…wenn man Verschrottungsprämien in sinnvollere Dinge investiert als Autos

Etwa 2000 Euro soll es also geben, für jedes alte Auto, das man verschrotten lässt. Das ist eine großartige Idee. Ein Auto macht aus jedem Liter Benzin, das es verbrennt, 1000 Liter Abgase. Stickoxide etwa, die zu Atemwegserkrankungen führen; das hochgiftige Kohlenmonoxid; Schwefeldioxid, das sauren Regen verursacht; und das krebserregende Benzol.

Ein altes Autos hat schlechtere Werte als neue. Aber jedes Auto, egal ob alt oder neu, macht Lärm, ist gefährlich, trägt zur Erderwärmung bei, macht den Schnee dreckig, verstellt den öffentlichen Raum, schränkt die Bewegungsmöglichkeiten von Kindern ein und raubt anderen Verkehrsteilnehmern Freiheit.

Jedes Auto weniger ist also ein Gewinn für alle. Und auch wenn es ein bisserl unfair ist, nicht zuerst all jene Menschen mit 2000 Euro zu belohnen, die auf ein eigenes Auto von vornherein verzichtet haben – wir wollen nicht kleinlich sein! Auch in der Bibel wird schließlich der verlorene, reumütig heimkehrende Sohn reicher beschenkt als jener, der immer brav daheimgeblieben ist. 2000 Euro fürs Autoverschrotten sind also eine gute Sache.

Zumal man mit 2000 Euro eine Menge Dinge tun kann, die der Allgemeinheit zum Vorteil gereichen, und der gebeutelten Wirtschaft im speziellen, was ja in Zeiten der Krise so eine Art Volkssport geworden ist.

Zum Beispiel könnte man in warme Winterstiefel für die ganze Familie investieren. Das stärkt die Schuhindustrie samt ihrer Arbeitplätze, und den Einzelhandel samt der dort beschäftigten Verkäuferinnen. Bücher wären auch kein schlechter Kauf. Da hängt die Forstwirtschaft im ebenfalls krisengebeutelten Finnland dran, sowie die Existenz heimischer Papiermühlen. Ein Buch hilft Kleisterproduzenten, Druckereien und Druckmaschinenfabriken, Buchhändlerinnen, Setzern, Lektorinnen und Layoutern. Schriftsteller hungern ohnehin meistens. Wenn Sie nicht in einen So-Werden-Sie-Sofort-Reich-Ratgeber, sondern in einen Gedichtband investieren, trifft das sicher keinen falschen.

Oder: Essen Sie! 2000 Euro in hochwertige Bio-Lebensmittel investiert – damit tun Sie nicht nur Ihrem Verdauungstrakt und Ihrer Krankenkasse was Gutes, sondern unterstützen auch die nachhaltige Landwirtschaft, stärken sturkturschwache Regionen, verbessern die Qualität der heimischen Böden und sorgen für Lebensfreude bei Bauer, Bäuerin und Vieh.

Volkswirtschaftlich Ambitioniertere können sogar noch weiterdenken und in Innovationen mit Multiplikatoreffekt investieren. In die richtigen Aktien. In ein ambitioniertes Forschungsunternehmen, das grad in der Kreditklemme steckt. In ein Stipendium für ein begabtes, unterprivilegiertes Kind.

Da kriegt die nachhaltige Phantasie Flügel.

Umsonst. Denn all diese aufregenden, zukunftsweisenden Dinge werden Sie mit ihrer Verschrottungsprämie nicht tun dürfen. Sie dürfen sich bloß ein stinknormales, stinkendes Auto kaufen, ein Produkt von gestern. Schade drum.

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