Wenn mächtige Männer gegen Schwule hetzen, steht es schlecht um ihr Land.

Uganda hat einen Minister für Ethik und Anstand, der James Nsaba Buturo heißt. Wie alle Anstandsprediger weltweit hält er Schwule für eine Gefahr und männliche Homosexualität für grauslich (über weibliche Homosexualität sagen die meisten Anstandsprediger nichts, wahrscheinlich zählt die gar nicht).

Weil Buturo jedoch auch ein professioneller Machtpolitiker ist, bettet er seine Aversion in ein globales Erklärungsmodell ein: Die westliche Schwulenbewegung versuche Afrika gezielt zu infiltrieren, Uganda müsse der ganzen Welt zeigen, wie man sich diesem „Neokolonialismus“ beherzt entgegenstellt.

Konkret heißt das: Lebenslange Haft für überführte Schwule, sieben Jahre Gefängnis für jeden, der ihnen hilft (Vermieter, Blogger, Lokalbetreiber, Menschenrechtsaktivisten), sowie eine Meldepflicht innerhalb von 24 Stunden für jeden, der von homosexuellen Handlungen erfährt (Verwandte, Kollegen, Nachbarn), widrigenfalls drohen diesen ebenfalls drei Jahre Haft. Sogar die Todesstrafe, für „Täter“ in besonders schlimmen Fällen vorgesehen, steht im Entwurfstext, könnte aber noch fallen, bevor das Gesetz im Februar in Kraft tritt. Schweden hat laut dagegen protestiert, Großbritannien ebenfalls. Österreich, das Uganda seit Jahren als Schwerpunktland seiner Entwicklungshilfe betreut, ist mucksmäuschenstill.

Mit der Todesdrohung für Schwule steht Uganda nun auf einer Stufe mit Sudan, Iran, Mauretanien, Jemen, Nord-Nigeria und Somalia; drakonische Haftstrafen sind in so unterschiedlichen Ländern wie Jamaica, Afghanistan, Libyen, Burma, Nordkorea, Bangladesch oder auf den Fiji-Inseln vorgesehen.

Beinahe immer, wenn zur Hexenjagd auf Schwule geblasen wir, kann man vermuten: Es steht schlecht um das Land. Wir kennen das von Simbabwes Diktator Robert Mugabe. Als er allen fruchtbaren Boden des Landes an seine Günstlinge verteilt hatte, und als die hungernden Menschen mit kiloschweren, wertlosen Geldbündeln in der Hand vor leeren Geschäften standen – da geiferte Mugabe besonders laut gegen die „homosexuellen britischen Kolonialisten“, die das Elend zu verantworten hätten.

Bei Autokraten scheint es einen gefährlichen Reflex zu geben: Kritik empfinden sie als Zweifel an ihrer Männlichkeit; und Machtverlust als Verlust ihrer heterosexuellen Potenz. Die nationale Identität und Unabhängigkeit des Landes setzen sie sofort mit ihrem eigenen Mann-Sein gleich, und alles, was sie fürchten, wird als fremde Bedrohung definiert: Verweichlichung, Verweiblichung, Vermischung, Schwäche.

„Homosexualität ist nicht normal“, sagt Anstandsminister Buturo, „sie ist dekadent, unafrikanisch, und wir werden für Entwicklungshilfe nicht unsere Seele verkaufen.“

Uganda samt seiner autokratischen, aber stabilen Regierung galt viele Jahre lang als Freund des Westens. Jetzt scheint es ziemlich schlecht zu stehen um das Land.

 

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