Der französische Präsident will die Burka verbieten. Das ist eine dumme Idee.

Nicolas Sarkozy ist Eroberer einer tollen Frau und Präsident einer Beinahe–Weltmacht. Aufrechter Gang, kantiges Kinn, klare Worte: Die Burka stehe im Widerspruch zu allem, was man in Frankreich unter der „Würde der Frau“ verstehe, sagt er. Sie zu tragen, solle daher verboten werden.

Auf der anderen Seite lauern, irgendwo im maghrebinischen Untergrund, die Kommandanten der al-Qaida; asketische Körper, lange Bärte, furchteinflößender Blick. Ein Burka-Verbot verletze „die Ehre unserer Töchter und Schwestern“, sagen sie. Sollte Frankreich das wagen, werde man „Rache üben“.

Da wird, ganz klassisch, Territorium markiert: In diesem Land bestimme ich, sagt Sarkozy, auch über die Frauen. Die Frauen, die in Frankreich leben, gehören dir aber gar nicht, sagt al-Qaida: Die gehören immer noch uns muslimischen Männern, und was wir denen anschaffen, gilt.

Ja, Sarkozy hat hundertprozentig Recht, wenn er in der Burka ein Zeichen für die „Versklavung und Erniedrigung der Frau“ erkennt. Eine Verhüllung, die nur einen Sehschlitz zur Welt öffnet, raubt einem Menschen jede erkennbare Identität und schließt ihn aus dem öffentlichen Leben aus. Die Burka ist ein Gefängnis.

Aber was folgt daraus? Doch nur: Dass man Frauen, die in diesem Gefängnis sitzen, daraus befreien muss. Dafür allerdings ist die Sarkozy-Methode vollkommen ungeeignet.

Versuchen wir mal, uns sein Burka-Verbot im Detail vorzustellen. Das Gesetz müsste wohl Körperregionen definieren, die eine Frau öffentlich zu zeigen verpflichtet ist. Oder eine Mindestfläche nackter Haut. Würde jemand je auf die Idee kommen, einem Mann vorzuschreiben, dass er Haut zeigen muss? Wenn eine Frau diese Standards verletzt, müsste ihr ein Polizist wohl auf die Schulter klopfen und ihren Niqab zurückklappen. (Im Iran kontrollieren die Revolutionswächter die Länge der Frauenmäntel. Sie schlagen mit Peitschen zu, wenn die Mäntel zu kurz sind. Das ist brutaler, aber vom Prinzip her dasselbe.)

Eine Frau, die sich der wiederholten Verhüllung schuldig macht, müsste man am Ende wohl einsperren. Wenn der eigene Ehemann ihr nicht schon vorher verboten hat, überhaupt das Haus zu verlassen, damit die Polizei sie ihm nicht wegnehmen kann. Oder die Behörde verhängt bloß eine Geldstrafe. Kassiert sie dieses Strafmandat dann gleich beim „Besitzer“?

Ein westlicher, weltlicher, demokratischer Staat muss Frauen Mut machen, ihr Gesicht zu zeigen, an der Öffentlichkeit teilzunehmen, sich aus der Kontrolle ihrer Familien zu lösen. Das geht nicht, indem man sie brandmarkt und ausgrenzt, weil sie das falsche Gewand anhaben. Sondern nur, indem man herausfindet, wer sie eigentlich sind, wie sie leben, was sie denken, und wie die komplexen Zwänge, in die sie verstrickt sind, funktionieren.

Wer Frauen befreien will, muss endlich aufhören, über die Burkas zu reden. Sondern stattdessen über die Menschen, die drunterstecken.

 

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