Ein paar Frauen sind gerade genug, damit es Männern gut geht.

Anna Boschek, Hildegard Burjan, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, There Schlesinger, Amalie Seidl und Maria Tusch: So hießen vor genau 90 Jahren die ersten weiblichen Abgeordneten im österreichischen Parlament. Sie waren acht von (damals) 159, auf den Plenarfotos stachen ihre weißen gerüschten Blusen heraus.

Acht zu 151: Bei diesem Zahlverhältnis fühlen sich Männer wohl wie friedlich schlummernde Babys. Da zwickt nichts und kratzt nichts, da ist man geborgen, da wiegt man sich in warmer, unbeirrbarer Sicherheit. Acht zu 151: Das sind gerade genug Frauen, dass ihre Abwesenheit nicht auffällt, und gerade so wenige, dass sie noch keinen wirklichen Unterschied machen.

Eins zu zwanzig, eins zu zehn, eins zu fünf: Ungefähr hier liegt, aus Männersicht, das gefühlte Gleichgewicht im Geschlechterverhältnis. Es hat sich in den vergangenen 90 Jahren zwar ein bisschen verschoben, aber nicht viel. Eine Runde einflussreicher öffentlicher Personen, ganz ohne Frau, empfinden wir mittlerweile als eher eigenartig: Das Kardinalskonklave zum Beispiel. Oder, nach Ingela Bruners Abgang, die Rektorenkonferenz der österreichischen Universitäten. Eine Runde einflussreicher öffentlicher Personen mit einer einzigen Frau: Da ist die Welt jedoch gleich schon wieder im Lot. Ist ja eh eine da.

Eins zu zehn, eins zu fünf: Das ist normal in den Vorstandsetagen, in den Aufsichtsräten, in der Runde der Bankdirektoren, der Kammern- und Gewerkschaftschefs, der Parteien, der Chefredakteure. Männern reicht in solchen Runden die Anwesenheit einer einzigen Frau, um sich emanzipiert zu fühlen. Bei zwei Frauen berauschen sie sich bereits an der eigenen Großzügigkeit. (Bei drei Frauen würden sie sich Radikalfeministen nennen, aber das kommt selten vor.)

Diese Schieflage in der Wahrnehmung wird Tag für Tag neu erzeugt, sogar dort, wo es eigentlich einen „Bildungsauftrag“ gibt. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie etwa die Gästelisten für die unsägliche Sendung „Im Zentrum“ erstellt werden: Laden wir doch einfach die Üblichen ein, plus irgendeine Frau, damits nicht allzu blöd ausschaut. Dann passt alles. Dann ist alles gut.

Aber wehe, dieses wohlig warme gefühlte Gleichgewicht hängt einmal schief, wie derzeit bei den Grünen. Wehe, man käme statt 8:151 einmal in die Nähe von 1:2 oder gar 1:1, dann… ja was dann?

Dann beginnen Männer schwer zu schlucken. Dann legen sie ihre Stirn in tiefe Falten und machen sich große Sorgen. Muss man denn gleich so radikal sein? Ist es notwendig, derart zu übertreiben? Ob man das denn wirklich verantworten könne, eine Frauendiktatur zu errichten, ein brutales, männerfeindliches Sufragetten-Regime? Da könne man doch, bitteschön, ein bisschen mehr Ausgewogenheit an den Tag legen!

Eins zu eins, halbe-halbe: Da kratzt die Männer was, da zwickt es sie, da werden sie unrund. Was Gerechtigkeit im Geschlechterverhältnis betrifft, sind sie nämlich sehr sensibel.

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