Was man zu Weihnachten tun und was man lassen sollte.

1) Reden: Tun Sies nicht. Zumindest über nichts außer übers Essen, den Wein, das Wetter und die Geschenke. Alles andere, was man um diese Jahreszeit zu sagen hat, insbesondere zu nahen Anverwandten, ist überladen mit Bedeutung, Gereiztheit, Sentimentalitäten, Kränkungen, allzu hohen Erwartungen und Alkohol.

2) Fotografieren. Auch wenn es verlockend ist, die Zeit und den Raum damit zu füllen: Lassen Sies. Es werden dieselben Bilder sein wie im letzten Jahr, Sie werden sie im Computer-Archiv nur mit Mühe richtig beschriften, und Ihren Kindern werden sie ihr Leben lang peinlich sein.

3) Fernsehen. Egal, welchen Sender Sie aufdrehen: Es wird traurig und verlogen sein. Von „Licht is Dunkel“ bis zum sogenannten Familienfilm: Was Fernsehplanern für diese Jahreszeit einfällt, ist genauso überladen mit Bedeutung, Gereiztheit und Sentimentalität wie das, was wir selber zusammenbringen.

4) Gesellschaftsspiele. Die einzige Ausweichroute durch die finsteren Tage führt auf die Meta-Ebene. Ersetzen Sie Ihre Person durch eine Spielfigur. Würfeln Sie, statt zu entscheiden. So sind Sie anwesend und gleichzeitig doch jemand anderer. Spielen ersetzt Kommunikation, es ist bestens kompatibel mit Essen und Trinken und erzeugt eine angenehme, völlig sinnbefreite Schwere.

5) Singen Sie. Singen Sie es laut. Doch, Sie können das. Singen ist nicht peinlich. Singen öffnet Ihre Lunge und lüftet Ihr Gehirn. Singen erzeugt jene Gemeinsamkeit, die wir durchs Reden nicht zustandebringen. Es füllt den leeren Raum zwischen Verwandten und die Zeit, in denen sie sich nichts zu sagen haben. Drucken Sie sich Noten und die Texte aus (www.musica.at): Sie werden sich wundern, wie viele Strophen es zu jedem Weihnachtslied gibt. Unsere Vorfahren werden schon gewusst haben, warum.

 

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