Wie genau schätzten die Nazis die Mütter? Indem sie sie ermordeten?

Sibylle Hamann

Über Eva Herman gibt es nicht viel zu sagen. Gab es nie. Gibt es auch jetzt nicht. Außer, dass jetzt eh alles klar ist. Die Bestsellerautorin ist ab sofort dort, wo sie immer sein wollte, nämlich nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz im Fernsehen, sondern daheim am Herd. Aus den Fängen des Berufs, der Frauen angeblich so schrecklich unglücklich, einsam, verhärmt und hässlich macht, hat sie sich endlich befreit. Also Gratulation! Und viel Freude noch beim Endlich-Nur-Noch-Mutter-Sein.

Die paar logischen Unschärfen, die Herman ihren Fans zumutet, gehen eigentlich nur ihre Fans was an. (Zum Beispiel: Was tut man, als wohlhabende Nur-Mutter eines (!) zehnjährigen Sohnes eigentlich den ganzen Tag? Die Ayurveda-Massage ins Haus bestellen, Apfelkuchen backen, und warten, dass der Sohn aus der Schule kommt? Oder lieber Bücher schreiben, in Talkshows auftreten und massenhaft Geld verdienen? Aber was genau unterschiedet diesen Hausfrauen-Zeitvertreib dann vom verteufelten Berufstätig-Sein, außer, dass er zehnmal mehr Geld bringt?) Egal. Es gibt viele dumme Bücher, und viele Menschen, die dumme Bücher kaufen, was soll’s.

Relevanter und erschreckender an der Pseudo-Affäre Herman ist das trübe Sediment an Meinungen, das sie aufgewühlt hat – und das jetzt, in tausenden Postings, die Leserforen verschlammt. Da wird geraunt und gejeiert, verschwörerisch angedeutet und unverblümt aufgerechnet, dass es einem nur noch grausen kann. Die „Wertschätzung der Mutter im Dritten Reich“ – ja, das wird man doch wohl noch aussprechen dürfen? Immerhin wurde die Familie von den Nazis noch geachtet und geehrt! Im Gegensatz zu heute, wo linker Gesinnungsterror herrscht und karrieregeile kinderlose Emanzen die Macht im Staat an sich reißen! Während unser Volk ausstirbt!

Man möchte auch solchen Unsinn gern einfach beseite wischen. Aber es gelingt nicht sofort. Man möchte der Ordnung halber noch mal nachfragen, um sicher zu gehen, dass man die Ungeheuerlichkeit der Argumentationskette auch richtig verstanden hat.

Also, ganz konkret: Worin genau bestand die „Wertschätzung der Mütter im Dritten Reich?“ Darin, dass man sie, gemeinsam mit ihren Kindern, in Viehwaggons verlud, ab in die Vernichtungslager? Eher im Erschießen, eher im Verhungern-Lassen, eher im Totprügeln oder eher im Vergasen? Haben Sie beim Wort „Wertschätzung“ eher die Zwangssterilisierungen im Kopf, die medizinischen Experimente, die Massenvergewaltigungen, oder die Behandlung der Zwangsarbeiterinnen?

Gut möglich natürlich, dass Sie all diese Mütter gar nicht meinen, wenn sie von „Müttern im Dritten Reich“ sprechen. Weil Sie ausschließlich die deutsche Mutter meinen, jene mit Ariernachweis. Der ging es – da haben Sie schon recht – ein bisschen besser als der jüdischen. Deren Kinder wurden nicht gleich in den Tod geschickt, sondern erst später. Die durfte kleine Soldaten ausbrüten und sie dem Führer schenken, je mehr desto besser, denn der Führer verschliss in seinen Lebensraumkriegen viele davon.

War es das, was Sie mit „Wertschätzung“ meinen? Danke für die Klarstellung.

 

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