„Mehr privat, weniger Staat“ ist beim Kriegführen kein gutes Konzept.

Sibylle Hamann

Man kann Krieg lernen, ohne zur Armee zu gehen. Man kann ihn buchen wie den Familienurlaub oder einen Fortbildungskurs. Halbwegs gesund sollte man sein, nicht zu kurzsichtig. Führerschein und Waffenschein sind von Vorteil. Dann blättert man einfach durch den Online-Katalog der Firma Blackwater und sucht sich etwas Passendes aus. Schießen für Anfänger? Sprengstoffkunde? Gleich den Spezialkurs für Hubschrauber-Scharfschützen? Häuserkampf, Geiselbefreiung, Personenschutz?

Wer mit weniger Adrenalin auskommt, könnte es erst mal mit dem Sprachkurs „Irakisches Arabisch“ versuchen, oder mit „Dari/Pashtu“ für Afghanistan. Manchmal, mahnt die Hompage, muss man nämlich auch reden. „Kulturelles Wissen ist im Mittleren Osten überlebenswichtig. Wenn Sie die Menschen nicht verstehen, können Sie schreckliches Unheil anrichten“, steht da.

Die Sprachkurse scheinen nicht das Highlight der „Blackwater“-Ausbildung zu sein. Vielleicht vergisst man in Stressstituationen die Grundregeln von Grammatik und Höflichkeit; vielleicht hapert es an der Aussprache der Kursleiter; im Irak jedenfalls machten die Mitarbeiter bisher nicht mit ihrer kulturellen Sensibilität auf sich aufmerksam, sondern mit ihren Tätowierungen, Sonnenbrillen und Rambo-Attitüden. Ihnen zu begegnen, ist für Iraker Anlass, in Panik zusammenzuzucken. Sie rasen in gepanzerten Wagen herum, mit mehreren MGs im Anschlag. Um ein Haus zu betreten, treten sie routinemäßig gleich die Türen ein. Fühlen sie sich bedroht, schießen sie sofort. Sie hauen so den letzten Rest Vertrauen zusammen, den Zivilisten den Besatzern entgegenbringen mögen. Denn wenn man die Tür eingetreten bekommt, ist es ein bisschen viel verlangt, zwischen Soldaten und Privatangestellten zu unterscheiden. Amerikaner sind Amerikaner.

„Blackwater“ verkörpert die finstere Seite des Iraks-Kriegs. Zwischen 20.000 und 40.000 Männer dürften es sein, die sich dort derzeit bei privaten Sicherheitsdiensten verdingen, zu Tagsätzen zwischen 450 und 650 Dollar. Sie haben Verträge mit dem Verteidigungs- und Außenministerium und erledigen Aufgaben, von denen sich die Besatzungsarmee überfordert fühlt: Aufklärung, Objektbewachung, Personenschutz. Wie viele tote Zivilisten das bisher gefordert hat, kann niemand sagen, denn die werden, anders als die Opfer offizieller Soldaten, nicht offiziell gezählt. Die Söldner unterliegen weder irakischen noch amerikanischen Gesetzen.

Söldner sind kein neues Phänomen. Historisch betrachtet, waren sie eher der Normalfall: Ein Fürst bietet Lohn und Brot; wer Lohn und Brot braucht, zieht für den Fürsten in den Krieg. So war das jahrhundertelang in Europa, so war es, vor ein paar Jahren noch, in Afghanistan.

Doch eine moderne Demokratie ist kein Fürstentum. Sie braucht gute Argumente, um einen Krieg zu führen. Sie kann ihren Soldaten und ihrem Volk zwar Opfer abverlangen – allerdings nur, solange deren Sinn nachvollziehbar ist. Wenn die amerikanische Demokratie Kriegsleistungen auf dem privaten Markt zukaufen muss, zeigt das bloß eines: Dass ihre Argumente nicht gut genug sind.

 

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