Wem gehört Kärnten? Darüber müssen die BZÖ-Politiker erst ein bisschen nachdenken.

Im schönen Kärnten ist Wahlkampf. Deswegen hängen überall Plakate. Soweit wäre alles noch normal. Doch in Kärnten hängen auch Plakate, die für Nicht-Kärtner Denksportaufgaben sind, und da wirds lustig.

Zum Beispiel ein knall-orangefarbenes. „Wir passen auf dein Kärnten auf. Garantiert.“ Unterschrieben ist dieser Satz von Harald, Gerhard und Uwe. Gerhard identifiziert man ohne große Mühe als Gerhard Dörfler, der ist immerhin Landeshauptmann. Der allgegenwärtige Uwe Scheuch ist ebenfalls zu schaffen. Aber wer zum Teufel ist Harald? Und warum darf Stefan, der sich das alles ausgedacht hat, nicht draufstehen?

Man habe die Nachnamen weggelassen, denn BZÖ-Politiker sind in Kärnten keine Politiker, sondern Freunde, erklärt Landesrat Harald Dobernig. Ach, Harald!

Die drei Freunde passen also auf „dein Kärnten“ auf. Wessen, dein? Das ist nicht so schwer, denkt sich die lernwillige Ortsunkundige: Wenn in Kärnten, bei lauter Freunden, alle per du sind, kann mit „dein“ nur der Bürger bzw. die Bürgerin gemeint sein.

Falsch! belehren einen da die Einheimischen. „Dein Kärnten“ ist Jörg Haiders Kärnten, das feierliche Versprechen der drei Freunde richtet sich ins Jenseits. Eine Art Geisterbeschwörungsformel also. „Passt mir gut auf mein Kärnten auf“, hatte Jörg Haider 1992 mit tränenerstickter Stimme gesagt, als er vom Landtag als Landeshauptmann abgewählt wurde (das war wegen der „ordentlichen Beschäftigungspolitik“). „Jörg, wir passen auf dein Kärnten auf“, rief BZÖ-Chef Uwe Scheuch seinem verunfallten Chef beim Begräbnis hinterher. Offenbar kommunizieren sie immer noch auf esoterischer Ebene, und wollen die Öffentlichkeit an ihrem Dialog teilhaben lassen.

So weit, so klar. Würde nicht Landeshauptmann Gerhard widersprechen, der den Spruch offenbar anders meint als Stefan, Uwe und Harald. Bei der Präsentation der Plakate erklärte er ihn so: „Er bedeutet, dass wir auf jeden einzelnen Kärntner aufpassen, egal, welchen Status er hat.“ Die drei Freunde als Aufpasser, das Land als Anstalt? Und die Kärnter als Insassen, mit unterschiedlichem Status (Flüchtlingsstatus? Gesundheitsstatus?)? Weiß Kärnten eigentlich, dass ihr Landeshauptmann auf der Saualm nur übt, was er mit ganz Kärnten vorhat?

Mitleid ist zwar nicht angebracht. Aber es ist wahrscheinlich alles unendlich schwierig für Haiders Erben. Sie müssen das Vermächtnis eines Mannes umsetzen, von dem man nie genau wusste, ob er gerade da, weg oder jenseits war; und sehr sattelfest wirken sie dabei nicht. Der grüne Spitzenkandidat Rolf Holub formuliert dieses Dilemma sehr schön: „Sie haben Jörg Haiders Tagebuch gefunden, und versuchen, es zu verfilmen. Aber sie könen den Text nicht verstehen.“

Und trotz aller verzweifelten Nachfrageversuche hinauf ins Jenseits – es schaut so aus, als kämen von Jörg grad keine besonders brauchbaren Antworten retour.

Vielleicht spricht man dort oben slowenisch.

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