Der Buddhismus ist netter als der Islam. Trotzdem läuft auch da nicht alles glatt.

Von Sibylle Hamann

Es muss vor ein paar Jahren gewesen sein, vielleicht nach einer besonders emotionalen Runde im Ortstafelkonflikt. Da saß das Kärntner Landesoberhaupt bei einer Tasse Kräutertee, und es durchzuckte ihn: „Der Dialog der Kulturen scheint mir gerade in der heutigen Zeit notwendig.“ Was für ein Gedanke! Dass mir der nicht früher gekommen ist!

Also: Eine Kultur muss her. Wird wohl eine fremde sein müssen, denn mit der eigenen kann man schlecht Dialog führen. Fremd ist zwar generell eher böse, aber ganz, ganz fremd geht schon wieder. Da kennt sich keiner so genau aus.

Dann stand also, im Mai vergangenen Jahres, der Dalai Lama im Kärnter Ort Hüttenberg. Würdevoll wie immer, im bordeauxfarbenen Mönchsgewand, stapelte er grün beschriftete Ziegelsteine aufeinander. Harmonie kam da neben Zufriedenheit zu liegen, Vertrauen neben Glück und Frieden. 4000 Einheimische in Festtagstracht schauten andächtig zu, es wurden tibetische Momos gereicht (als Nudeltaschen vermutlich Verwandte der Kasnudeln), der Dalai Lama betatschte Krachlederne und Zupfbass, Haider sagte: „Der Dialog der Kulturen scheint mir gerade in der heutigen Zeit notwendig“, und am Ende sangen alle „Brüderlein komm tanz mit mir“.

Das war ein Dialog so ganz nach dem Geschmack des Landesoberhaupts. Weit und breit kein Muezzin und kein slowenischer Pfarrer. Weit und breit nur „innere Ruhe, Verständnis, Toleranz und Mitgefühl“. Eine Wesensbeschreibung des Haider’schen Charakters quasi. Und dazu, im Doppelpack, eine geniale Geschäftsidee für den Kärnten-Tourismus.

In Hüttenberg sollte nämlich ein Vier-Sterne-Kloster-Hotel gebaut werden, von der Baufirma Rogner, mit kräftigen öffentlichen Subventionen. „Spa-Philosophie“ auf 2500 Quadratmetern, 260 Betten, samt Wellness- und Meditationsräumen, Pilgerpfad und Fackelwanderungen. Alles vage dem Potala-Palast in Lhasa nachempfunden. Dazu, als Extra-Kick für den ganz speziell authentischen Flair, eine Privatuniversität zur Forschung und Lehre der traditionellen tibetischen Philosophie samt Kräuterheilkunde.

Spiritualität, Entschleunigung und innere Einkehr, alles um schlanke 25 Millionen Euro: Tolle Sache, versicherte man dem heiligen Gast. In der Kärntner Bergluft wachsen die Himalaya-Kräuter sicher super. Allerdings bestehe man, damit das mit der inneren Einkehr auch äußerlich was bringt, auf den weltweiten Exklusivrechten für die Vermarktung. Nicht, dass irgendwelche dahergelaufene Tibeter anderswo mit irgendwelchen Kräutern kommen, und auch sagen, sie machen tibetische Spiritualität. Nein, die ist ab sofort die Unique Selling Proposition für den Kärntner Ganzjahrestourismus, und der Dalai Lama unser Werbeträger. Die gehören jetzt uns, gell?

Der Dalai Lama hat sich in Kärnten dieser Tage nicht mehr blicken lassen, obwohl er doch ganz in der Nähe war. In Hüttenberg stehen die Arbeiten still, die tibetischen Vertragsparter wollten plötzlich keine Verträge mehr unterschreiben. Sie scheinen irritiert zu sein. Es scheint Missverständnisse gegeben zu haben. Irgendwas ist schiefgelaufen im Dialog der Kulturen. Was bloß?

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.