Die Sahara-Geiseln werden nicht nur mit ehrlicher Freude empfangen.

Sibylle Hamann

Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner sind also wieder zu Hause. Frau Kloiber hat aus Mali einen leuchtend gelben Schesch mitgebracht, sie wird ihn wahrscheinlich niemals mehr hergeben, denn sie hat am eigenen Leib erfahren, dass so ein Tuch überlebenswichtig sein kann, wenn einen der Wind und der Sand fressen wollen. Ihr Lebensgefährte hat ein paar graue Haare mehr und ein paar Kilo weniger, auch er wird in der Wüste bisweilen an Grenzen gestoßen sein. Körperlich geht es den beiden gut. Sie brauchen Zeit, um anzukommen. Lassen wir sie ihnen.

Derweil freuen sich die Diplomaten, die Außenministerin, die Nachbarn in Hallein, die Arbeitskollegen. Die persönlich unbeteiligten Medienkonsumenten freuen sich ebenfalls, doch ganz ehrlich ist das nicht immer. Ein seltsamer Unterton mischt sich bisweilen in die Gespräche, er klingt nach „selber schuld“. Hat ihnen ja keiner angeschafft, das Abenteuer. Wer unbedingt was Exotisches erleben will, statt daheim zu bleiben; wem der Urlaub am Klopeiner See nicht reicht, der braucht sich nicht wundern, wenns eventuell ein bisserl ungemütlich wird.

Und wie immer, wenn persönliches Ressentiment mit rationalem Allgemeininteresse verbrämt werden soll, ist auch hier wieder viel von „unserem Steuergeld“ die Rede, das sinnlos für persönliche Extravaganzen vergeudet werde, statt es für Kindergärten, Autobahnen oder einheimische Mindestpensionisten zu verwenden.

Es ist ein interessantes Gefühlsgemenge, das hier durchschimmert. Manchmal fallen einem Zweideutigkeiten auch in den eigenen Worten auf. Was steckt da drin?

Der banalste Teil des Gemenges ist wohl der Neid; Neid auf Zuwendung und Mitgefühl, das andere bekommen. Wer auch immer mit seiner Notlage zur öffentlichen Figur wird, setzt sich dem Vorwurf aus, „sich nur wichtigmachen“ zu wollen und wird zurechtgewiesen, „sich nicht so aufzupudeln“. Ganz so, als sei Verbrechensopfer ein Berufsziel, dass man bewusst anstrebt, um Kapital draus zu schlagen.

Dem Neid verwandt ist das Misstrauen gegen Menschen, die sich absichtlich der Fremde und neuen Erfahrungen aussetzen. Den Daheimgebliebenen bleibt da bloß die Genugtuung, man habe eh schon immer gewusst, dass einem die Fremde besser gestohlen bleibe.

Am wichtigsten ist schließlich die Sehnsucht, das Leben möge eine Abfolge von bewussten Risikoabwägungen sein: Wer vorsichtig ist, lebt länger; wer es aufregend will, muss mit Blessuren rechnen. Jede Gefahr möge schon von weitem als solche zu erkennen sein, damit man entscheiden kann, ob man drauf zugeht oder ausweicht.

Damit sind wir bei einem sehr archaischen Motiv angelangt – dem dringenden Bedürfnis des Menschen, an die Gerechtigkeit des Schicksals zu glauben. Wem etwas zustößt, wird es wohl irgendwie provoziert haben. Wer leidet, hat es so gewollt. Mindestens aber muss Leid ein Ausgleich sein, für eine Schuld, die man vorher auf sich geladen hat: für Hybris oder Eitelkeit, Gier oder maßlosen Lebenshunger.

Dass es am Ende immer die richtigen trifft, und dass jeder kriegt, was er verdient: Schön wärs. Aber es ist gelogen. Und manch einer ertrinkt auch im Klopeiner See.

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