Warum machen wir Paaren das Leben so schwer, wenn sie verschieden ausschauen?

Ein Kommentar

Es gibt Menschen, die zueinander finden, weil sie zusammen passen. Manche von diesen Menchen schauen sogar äußerlich ähnlich aus. Sie haben einen ähnlichen Geschmack bei der Auswahl ihrer Wintermäntel, bevorzugen ähnliche Frisuren und färben ihre jeweiligen Alltagsgewohnheiten aufeinander ab. Das geht oft gut, ein Leben lang, manchmal nicht. Wenn es gut geht: Herzliche Gratulation!

Dann gibt es Menschen, die zueinander finden, weil sie total verschieden sind. Er ist ein Stubenhocker, sie ein Partytier. Er sucht den Nervenkitzel in der Felswand, sie liegt lieber auf dem Sofa und streichelt die Katze. Sie ist ehrgeizig, er lässt sich treiben. Auch das geht oft gut. Auch das ist oft schön. Gratulation auch hier!

Was all diese Paare gemeinsam haben: Keines muss sich je vor einer größeren Öffentlichkeit rechtfertigen, warum und wie sie einander gefunden haben. Solche Entscheidungen überlasst man, mit gutem Grund, der Intimsphäre. Und mit Recht maßen sich Fremde hier normalerweise kein Urteil an.

Anders ist das bloß in einem Fall: Wenn Menschen, die zueinanader finden, äußerlich verschieden ausschauen. Wenn sie, zum Beispiel, aus unterschiedlichen Kulturen kommen oder unterschiedlicher Hautfarbe sind. Wenn man ihre Verbundenheit nicht auf den ersten Blick, aus hundert Metern Entfernung erkennt, sondern womöglich erst auf den zweiten. Diese Menschen stehen unter Generalverdacht.

Beweisen Sie uns gefälligst Ihre Liebe: So ähnlich scheint das Motto der österreichischen Berhörden zu lauten, wenn sie es mit solchen Paaren zu tun kriegen. Oberstes Prinzip dabei ist Misstrauen. Ob es sich nicht um eine Scheinehe handelt, um eine Aufenthaltsberechtigung zu erschleichen? Ob da wohl einer den einen austrickst, oder beide gemeinsam das österreichische Standesamt? Ob da wohl Geld geflossen ist? Ob Schlepper im Spiel sind? Oder sonst irgendwelche dunklen Machenschaften?

Was sich die Behörden alles an Schikanen ausgedacht haben, um solchen Paaren das Leben schwer zu machen, ist mittlerweile umfassend dokumentiert. Da werden Menschen zwischen Ämtern und Botschaften in verschiedenen Kontinenten hin- und hergeschickt; da müssen Menschen ein Mindesteinkomen nachweisen, denen man gleichzeitig das Arbeiten verbietet; da dürfen Väter nicht bei der Geburt ihres Kindes dabei sein, weil sie aus aufenthaltsrechtlichen Gründen ausreisen müssen; da werden Menschen gezwungen, ihre Lebensplanung von einem Tag auf den anderen über den Haufen zu werfen, weil man einfach rasch ein Gesetz geändert hat.

Es steckt ein unausgesprochener Vorhalt hinter all diesen Schikanen. Er lautet ungefähr so: Was die wohl aneinander finden? Sind doch genug Menschen hier in Östereich, da hätt doch wohl der richtige oder die richtige dabei sein können? Waren die vielleicht alle nicht gut genug?

Solche Hintergedanken sind hinterhältig und unwürdig. In einer zivilisierten Gesellschaft, die das Privatleben des einzelnen achtet, haben sie nichts verloren. Mit Recht maßen sich Fremde in Liebesdingen normalerweise kein Urteil an. Belassen wirs dabei. Und gratulieren!

 

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