An der Abschaffung der Hausbesorger leidet die SPÖ bis heute

Neun Jahre ist es mittlerweile her, dass in Österreich die schwarz-blaue Regierung an die Macht kam. Die satten, arroganten Roten wurden damals, erstmals seit Jahrzehnten, von der Macht verdrängt, und endlich hatten die Rechten Gelegenheit, ihnen eins auszuwischen.

Wahrscheinlich sind sie damals öfters beieinandergesessen, bei Sushi, Branzino oder Würstl, und überlegten, womit man den Roten so richtig fest weh tun könne. Wolfgang Schüssel fiel da einiges ein – der hatte die wunden Punkte seiner Gegner schließlich jahrelang aus allernächster Nähe studiert. Insbesondere die Roten in Wien wollte man zwicken, in ihrer provokanten Selbstherrlichkeit. Irgendwer muss da auf die Idee gekommen sein: Schaffen wir doch einfach die Hausbesorger ab. Dann soll die SPÖ schauen, wo sie bleibt, im Gemeindebau.

Dann ging alles sehr schnell. Seit der Gesetzesänderung 2000 werden praktisch alle Hausbesorger, die in Pension gehen, durch kommerzielle Reinigungsfirmen ersetzt. Es war eine Faustwatschen ins Gesicht der Wiener SPÖ. Der Kiefer, der damals getroffen wurde, ist bis heute ausgerenkt. Und er tut immer noch höllisch weh.

Denn der Hausbesorger im Gemeindebau waren nicht bloß dazu da, kaputte Glühbirnen auszuwechseln, Schnee zu schaufeln und mit den Kindern zu schimpfen, die ihre Kaugummis an die Stiegengeländer pickten. Im besseren Fall waren sie menschenfreundliche Ombudsleute für die Sorgen und Ängste der Bewohner und Bewohnerinnen, im schlechteren waren sie Kontroll- und Disziplinierungsorgane der Partei. Stets jedoch waren sie Blitzableiter. Man konnte ihnen die Schuld für alles geben, das nicht funktionierte, man konnte sich beschwerern und Frust bei ihnen abladen. Wenigstens war jemand da.

Die Wiener SPÖ beißt seither die Zähne zusammen und tut so, als käme sie ohne diese Blitzableiter aus. Man hat, wie es so schön heißt, Aufgaben privatisiert und Verantwortung ausgelagert. Führende SP-Funktionäre samt ihrer Verwandtschaft verdienen damit ordentlich Geld – wie das Magazin „Datum“ in seiner aktuellen Ausgabe enthüllt. Doch wer ehrlich ist, muss zugeben: Seit die Hausbesorger weg sind, liegt ein schlechtes Karma über dem empfindlichen Sozialsystem Gemeindebau.

Man hat es mit Überwachungskameras versucht, mit Sozialarbeitern und mit elektronischen Sperren für die Waschküchen. Man lässt die Glühbirnen auswechseln, den Schnee räumen, die Kaugummis von den Stiegengeländern entfernen, aber am Schimpfen scheitert man bereits. Irgendwas machen die anonymen Putztrupps immer falsch. Immer ist irgendwas viel zu teuer. Immer wieder kocht unter den Bewohnern und Bewohnerinnen eine diffuse Wut hoch, weil sie sich alleingelassen fühlen. Und immer öfter nehmen sie Rache, indem sie FPÖ wählen.

Gut möglich, dass all das im Wendejahr 2000 gar nicht Absicht war. Wenn doch – man müsste der schwarz-blauen Regierung nachträglich zu ihrem taktischen Weitblick gratulieren.

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