Berlusconi zeigt uns ein Lehrstück über angewandten Machismo. Als Warnung an alle.

Soll keiner behaupten, man könne aus Society-Nachrichten nichts fürs wirkliche Lebens lernen. Man kann, man soll sogar. Silvio Berlusconi zum Beispiel liefert allen Frauen derzeit lebhaften Anschauungsunterricht zum Thema: Was passiert, wenn man sich mit dem tollsten Hecht im Teich einlässt? Seine Ehefrau, Veronica Lario, führt es uns vor.

Fünf Lehren können Frauen daraus ziehen. Erstens: Trau keinem Charmeur. Und glaub schon gar nicht, dass sein Charme dir gilt. Charmeuren geht es weniger darum, eine Frau rumzukriegen, als darum, allen anderen Männern zu beweisen, dass sie eine Frau rumkriegen können. Deswegen charmieren sie so gerne öffentlich, in allseits bekannten Szene-Lokalen. Und sind gleich viel weniger charmant, wenn keiner mehr zuschaut.

Zweitens: Halte dich von Männern fern, die beteuern, Frauen im Allgemeinen, das „weibliche Prinzip“, zu lieben/zu verehren/zu vergöttern. Wer Frauen abstrakt liebt, tut sich schwer, eine bestimmte Frau konkret zu lieben, und wer Frauen stets auf ein Podest stellt, um sie anzuschwärmen, hat wahrscheinlich Probleme, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Formulieren wirs noch schärfer: Hysterische Frauenverehrung und kalte Frauenverachtung liegen näher beieinander, als man vermuten würde.

Drittens: Hüte dich vor Männern, die „gern Frauen fördern, weil Frauen so ein netter Anblick sind“. Das hat Berlusconi bei der Kandidatenliste für die EU-Wahlen getan, die er wahllos mit Missen und Ansagerinnen seiner TV-Anstalten aufpeppte. Wer so spricht, hat nie gelernt, in Frauen etwas anderes zu sehen als Dekorationsobjekte. Auch Faschingsgirlanden sind ein netter Anblick, solange sie einem nicht auf die Nerven gehen. Wenn man sich sattgesehen hat, räumt man sie einfach weg. Genau das passierte dann auch den Missen auf der EU-Liste.

Womit wir, viertens, beim Thema Rache wären, und die ist meistens fürchterlich. Eine Frau, die ihren Ehering, ihre Villa, ihren Traummann oder ihren Traumjob ihrem tollen Busen verdankt, mag über die ihr zugedachte Rolle persönlich hinauswachsen – aber sie wird am bitteren Ende immer daran erinnert werden, wie alles begann. Veronica Lario bekommt das eben zu spüren. Berlusconis Zeitungen sind voll mit alten Pinup-Fotos, die sie barbusig zeigen, und seine Lohnschreiber verspotten die Scheidungswillige als „in die Jahre gekommenes Showgirl“. Wenn er gekränkt ist, fährt der Charmeur brutal seine Pranken aus.

Was uns fünftens, zum Anfang zurückführt: Aus der Nähe betrachtet, ist der tolle Hecht meistens nur ein Hering; und was klassische männliche Tugenden wie Respekt, Rücksicht, Verantwortung und Mut betrifft, ist bei ihm nicht viel zu holen. Dem tollen Hecht geht es nämlich immer nur um ihn selbst.

„Ich gestehe: Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, halte ich sehr viel von mir“, sagte Berlusconi einmal. Danke für die klaren Worte. So ehrlich sind die meisten Hechte nicht.

Getagged mit
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.