Die FPÖ fühlt mit den serbischen, Jörg Haider lieber mit den kroatischen Nationalisten

Sibylle Hamann

Das kleine strategische Problem, das Nationalisten aller Schattierungen stets verfolgt, ist im Nationalismus quasi von Natur aus eingebaut. Es lautet: Je mehr einer die eigene Nation liebt, desto weniger liebt er normalerweise die andere. Das macht die transnationale Solidarität unter Nationalisten generell ein bisserl schwierig – wie man, zum Beispiel, an den eher fruchtlosen Versuchen zur Zusammenarbeit im europäischen Parlament sehen kann. Da würden sich die Deutschnationalen eigentlich ganz gut mit den italienischen Neofaschisten verstehen; aber weil es Südtirol gibt, wo einer den anderen als Feind braucht, werden die wohl nie zusammenkommen.

Ist man Nationalist in Österreich, gestaltet sich die strategische Lage noch etwas komplizierter als anderswo. Denn: Welche Nation solls denn überhaupt sein? Zur österreichischen bekennt man sich, aus tiefster Überzeugung, im dritten Lager eher ungern. Sich zur deutschen zu bekennen, kommt beim breiten Publikum nicht so gut an. Also borgt sich der österreichische Nationalist Ersatzgefühle aus – und findet sie dort, wo es mehr als genug davon gibt, in der balkanischen Nachbarschaft.

Heinz-Christian Strache hat wohl einen Moment lang in sich hineingehorcht – und sich dann die Serben ausgesucht. Das Bild vom gedemütigten, von der Welt und allen guten Geistern verlassenen Volk hat es ihm angetan. Wie die Serben fühlt auch er sich stets als Opfer von historischen Missverständnissen und internationalen Schmähkampagnen, und im Image des etwas räudigen Outlaws erkennt er sich wieder. Dass die EU den Serben jüngst das Kosovo weggenommen hat, trifft sich gut, denn die EU nimmt auch der FPÖ ständig irgendetwas weg. Und aus praktischen Gründen kommt Strache sehr entgegen, dass beim deutschnationalen Kühnen-Gruß dieselben drei Finger zum Einsatz kommmen wie beim Gruß der Tschetniks. Drei Bier trinkt man hier wie dort.

Wenn die Serben der FPÖ gehören, braucht Jörg Haider selbstverständlich ein Kontrastprogramm, und weil die Slowenen aus speziellen Kärntner Gründen eher nicht in Frage kommen, bieten sich die Kroaten an. Für Anfang Juni hat Haider daher Marko Perkovic nach Klagenfurt eingeladen, zu einem Match der kroatischen Nationalmannschaft. Perkovic ist Hardrocker, wird daheim von allen Ustascha-Nostalgikern wie ein Held verehrt und nennt sich „Thompson“; Thompson wiederum ist die Markenbezeichnung eines beliebten Maschinengewehrs. In „Thompson“-Musikvideos stehen Männer in voller Kampfmontur vor plätschernden Wasserfällen, recken ihre MPs in die Höhe und phantasieren dumpf grölend darüber, wie es sich anfühlen wird, die serbische Krajina anzuzünden. An ihren Gürteln baumeln Sonnenbrillen neben Handgranaten, und das alles dürfte absolut unironisch gemeint sein. Immerhin wurde die Krajina ja wirklich angezündet.

In Serbien haben die pro-europäischen Kräfte eben die Parlamentswahl gewonnen. Auch in Kroatien ist das wichtigste Thema mittlerweile der Beitritt zur EU. Haider und Strache werden sich nach Ersatzterritorien für ihre Ersatzgefühle umschauen müssen. Sind die Kosovo-Albaner noch frei?

 

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