Man tut Männern nichts Gutes, wenn man sie bloß wegen ihres Geschlechts befördert.

Sibylle Hamann

Es kommt nicht allzu oft vor, dass eine Frau was wird. Wenn Frau Maier trotzdem was wird, darf sie mit strengster Beobachtung rechnen. Ob man denn sicher sein könne, dass sie ihren Job ausschließlich wegen ihrer Leistung bekommen habe? Ob nicht mitgespielt haben könne, dass sie eine Frau ist? Aaaalso, raunt es, Frau Maier zu einer Quotenfrau zu machen – damit tue man doch weder ihr persönlich noch den Frauen insgesamt etwas Gutes. Wo kommen wir denn hin, wenn nicht mehr die Qualifikation zählt? Sind wir bald unterjocht von lauter unfähigen Weibern? Und müssen uns künftig umoperieren?

Die sogenannte „Quotenfrau“ kann Männer – und Frauen – ganz schön in Rage bringen. Obwohl es, bei näherer Betrachtung, kaum irgendwo eine gibt, zumindest in geographischer Nähe. An amerikanischen Universitäten, in Aufsichtsräten norwegischer Unternehmen – da ist tatsächlich eine Quote, d.h. ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis bei Postenbesetzungen, vorgeschrieben. In Österreich hingegen existiert nichts dergleichen. Es gibt bloß freiwillige Absichtserklärungen, etwa bei den Mandatslististen einiger Parteien, sowie im Staatsdienst das Prinzip, bei GLEICHER Qualifikation Frauen zu bevorzugen.

Was es in Österreich statt der Quotenfrau gibt, ist der Quotenmann. Herr Müller ist jener Funktionsträger, der Schritt für Schritt die Karriereleiter hinaufsteigt, ohne jemals wirklich beweisen zu müssen, dass er besser ist als alle anderen. Da raunt natürlich keiner: Ob man denn sicher sein könne, dass Herr Müller seine Beförderung ausschließlich wegen seiner Leistung bekommen habe? Ob denn nicht mitgespielt haben könne, dass er ein Mann ist?

Der Unterschied zwischen der (fiktiven) Frauenquote und der (allgegenwärtigen) Männerquote: Erstere läge theoretisch zwischen 40 und 50 Prozent. Zweitere hingegen liegt um die 80, manchmal sogar bei 100 Prozent. Zum Beispiel, wie den Zeitungen zu entnehmen, bei den Rektoren der österreichischen Universitäten. 22 Posten gibt es da, zu 100 Prozent sind sie von Männern besetzt. Und wo immer Gefahr besteht, eine Frau könne die Männerquote verpatzen, fällt den Beteiligten unter Garantie irgendein Winkelzug ein, das zu verhindern. Jüngst geschehen an der Donau-Uni Krems, der Uni für Bodenkultur, sowie der Hochschule für Bildende Künste.

Der Quotenmann ist eine Plage. Er tut all das, was man dem Phantasiegeschöpf der Quotenfrau so gern vorwirft: Er verdankt seinen Status seinen äußeren Geschlechtsmerkmalen und seinen männlichen Freunden. Er verhindert, dass die tatsächlich Bestqualifizierten zum Zug kommen. Damit frustriert er die Leistungswilligen, senkt das intellektuelle Niveau, und verschwendet Ressourcen, die zum höheren Wohl seiner Institution eingentlich nutzbar wären. Er tut weder sich persönlich noch dem Renomee der Männer insgesamt gut.

Seltsam bloß, dass der Quotenmann trotzdem keine schlechte Presse hat, dass sein stetes Fortkommen nie für Empörung sorgt. Es kann nur daran liegen, dass er unter seinesgleichen, in Wirtschaft, Politik und Medien, gar nicht auffällt.

 

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