In Italien will der Papst schon wieder Familienberatung machen. Das kann nicht gutgehen.

Sibylle Hamann

Wenn Sie einen Wasserrohrbruch haben, holen Sie nicht den Bäcker, sondern einen Installateur. Wenn Ihnen der Magen wehtut, hält sich die Rechtsanwältin hoffentlich mit guten Tipps zurück, auch wenn sie im selben Haus wohnt. Und wenn Sie einen Ratschlag in Beziehungsdingen brauchen, dann ist ein Mönch wohl der letzte, der Ihnen zweckdienlich helfen kann.

Der Papst versucht es trotzdem immer wieder, ungefragt. Besonders ärgerlich ist das, wenn er im selben Haus wohnt, einen auf Schritt und Tritt belauscht, und jedesmal, wenn man unerkannt hinaushuschen will, schnell auf den Gang hechtet, um einen Moralvortrag zu halten. Die Italiener haben den Papst quasi in der Beletage sitzen, mit Panoramablick auf alle ihre weltlichen Alltagssorgen. Und können sicher sein, dass er immer alles besser weiß.

Das italienische Parlament will nun also einen „zivilen Solidaritätspakt“ einführen, eine Art eingetragene Partnerschaft für Paare, die Rechtssicherheit möchten, auch wenn sie nicht heiraten wollen (Heterosexuelle) oder dürfen (Homosexuelle). Das ist für den Vatikan natürlich böse, böse, böse, weil es „die unauflösliche Ehe zwischen Mann und Frau untergräbt“ und die „Zerstörung der christlichen Familie“ bedeutet.

Zunächst: Wie machen das eingetragene Paare eigentlich, dass sie die christliche Familie in der Nachbarwohnung zerstören? Ziehen sie mit der Hacke los? Spielen sie schlechte Musik, bis das christliche Ehepaar die Nerven wegschmeißt und sich scheiden lässt? Verführen sie die Ehefrau? Sickert das Glück der einen durch die Wand zersetzt heimtückisch das Glück der anderen?

Andererseits hat der Papst, wenn er aus den Fenstern seiner Beletage schaut und übers Land blickt, natürlich Recht mit seiner Feststellung: Der christlichen Ehe und Familie geht es derzeit gar nicht gut. In Italien wird, wie in Österreich, jede zweite Ehe geschieden, beim Kinderkriegen sind die Italiener – neben Deutschen, Österreichern und Spaniern – das Schlusslicht. Der Papst müsste allerdings, wäre er Experte, zum Schluss kommen: Daran ist seine Kirche zu einem ziemlich großen Teil mitschuld.

Ideologie und mystische Überhöhung sind für Familie und Beziehung nämlich Gift. Du musst, du darfst, du darfst nicht, opfere dich auf, erfüll deine höhere Pflicht, und zwar auf immer und ewig, für Gott und/oder Vaterland: Wem Tag und Nacht eingehämmert wird, wie übermenschlich groß die Sache ist, die man sich da vornimmt, kriegt es mit der Angst zu tun. Und lässt es gleich ganz bleiben. Es wird kein Zufall sein, dass die Länder mit den niedrigsten Geburtenraten allesamt eine faschistische Vergangenheit samt Familienverklärung und Mutterkult hatten. In Skandinavien hingegegen, wo nüchterner Pragmatismus herrscht, geht es den Familien prächtig.

Der Mensch, ob Homo oder Hetero, ist am Ende kein sehr rätselhaftes Wesen. Fast jeder will eine Beziehung, die meisten wollen sogar Kinder, man muss es ihnen bloß ermöglichen, das im Alltag irgendwie hinzukriegen. Jeder Vorschlag dazu ist willkommen. Bevorzugt allerdings von Menschen, die sich ein bisserl auskennen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.