Wo fährt die Schulreform eigentlich hin?

Die Aufgabe könnte, zum Beispiel, so ausschauen: In der A-Straße steht eine Schule mit B Kindern. Die sollen, innerhalb von C Jahren, D Dinge lernen und dabei möglichst frohe, aufgeschlossene Menschen werden. Zur Bewältigung dieser Aufgabe hast du E Dienstposten und F Budget zur Verfügung. Wie machst du das?

Die Antwort könnte, zum Beispiel, so ausschauen: Die Schuldirektorin schaut sich die Kinder in ihrer Schule genau an und stellt, je nachdem, was diese speziell brauchen, ihr Team zusammen (zum Großteil Lehrer und Lehrerinnen, aber nicht ausschließlich). Mit diesen gibt es Verträge, die ihre Leistung pauschal abgelten, sowie eine vereinbarte Arbeitszeit, die im Normalfall in der Schule geleistet wird.

Man sieht einander – und zwar häufig. Man spricht miteinander – und zwar viel. Man trägt, gemeinsam, die Verantwortung dafür, dass die Kinder am Ende was gelernt haben. Aber wie das Team diese Aufgabe im Alltag löst – das ist nicht von vornherein festgelegt.

Es könnte nämlich sein, dass Lehrende unterschiedliche Talente haben. Die einen stehen lieber in der Klasse, die anderen tüfteln lieber über organisatorischen Fragen. Die einen sind kreativer beim Entwickeln neuer Projekte, die anderen sind bessere Vertrauenspersonen für die Sorgen ihrer Schüler und Schülerinnen. Warum sollten die alle gleich lang dasselbe tun?

Zumal sich Vorlieben ja auch im Verlauf eines Lehrerlebens verschieben können. Nach fünfzehn Jahren Latein und Turnen ist es vielleicht mal Zeit für was anderes. Wer bei der fünfhundertsten Begegnung mit Sinus und Cosinus Depressionen nahen spürt, stürzt sich vielleicht mit Lust auf die lang überfällige Aufgabe, die Schule elektronisch zu vernetzen, oder den Umbau der Freizeitanlagen zu koordinieren.

Dafür, dass das Lernziel erreicht wird, ist – wie in jedem Unternehmen – die Direktorin verantwortlich. Je schwieriger die Wohnumgebung ihrer Schule, desto besser muss sie sein, und desto größer ihr Budget. Sie muss – wie an jedem Arbeitsplatz – dafür sorgen, dass ein Ausgleich zwischen den fleißigeren und den fauleren Angestellten stattfindet, und dass alle motiviert bleiben. Sämtliche Zulagen und automatischen Gehaltsvorrückungen sind daher abgeschafft. Stattdessen gibt es Leistungsprämien, die außergewöhnliches Engagement belohnen.

Es wird ein G’riss um gute Lehrer und Lehrerinnen geben. Ein paar schlechte werden übrigbleiben und sich einen anderen Job suchen; das ist gut für alle Beteiligten. Hundertprozentig fair wird auch dieses System nicht sein – ebensowenig wie die Arbeitswelt im allgemeinen fair ist. Aber fairer als heute ist es sicher.

Ist das die Schule, die Ministerin Claudia Schmied will? Man kann es vermuten, Man kann es aus ein paar Indizien und Bemerkungen ableiten. Aber genau weiß bisher eigentlich keiner, wohin die große Reise geht.

Wie wärs, sie spricht das Ziel endlich klar und deutlich aus, und dann reden wir ehrlich drüber?

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