittag nur noch die Hälfte wert ist. Auf den Feldern hocken hungrige, ratlose Menschen ohne Saatgut, ohne Werkzeug und ohne jede Ahnung, was man tun könnte, damit der Hunger vergeht. In der Stadt ducken sich Arbeitslose unter den Schlagstöcken der Polizei. Aber auch die Polizisten laufen bereits davon, Soldaten verlassen ihre Posten. Ärzte streiken seit Wochen. Es wütet die Cholera, jeden Tag fällt der Strom aus, jüngst wurde auch das Handynetz abgeschaltet.

Dass Mugabe trotz allem immer noch an der Macht ist, liegt daran, dass er erstens ein brutaler Diktator ist, und zweitens ein gerissener Rassist. Mit der Hetze gegen Menschen anderer Hautfarbe kann man immer noch ein Restchen Emotion schüren und Zusammenhalt schaffen, wo eigentlich keiner mehr ist. Die weißen Farmer seien schuld an allem Übel; sie seien „Schädlinge“, „Schmarotzer“ und „schwul“, wetterte Mugabe jahrelang. Sie hätten nichts verloren in Afrika, sie sollten weg, dann werde alles gut.

Die weißen Farmer waren Afrikaner, oft seit Generationen, leisteten ihren Wehrdienst, zahlten Steuern und trugen wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg Simbabwes bei. Aber das sind Kriterien, die bei Rassisten keine Rolle spielen; bei weißen ebensowenig wie bei schwarzen.

Jetzt sind die Farmer enteignet und ausgebürgert. Das Land ist am Ende. Die Menschen in Simbabwe, Mugabes Freunde wie Feinde, schleppen sich irgendwie von einem Tag zum nächsten. Heute ist Geburtstag. Und der letzte dreht dann das Licht ab.

 

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