Die Feiertage sind geschlagen, endlich. Zeit zum Ausmisten. Damit man sich endlich wieder normal bewegen kann in der Wohnung, Damit endlich wieder Platz ist für die Alltagsdinge, die ihre Rechte zurückfordern nach dem Ausnahmezustand. Ausmisten heißt heutzutage meistens: Sich vor den Comupter setzen und bei Ebay einloggen. Und das ist gut so. Es wird Zeit, die Online-Verkaufsbörsen endlich mal angemessen zu würdigen.

Zunächst einmal: Es ist in beinahe jeder Hinsicht sinnvoll, wenn Dinge, die für einen selbst wertlos geworden sind, von jemandem weiterbenützt werden, der sie wirklich brauchen kann. Sozial ebenso wie ökologisch. Denn ein neues Produkt weniger – das ist ein Produkt weniger, das weltumspannend hergestellt, herumgeflogen, gelagert, mit dem LKW von der Fabrik in den Großhandel und von dort weiter ins Geschäft transportiert wird. Und es ist eine Fahrt weniger ins Einkaufszentrum am Rand der Stadt.

Zweitens: Ganz viele Dinge vertragen mehrere Leben – und verdienen sie deswegen auch. Kaum jemand kann so oft mit einer Ritterburg spielen, dass sie von den vielen Berührungen tatsächlich unansehnlich wird. Kaum ein Kleinkinderschuh passt so lang, dass er durchgescheuert wird. Und kaum ein Erwachsener geht so oft eislaufen, dass sich die Anschaffung des allerneuesten Schlittschuhmodells lohnt. Grüße an Frau Limbach übrigens, irgendwo in Ostdeutschland! Sie passen ganz ausgezeichnet.

Drittens: Der Online-Handel ist die einzige Überlebenschance für viele kleine Händler und Spezialisten. In kaum einer Kleinstadt lohnt sich ein gut bestückter Musikalienfachhandel. Auch der lokale Kundenkreis für Holzperlen, Briefmarken, japanische Comics und bestickte Unterwäsche wird in der Provinz beschränkt sein. Deswegen sperren allerorten die Geschäfte auf den Hauptplätzen alle zu, und deswegen fahren alle immer in die großen Einkaufszentren, wenn sie irgendwas Spezielles suchen. Erst im Internet finden Spezialisten wieder ihre Kunden. Weil die Kunden dann aus ganz Europa kommen. Und die Händler können in ihrem Dorf bleiben, wo die Mieten und Lagerflächen billig sind.

Was zu viertens führt: Die Menschen machen sich, sobald sie sich untereinander verständigen und Waren privat (oder semi-professionell) austauschen, unabhängig von den Businessplänen großer Unternehmen, den Vertriebsprofis, und bisweilen sogar von den milliardenschweren Werbeetats. Es ist ein kleiner rebellischer Akt, wenn man nicht kauft, was einem aufgedrängt wird, weil es im Schaufenster hängt, sondern etwas, das es womöglich gar nicht mehr im regulären Handel zu kaufen gibt. Zum Beispiel eine Barbapapa-Kasette. Nein, nicht auf DVD. Sondern af VHS. Ja, das gibt es noch.

Fünftens: Es ist billig. Es nivelliert soziale Unterschiede. Arme kaufen sich Luxuszeug aus dritter Hand, Reiche raffen billigen Ramsch zusammen, und kaum jemand sieht den Unteschied.

Und schließlich: Es ist einfach lustig. Produkte mit Geschichte sind interessanter als Produkte, die in ihrem Leben erst ein Fließband gesehen haben. Man muss sich mit den Menschen, mit denen man handelt, darüber nicht unterhalten – aber man kann, wenn man will. Und wenn der Briefträger kommt und man wieder ein Packerl aufmacht, ist immer ein bisschen Weihnachten. Auch nach Weihnachten noch.

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