Che Guevara ist ein Poster Boy für Männer, die sich mal wieder ein bisschen spüren wollen.

Sibylle Hamann

Jetzt hat den Donaupark der Spätherbst in Besitz genommen. Einst war hier ein militärischer Schießplatz. Während der NS-Zeit fanden Hinrichtungen statt. Nachher war das Gelände eine Mülldeponie. 1964 kam dann aber die Wiener Internationale Gartenschau, und seither ist alles gut. Einige der der Pflanzen und Parkbänke von damals stehen heute immer noch da, eine Liliputbahn fährt gemächlich im Kreis, ebenso gemächlich dreht sich das Restaurant auf dem Donauturm um die eigene Achse.

Die Weltgeschichte hat schon länger nicht mehr vorbeigeschaut im Donaupark. Doch in Zukunft wird man hierher kommen können, um sich schnell das große Gefühl abzuholen. Diesen Donnerstag wird nämlich das Denkmal von Che Guevara eingeweiht. Im Beisein des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl und des Vorsitzenden der SPÖ-Pensionisten, Karl Blecha. Die FPÖ wird mit Plakaten dagegen demostrieren. Obwohl deren Chef sich eben erst, im Wahlkampf, als StraCHE gebärdet hat – als Sozialrebell mit keckem Revoluzzermützchen und rotem Stern.

Gegen ein Denkmal ist zunächst einmal nichts einzuwenden. Im Donaupark stehen schließlich auch der chilenische Präsident Salvador Allende, der bolivarische Nationalheld Simon Bolivar, eine Gedenktafel für die Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz, ein Gedenkkreuz für den Papst Johannes Paul II, sowie eine Statue von Üzeyir Äbdul Hüseyn oglu Hacibäyov, jenem aserbaidschanischen Komponisten und Musikpädagogen, dem die Welt, laut Wikipedia, die Begründung des Genres der aserbaidschanischen Musikkomödie verdankt. Wofür genau Hacibäyov 1941 den Stalin-Preis bekommen hat, weiß das Online-Lexikon nicht; man müsste sich aber schon ziemlich anstrengen, um aus der eher willkürlichen Donaupark-Ikonenauswahl eine politisch stringente historische Programmatik abzuleiten.

Warum also steht Che da? Um seine Verdienste als Chef der kubanischen Zentralbank wird es kaum gehen, ebensowenig um seinen Revolutionsexport in den Kongo. In beiden Rollen ist er kläglich gescheitert, und das kubanische Modell taugt, aus heutiger Sicht zumindest, nicht wirklich zur globalen Nachahmung.

Nein, was Menschen wie Charly Blecha und HC Strache suchen, die alten Haudegen und die jungen Sprücheklopfer, ist die Hoffnung, dass von der Ikone ein bisschen Kraft auf sie abstrahlen möge. Che war nie Che. Er war und ist stets Projektionsfläche für die hartnäckigsten aller Männerphantasien: Der verwegene Kerl, der mühelos feingliedrige Töchter aus gutem Hause einwickelt. Der Abenteurer, der sich auf sein Motorrad setzt, um den Kontinent zu durchqueren. Der Mann, der sein Hemd nur einmal in der Woche wechselt, weil er seinen hormonellen Ausdünstungen ebenso vertraut wie seinen politischen Grundsätzen, und der sich, wenns das höhere Ziel verlangt, sogar stolz dem Tod in die Arme wirft.

Das alles ist unerträglicher Kitsch. Genau deswegen wirkt es – im blutleeren SPÖ-Pensionistenkränzchen genauso wie in der rustikal grölenden FPÖ-Disco. Und dieser Kitsch ist, rückblickend, eigentlich das allerböseste, was man einem Menschen wie Che Guevara hat antun können.

 

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