…ist vergessen. Aber das Helfen hat den Helfern gut getan.

Sibylle Hamann

Was war das für ein prächtiger Moment, vor nicht ganz drei Jahren. Der damalige Kanzler, der damalige Vizekanzler und die heute noch amtierende Außenministerin setzten sich vor eine Weltkarte, beklagten die „Verletzlichkeit des Menschen“, beschworen den „Wert des Zusammenhaltens“, und versprachen 34 Millionen Euro Hilfe für die Opfer des Tsunamis.

Es tut wahrscheinlich gut, solche Sätze auszusprechen. Vor großem Publikum tut es wohl noch besser. Obwohl es nicht das eigene Geld ist, das hier verteilt wird – ein Hauch Güte, Größe und Großzügigkeit bleibt auch am Überbringer haften. 34 Millionen! Das muss sich anfühlen wie Babyöl auf dem Ego. Zumal man ja davon ausgehen kann, dass die Welt die Flutwellen von vorgestern rasch vergisst. Und es selten vorkommt, dass jemand, wie die Kollegen vom „profil“, später nachfragt, was denn eigentlich geworden ist aus den großen Versprechen. Nicht viel, lautet die Antwort. Statt 34 flossen bloß 8,9 Millionen.

Dazu eine Anekdote aus dem Alltag einer großen, professionellen Hilfsorganisation. Dort läutete, nach einem verheerenden Erdbeben irgendwo auf der Welt, das Telefon. Am Apparat war ein Manager aus der Telekommunikationsbranche mit einem drängenden Anliegen: Man möge ihn, bittebitte, auf der Stelle an den Krisenschauplatz bringen und ihm eine Schaufel geben. Er wolle Schutt schaufeln bis zur Erschöpfung. Er sei nämlich ausgebrannt im Job, und fühle den starken Drang, endlich etwas Sinnvolles zu tun.

Das war ein rührendes Anliegen. Sympathisch war der Anrufer in der Ehrlichkeit, mit er zugab, dass es am Ende nicht so sehr um die Erdbebenopfer ging, sondern einzig allein um ihn selber. Um sein Burnout-Syndrom. Um seine Lebenskrise. Um seine große Sehnsucht.

Am eigentlichen Zweck gemessen, war sein Angebot hingegen vollkommen wertlos. Nichts brauchen professionelle Helfer an einem Krisenschauplatz weniger als sentimentale Manager, die sich spüren wollen. An keinem Katastrophenort der Welt mangelt es an Menschen, die Schutt schaufeln könnten, wenn man ihnen das Werkzeug dafür in die Hand drückt. Im Gegenteil: Indem man das Schuttschaufeln an sich reißt, raubt man den Überlebenden vor Ort eine der wenigen Gelegenheiten, ein bisschen Geld zu verdienen.

Weniger ehrlich, aber im Prinzip nichts anderes, war, was das offizielle Österreich nach dem Tsunami tat. Vizekanzler Gorbach etwa versprach vollmundig, eine wichtige Bahnlinie in Sri Lanka wieder aufzubauen. Es war, gemessen am Zweck, ein recht sinnloses Angebot – denn Schienenverlegen können srilankesische Techniker und Arbeiter grad so gut wie österreichische. Ökonomisch war es absurd – denn die Schienen hätte man, wie „profil“ weiter berichtet, gar aus Österreicht liefern lassen wollen, zu horrenden Transportkosten.

Doch es ging ja eben gar nicht um die Tsunamiopfer. Es ging um „unsere Schienen“, um „unsere Bahn“, um „unseren Herrn Minister“. Darum, dass sich letzterer ein bisschen besser fühlt. Und diese gute Tat hat gegenüber der echten Katastrophenhilfe einen entscheidenden Vorteil: Sie funktioniert auch dann, wenn gar kein Geld fließt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.