Es ist ein hässliches Wort. Es klingt nach Warenlieferung, frisch und schnell, direkt ins Haus. „Importbräute“ heißt es. Und so verächtlich, wie das klingt, ist es wahrscheinlich auch gemeint.

„Importbräute“ kommen meistens aus der Türkei, aus Gegenden, in denen kein allzugroßer Wohlstand herrscht. Sie werden mit Landsleuten verheiratet, die schon länger in Österreich leben. Die Hochzeit findet in der Heimat statt, in den großen Ferien vielleicht. Im Rahmen des Familiennachzugs erhält die junge Ehefrau dann irgendwann ein Einreisevisum und übersiedelt nach Österreich. In eine Stadt, in der sie niemanden kennt außer ihrem Ehemann. Und auch den kennt sie oft kaum.

Wer fremd ist, ist abhängig. Und genau das ist wahrscheinlich beabsichtigt, von Seiten der Familie zumindest. Mädchen, die in Österreich aufgewachsen und in die Schule gegangen sind, gelten in den Augen von traditionellen Patriarchen nämlich rasch als „verdorben“. Denen hat womöglich schon jemand Flausen in den Kopf gesetzt. Die wollen womöglich mehr vom Leben, als die Familie ihnen bieten kann. Die sind womöglich – du lieber Himmel! – keine Jungfrau mehr. Und weil viele Menschen, Türken ebenso wie Österreicher, den Idealen ihres Herkunftsdorfes umso inniger anhängen, je weiter sie von dort entfernt leben, glauben sie, dass im fernen Dorf die Welt ganz sicher noch in Ordnung ist. Dort sind die Mädchen sittsam, gehorsam und rein.

Versuchen wir, uns in so eine „Importbraut“ aus dem fernen Dorf hineinzuversetzen. Sie versteht nicht, was um sie herum gesprochen wird. Wenn sie auf der Straße geht, mit Kopftuch womöglich, erntet sie feindliche Blicke. Sie hat ständig Angst, irgendetwas falsch zu machen, denn sie kennt die Spielregeln nicht. Ihr einziger Bezugspunkt zur österreichischen Wirklichkeit ist der Ehemann, eventuell die Schwiegereltern. Wünschen wir der jungen Frau, dass sie Glück hat und von diesen Leuten gut und respektvoll behandet wird. Aber an wen soll sie sich wenden, wenn sie Pech hat? Wenn man sie ausnützt, herumkommandiert, vielleicht sogar misshandelt? Ihre Eltern und Geschwister, ihre Freundinnen, ihr gesamtes soziales Netzwerk ist weit weg. Ob sie wohl zur Polizei geht?

Man könnte meinen, dass die österreichischen Behörden einer Frau in einem solchen Konflikt zur Seite stehen können. Das ist leider ein Irrtum. Das Fremdenrecht tut nämlich das Gegenteil: Es verstärkt noch die Abhängigkeit dieser jungen Frau von ihrem Eheman. Es verbietet ihr, arbeiten zu gehen und ein bisschen eigenes Geld zu verdienen – fünf Jahre lang bekommt sie keine Arbeitsgenehmigung. Anspruch auf Sozialhilfe hat sie ebensowenig. Sie hat nicht einmal ein eigenes Aufenthaltsrecht. Es ist an das ihres Ehemanns gebunden, und daran, dass die Ehe aufrecht bleibt. Sobald sie sich scheiden ließe, würde sie ausgewiesen.

„Ich hab dich in der Hand“, kann so ein Mann zu seiner Frau sagen, wenn er bösartig ist. „Ohne mich bist du hier gar nix. Wenn ich will, schafft dich die Polizei außer Landes.“

Das Tragische an diesen Sätzen ist: Sie sind, der österreichsichen Rechtslage nach, nicht einmal gelogen.

 

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