Zwei Frauen wollen Deutschland verändern. Ihre Parteifreunde kriegen schon die Panik.

Sibylle Hamann

Es ist ein beliebtes Männerspiel, erprobt auf jedem Niveau in vielen Varianten. Man nehme zwei Frauen, die sich in irgendetwas unterscheiden (Oberweite, Gehaltsniveau, Kinderzahl, Kleidungsstil), schicke sie gegeneinander in den Ring, lehne sich zurück und schaue zu, wie die Fetzen fliegen. Besonders bewährt hat sich die Paarung „Hausmütterchen gegen Karrierefrau“: Vergnügen garantiert, Schenkelklopfen inklusive. Herzig, wie die sich aufregen. Kein Wunder, dass das nie was wird mit dem Feminismus. Sind sich ja nie einig, die Weiber.

Das Muster funktionierte ausgezeichnet, jahrzehntelang: Für eine einzige Frau ist Platz an der Sonne. Um diesen Platz zu ergattern, muss sie sich mit allen anderen Frauen prügeln, und zu den Männern sehr lieb und dankbar sein.

Sehr wahrscheinlich, dass es sich die alten Herren in der CDU genau so vorgestellt haben, als Angela Merkel erste deutsche Kanzlerin wurde. Wahrscheinlich kicherten sie sich noch erwartungsfroh ins Fäustchen, als Merkel Ursula von der Leyen zu ihrer Familienministerin machte. Hier die schüchterne Physikerin, dort die mondäne Blonde mit der Hochsteckfrisur; hier die flachen Allzwecktreter, dort die Designerkostümchen; hier die Kinderlose, dort die patente Mama von sieben Kindern. Das sah aus wie eine prächtige Paarung fürs Schlammcatchen.

Doch es kam anders. Die beiden Frauen könnten zwar verschiedener nicht sein. Aber sie verweigern nicht nur das Catchen und das neckische Rollenspiel, sie sind sich sogar einig! Die strebsame Karrierefrau und die fruchtbare Supermutter machen gemeinsam Frauenpolitik! Die wollen was verändern im Land! Die meinen das tatsächlich ernst! Haben wir ihnen das erlaubt?

Man kann, selbst auf die Distanz, beobachten, wie sich in der CDU/CSU Panik einschleicht, bei den Bischöfen und bei den Bayern, bei den altgedienten Honoratioren und den jungen schneidigen Karrieristen. Freundlich lächelnd, aber unbeirrbar setzt von der Leyen einen Schritt nach dem anderen: Erst das einkommensabhängige Karenzgeld, das den Mittelstand zur Fortpflanzung ermutigen soll; dann Anreize zur Väter-Karenz, als „Wickelvolontariat“ verhöhnt; dann das Versprechen, 750.000 Krippenplätze zu finanzieren, damit niemand, der nicht will, länger als ein Jahr aus dem Beruf aussteigen muss. Als nächstes könnte sogar die heilige Kuh der deutschen Familienpolitik geschlachtet werden, das „Ehegattensplitting“, eine millardenteure Subvention für die Hausfrau, egal ob sie überhaupt Kinder hat oder bloß einen Mann bedient (in Österreich wurde ähnliches unter Kreisky/Dohnal abgeschafft).

Der Ton wird hörbar schriller. Es geht um viel, um langgehegte Familienideale, um liebgewordene Privilegien, um Macht. Man kann spüren, dass es die beiden nicht leicht haben werden. Man kann aber auch spüren, dass ihnen die Sache sehr, sehr wichtig ist; anders als ihrem Vorgänger Schröder, der das Thema als „Gedöns“ beiseite schob.

Braucht es Frauen an der Macht, um eine bessere, nüchternere, Familienpolitik zu machen? Theoretisch natürlich nicht. In der wirklichen Welt offenbar schon.

 

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