Warum können Schwarze, Frauen und schwarze Frauen nur was werden, wenn sie Rechte sind?

Sibylle Hamann

Es ist gar nicht lang her, da war Nicolas Sarkozy noch verschrieen als fremdenfeindlicher Demagoge, als Macho, als brutaler Machtmensch. Jetzt steht er inmitten seiner Ministerschar, und siehe da: Die schaut aus wie die Ehrenloge eines linksalternativen Multikulti-Festivals. Neben ihm stehen zwei Powerfrauen als Innen- und Wirtschaftsministerin. Justizministerin Rachida Dati ist die Tochter maghrebinischer Einwanderer; Staaatssekretärin Rama Yade ist gebürtige Senegalesin und gerade erst 30 Jahre alt; Staatssekretärin Fadela Amara ist Muslimin, streitbare Linke und Feministin gleichzeitig.

Ein Konservativer in Frankreich traut sich, was kein Sozialist vor ihm zustande brachte: Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten, weithin sichtbar, an die Macht lassen, statt immer nur drüber zu reden, wie sinnvoll es wäre, Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten an die Macht zu lassen.

Das ist ein interessantes Phänomen, umso mehr, als Sarkozy – übrigens selbst ein Einwandererkind – kein Einzelfall ist. In den USA brauchte es einen konservativen Präsidenten, damit Schwarze erstmals Außenpolitik machen durften. Die bemerkenswertesten Regierungschefinnen Europas, Margaret Thatcher und Angela Merkel, sind Konservative. Wie kommt das?

Zwei Erklärungsversuche. Erstens: „Man muss nur wollen, dann geht alles“ ist eine Art rechtes Glaubensbekenntnis. Wer Menschen, die benachteiligten Gruppen angehören, in hohe Ämter beruft, versucht damit, auf die schnellste aller möglichen Arten, die Gültigkeit des eigenen Weltbilds zu beweisen. Der Umkehrschluss, polemisch formuliert: Eine linke Partei KANN Frauen und Einwanderer eigentlich gar nichts werden lassen, denn da würde sie ihr eigenes Weltbild, in dem es Ungleichheit und strukturelle Benachteiligungen gibt, Lügen strafen.

Zweitens: Die Sozialdemokratie hat es in den vergangenen Jahrzehnten fabelhaft verstanden, engagierte Frauen, engagierte Neo-BürgerInnen und sonstiges buntes Volk in eigenen, für sie reservierten Nischen abzustellen und dort zu füttern, bis sie müde sind. Minderheitenkommissionen, Integrationsabteilungen, Büros für Gleichstellung, Sonderbeauftragte für dies und das: An all diesen Orten darf man eifrig vor sich hin werken und wird regelmäßig gelobt. Hauptsächlich jedoch soll man dort brav warten, bis die weißen Männer mit ihrer hekuleischen Aufgabe – der Herstellung von Chancengleicheit für alle nicht-ganz-weißen Nicht-Männer – fertig sind. Man darf dabei tunlichst nicht stören.

So war das im sozialistisch regierten Frankreich, so war das im rot-grünen Deutschland, so war und ist das unter SPÖ-Kanzlern in Österreich.

Welche Art Politik dabei gemacht wurde, ob emanzipatorisch oder rückschrittlich, ist hier nicht das Thema. Auch was Sarkozys Leute konkret tun, wird sich erst zeigen. Unabhängig davon macht Rama Yade aber schon jetzt einen Unterschied. Denn eine zehnjährige Französin mit senegalesischen Eltern hat ein paar Ideen mehr, wenn sie gefragt wird, was sie mal werden will. Tierärztin? Ministerin? Oder doch lieber Friseuse?

 

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