Ein Kommentar

Die ÖBB sind also ein Betrieb, der mit illegalen Methoden die Krankenstände seiner Mitarbeiter überprüft und ihnen Diagnosen abpresst. Das ist sehr, sehr übel.

Ebenso übel ist jedoch: Die ÖBB sind ein Betrieb, der Krankenstände von 27 Tagen produzierte. 27 Tage – pro Jahr, pro Angestelltem, im Durchschnitt. Das ist eine horrende Zahl, wenn man sie mit den 11 Tagen vergleicht, die heute bei Angestellten anderswo üblich sind.

Stellen wir also die naheliegende Frage: Wie entstehen 27 Tage Krankenstand? Auf welches Betriebsklima, auf welche Art von Mitarbeiterführung und auf welchen Arbeitsethos lassen sie schließen?

Der erste Teil der Antwort: Arbeit kann wirklich krank machen. Wenn die Arbeitsbedingungen unzumutbar sind. Wenn man im falschen Job eingesetzt wird, in einem Job, den man nicht (mehr) zusammenbringt, intellektuell, körperlich oder altersbedingt.

Arbeit kann machen, dass man sich krank fühlt, obwohl man körperlich gesund ist. Das passiert, wenn man ausgebrannt ist, unterfordert, frustriert, genervt. Wenn man gemobbt wird, permanent überwacht oder permanent ignoriert, und wenn sich niemand für all diese Probleme interessiert.

Es kann aber auch sein, dass man sich nicht krank fühlt, sondern sich krank stellt, um seinem Arbeitgeber, dem Eigentümer, dem direkten Vorgesetzten oder den Kollegen eins auszuwischen. Vielleicht hat man beobachtet, dass es sich gar nicht auszahlt, sich anzustrengen. Dass es immer die falschen nach oben schwemmt, jedenfalls nicht jene, die ihren Job am besten machen. Man liest in der Zeitung, wie die politischen Postenbesetzungen in der ÖBB-Holding laufen, und wieviel Abfertigung einer kriegt, wenn er Mist gebaut hat. Solche Erfahrungen machen bitter und scheißdrauf.

27 Krankenstandstage verraten schließlich: Dass man vergessen hat, worin der Sinn der eigenen täglichen Arbeit eigentlich liegt. Dass die Bahn fährt, um die Menschen in die Schulen, in die Betriebe und zu ihren Freunden zu bringen, und um Güter zu transportieren, die wir zum Leben brauchen. Dass die Bahn eine öffentliche Dienstleistung erbringt, und je besser und pünktlicher und freundlicher sie unterwegs ist, desto besser für Land.

Eine gute Unternehmensführung sorgt dafür, dass ihre Angestellten richtig eingesetzt werden. Sie schaut drauf, dass Leistung und Engagement belohnt werden. Dass jeder Mitarbeiter den Sinn seiner Arbeit erkennt. Und sie lebt, allseits sichtbar, vor, dass es immer zuerst und vor allem darum geht, die Kunden glücklich zu machen.

Die ÖBB-Unternehmensführung hat bei all diesen Aufgaben kläglich versagt. Damit hat sie die ÖBB-Angestellten krank gemacht.

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