Ein Jahr ist es her, dass Österreichs Retter Werner Faymann hieß. (*)

Werner Faymann! Chef der Torpedo-Twins. Der Mann, der Vollgas gibt. Die dezente Kraft der Harmonie, der Meister des Machbaren. Die „Yes-we-can“-Aufbruchstimmung ist genau sein Motto. Mit etwas Glück wird er unser Austro-Obama. „Ich bin ein Kind des Glücks“, sagt er.

Seine Augen funkeln, und ein Lachen überzieht das Gesicht, so Mecki-keck, dass er froh sein kann um seine grauen Haare, sonst würde er fast zu jung ausschauen. Der Faymann ist schon imposant / fesch, attraktiv, charmant, gewandt. Mit Charme und Entschlossenheit und mit dem klaren Blick für die in der Zukunft liegenden Ziele. Mit dem ihm eigenen Sinn für die Erfordernisse des Augenblicks lenkt er das Schiff sicher zurück in sichere Gewässer. Dort ein wenig Sorgen nehmen, hier ein Stück Hoffnung wagen.

Wir leben in einer neuen politischen Ära. Die Wähler reagieren jetzt fast euphorisch. Eine Gänsehaut möchte aufkriechen.

Ein Konjunkturpaket ist da, die Banken werden gerettet, so schnell hat noch nie eine Regierung agiert. „Ich will nicht mehr als arbeiten, arbeiten arbeiten!“ Die Beamten im Kanzleramt staunen: Fünf Kisten mit Akten, ein Billigschreibtisch und ein Gesundheitsstuhl, das ist alles, was Werner Faymann zum Regieren braucht. Weiße Kunststoffplatte, ein Stahlgestell à la Ikea dazu: „Ich will ein Zeichen setzen!“ Die noblen Jugendstilmöbel, die roten Samtstühle, die teuren Bilder hat er dem Altkanzler mitgegeben.

Es hat nämlich keinen Sinn, von Visionen zu phantasieren. Während der Altkanzler bis 9 Uhr die internationalen Zeitungen las (am liebsten die spanische „El Pais“), beginnt Faymann um 8 mit Teamwork. Mit Ostermeyer.

Seine Inspiration sucht er am Dachstein. „Ich habe mir vorgenommen, möglichst wenige Society-Termine zu besuchen. Ich will jeden Abend richtigen Kontakt mit der Bevölkerung haben.“ Es ist einer, der endlich wieder zu den Menschen geht, in die Bundesländer, auf die Straße. Auf Augenhöhe mit großen Tieren und kleinen Kindern: Das kann nicht einmal ein Chamäleon. Nach Schachtelsatz-Vranitzky, dem kaltschnäuzigen Schüssel und Alleswisser-Gusi kommt die So-wie-du-und-ich-Sprache Faymanns. Die Menschen glauben Faymann, was er sagt. Er zeigt ihnen seinen Respekt, indem er auf jeden Schleim verzichtet. Es gibt Gulasch mit Nockerln.

Er ist ein Handy-Maniac, der permanent jeden anruft. 120 Telefonate führt er am Tag. Dazwischen ein paar Blicke in die Landschaft, weil die Handys grad keinen Empfang haben. Das Handy geht wieder, Faymann hält die gestauten Anrufer in der Warteschleife bei Laune.

Er ist ein Politiker, der eine Entschiedung erst dann gut findet, wenn sie in den Umfragen eine Mehrheit hat – das kann man feig nennen, oder auch demokratisch.

Wahrscheinlich liegt genau hier Problem.

(*) Dieser Text besteht – bis auf den letzten
Satz – aus wörtlichen Zitaten aus „Österreich“ und „Kronenzeitung“, 2008.

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