Ihre Motive sind verschieden. Ihre Methoden ähneln sich.

Demnächst beginnt in Wiener Neustadt der Prozess gegen die militanten Tierschützer. Sie sind wegen Bildung einer Mafia-ähnlichen Verbindung angeklagt. Ob die Anwendung dieses Paragraphen sinnvoll ist, wenn es um politische Aktivisten geht, wird seit Monaten erbittert diskutiert. Doch man könnte die Frage auch andersherum stellen: Warum trifft die Wucht des Paragraphen bisher ausschließlich die Tierschützer – und nicht auch andere Gruppen, die seit Jahren ähnliche Methoden anwenden? Die militanten Abtreibungsgegner zum Beispiel?

Vergleicht man die beiden Szenen, könnte man fast annehmen, sie hätten ihre Taktiken in derselben Aktivistenschule gelernt. Die einen stehen vor Pelzgeschäften, die anderen vor Abtreibungskliniken, beide versuchen, den Menschen, die dort ein- und ausgehen, das Leben so schwer wie möglich zu machen. Das beginnt mit Dauerdemonstationen. Und endet in wüsten Beschimpfungen, Drohungen, körperlichen Attacken, Schmierereien und Blockaden der Eingangstür.

Ziel ist zweierlei: die Abschreckung der Kunden/Patientinnen – in der Hoffnung, dass sie aus Angst wegbleiben und dem Etablissement so die Geschäftsgrundlage entziehen. (Wobei anzumerken wäre, dass eine ungewollt schwangere Frau wahrscheinlich akut verwundbarer ist als eine, die über den Kauf eine Pelzmantels nachdenkt).

Gleichzeitig zielt man auf die Angestellten des Betriebs, und hier kann es noch rabiater werden. Sowohl Pelzhersteller als auch Abtreibungsärzte müssen damit rechnen, fotografiert, verfolgt und samt ihrer Fotos und Privatadressen im Internet an den Pranger gestellt zu werden. Das muss nicht als direkter Aufruf zu Gewalt gemeint sein. Aber wer kann ausschließen, dass ein heißblütiger, durchgeknallter Sympathisant es so versteht?

Womit wir zu einer weiteren Gemeinsamkeit beider Szenen kommen: der professionellen internationalen Vernetzung, was Public Relations und Geld betrifft. Hier wie dort gibt es freundliche Kampagnen, die braves Lobbying im Mainstream der Gesellschaft machen. Hier wie dort gibt es gleichzeitig radikale Zellen, die sich an der Grenze zur Legalität bewegen. Und vieles spricht dafür, dass es zwischen den Braven und den Militanten eine ausgeklügelte Arbeitsteilung gibt – schließlich war das auch bei der IRA, der ETA und anderen politischen Bewegungen so.

Die beunruhigendste Parallele jedoch ist die subjektive. Sowohl die radikalen Tierschützer als auch die radikalen Abtreibungsgegner fühlen sich von einer höheren Instanz legitimiert, weil sie die herrschende Rechtslage für schreiendes Unrecht halten. Subjektiv ist das sogar verständlich: Jedem, der glaubt, dass Embryos oder Tiere eine Seele haben, muss es unerträglich zynisch erscheinen, ihr Lebensrecht nüchtern gegen andere Interessen abzuwägen.

Ob man solche Untiefen mit dem Mafia-Paragrafen vermessen kann? Die Gynmed-Klinik und ihr Anwalt wollen es versuchen. Es könnte spannend werden.

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