In Frauenbranchen ist, trotz Krise, viel zu tun. Auch für Männer.

Es sind drei schlichte Meldungen, die normalerweise auf den hinteren Wirtschaftsseiten versteckt werden. Nummer eins kommt aus den USA: Irgendwann heuer, wahrscheinlich im Herbst, werden mehr Frauen als Männer berufstätig sein, zum ersten Mal in der Geschichte.

Meldung Nummer zwei stammt aus der globalen Migrationsstatistik: Die Zahl der weiblichen Gastarbeiterinnen, jener Menschen also, die Jobs in fremden Ländern suchen, um ihre Familien daheim zu ernähren, übertrifft erstmals jene der männlichen Gastarbeiter.

Meldung Nummer drei kursiert derzeit am Rand aller österreichischen Sandkisten, ohne dass die Politik darauf aufmerksam gewörden wäre: Die Kindergärten im ganzen Land suchen händeringend Personal. Pädagoginnen werden heftigst umworben und mit allerlei Tricks der Konkurrenz abgejagt. Der Gratiskindergarten, das verpflichtende Kindergartenjahr und die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuung bedeuten: Während sich alle anderen Arbeitnehmer vor Entlassungen fürchten müssen, gibt es in diesem Feld für die nächsten Jahre praktisch eine Jobgarantie.

Was diese drei Meldungen verbindet, ist die Krise. Die Krise, von der die klassischen Männerberufe viel stärker betroffen sind als die weiblich dominierten. Überall, wo Rohstoffe gefördert, Gebäude gebaut und große Teile produziert werden, sind Männer am Werk – und wird abgebaut, gespart, zugesperrt. In anderen Ländern spüren Männer das noch radikaler als bei uns: In Dubai, das eben noch in den Himmel wachsen wollten, warten hunderttausende Arbeiter aus Bangladesh und Pakistan auf ihren letzten Lohn. Von den Baustellen Zentralasiens sind die Arbeiter massenhaft in ihre russischen und ukrainischen Dörfer zurückgeschickt worden, aus den chinesisischen Boomregionen in die chinesische Provinz. In den USA sind 82% aller Stellensuchenden Männer.

Wo Frauen arbeiten, spürt man die Krise hingegen kaum. Die ukrainische Krankenschwester muss sich ebensowenig sorgen wie die philippinische Haushälterin. Dienstleistungen, Gesundheitsberufe, Pädagogik – da steigt überall der Bedarf, da wachsen die Aufgaben, und werden immer anspruchsvoller. Die Altenpflege zum Beispiel ist, gesellschaftspolitisch und wissenschaftlich gesehen, in Österreich noch immer ein großes schwarzes Loch, in dem versteckt, unterbezahlt und halblegal gearbeitet wird. Finnland investiert in die Pflege das Zehnfache – und zwar nicht nur an Geld, sondern auch an Expertise und Ressourcen.

Was uns dieses Beispiel sagen will? Dass die Krise für den Staat genau der richtige Moment wäre, sich um die krisenunabhängigen Zukunftsfragen zu kümmern. Und dass die Krise für Männer genau der richtige Moment wäre, sich in diesen krisenfesten Branchen einmal nach lohnender Arbeit umzuschauen.

In den Kindergärten und in den Pflegeheimen, in den Schulen und in der Sozialarbeit können wir noch viele, viele von ihnen brauchen.

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