Fehler zuzugeben macht stärker als durchzutauchen.

I screwed up, sagte Barack Obama, als es seinen Wunschkandidaten als Gesundheitsminister zerlegte. Es war ein blöder Zeitpunkt: Grade erst ein paar Tage ist der Präsident im Amt, die Erwartungen der Nation liegen bleischwer auf seinen Schultern, und er ahnt: Lange lassen die mir nicht Zeit. Die tun alle noch freundlich. Aber es gibt viele, die mir meinen Aufstieg, der eigentlich nicht hätte sein dürfen, nie gegönnt haben. Die insgeheim drauf warten, dass sie Angstschweißperlen auf meiner Stirn sehen. Damit sie sagen können: Na, hat sich der Gute vielleicht doch ein bisserl übernommen mit dem Amt?

Es ist richtig, dass Obama am Tom-Daschle-Schlamassel nicht die Hauptschuld trägt. Er hätte also so tun können, als ginge ihn das alles nichts an, sich auf Parteifreunde oder Statuten oder Umstände ausreden, Augen zu und durch, hoffentlich merkens nicht allzu viele Leute, ich steh ja erst ganz am Anfang, und vielleicht ist alles wieder vergessen bis zur übernächsten Wahl.

Obama hat aber nicht gesagt: die Parteifreunde, die Statuten, die Umstände. Er hat gesagt: Ich habs vergeigt. Ich, mit großem „I“. Das klingt zwar nicht sehr fein, aber wer Verantwortung auf sich nimmt, macht sich zur handelnden Person. Und muss sich vor den Neidern, den Missgünstigen nicht mehr so fürchten.

Eva Glawischnig hat auch etwas vergeigt, und zwar die Aufstellung der grünen Kandidatenliste für die EU-Wahl. Es ist richtig, dass sie am Voggenhuber-Schlamassel nicht die Hauptschuld trägt (das war der schon selber, indem er, arrogantes Alpha-Tier, sagte: Ich will erster sein oder gar nix.). Es ist wohl auch richtig, dass einige insgeheim auf einen solchen Moment gelauert haben, damit sie sagen können: Na, hat sich die Gute vielleicht doch ein bisserl übernommen mit dem Amt?

Aber sie ist die Chefin, und irgendjemand müsste den grünen Wählerinnen und Wählern jetzt erklären, wie das eigentlich genau ist mit den grünen Grundsätzen, mit Demokratie, Offenheit, Debatte und Streitkultur. Doch Eva Glawischnig sagt: die Funktionäre, die Statuten, die Umstände. Sie sagt: Augen zu und durch, wir müssen jetzt nach vorne schauen, uns auf die Arbeit konzentrieren, Ende der Debatte, ich steh ja erst ganz am Anfang, und vielleicht ist alles vergessen bis zur übernächsten Wahl.

Das ist nicht gut. Nicht gut für die Grünen, und nicht gut für die EU, die ihre geballte Kraft und Expertise dringend brauchen würde, gerade jetzt.

Eva Glawischnig hat Barack Obama oft erwähnt in letzter Zeit. Um Österreich dran zu erinnern, was alles möglich wäre, wenn man über die hierzulande üblichen Politik-Rituale hinausdenkt, über Kleingeisterei, die Verteidigung von Partikulainteressen, persönliche Gekränktheiten und Funktionärsfeigheit. Was alles möglich wäre, wenn man ein bisschen mutiger wäre, ein bisschen offensiver, ein bisschen ehrlicher.

„Ich habs vergeigt“ zu sagen, wäre dafür ein guter Anfang. Ich glaube: Die Frau könnte das.

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