Was empfindet ein Togolese, wenn ein Haus brennt? Dasselbe wie ein Kärntner, womöglich.

Lange hat es in Österreich, wenn über Fremdenfeindlichkeit geredet wurde, geheißen: Bei uns brennen wenigstens keine Asylantenheime. Dann brannte ein Asylantenheim.

Im Juni 2008 war das, in der Flatschacherstraße in Klagenfurt. Das Haus war drei Stockwerke hoch. Es hatte keine Brandmelder, keine Feuerlöscher. Die Erdgeschoßfenster waren vergittert, die Außentüren zugesperrt. 19 Menschen sprangen aus den oberen Stockwerken, einer starb. Er hieß Alex Oppong und war Vater von vier Kindern.

Die Klagenfurter Polizei sprach sofort von Müll neben der Stiege und von einer brennenden Zigartette. Jörg Haider sprach sofort von einem Konflikt zwischen Drogendealern. Beide meinten: Uns doch wurscht, selber schuld. Bis ein Sachverständigen-Gutachten „Schüttspuren von Brandbeschleuigern“ fand, und einen „dringenden Verdacht auf Brandstiftung“.

Jetzt steht der Heimbetreiber, ein Klagenfurter Bauunternehmer, von Gericht. Wegen Gemeingefährdung. Soll heißen: Wegen der Fenstergitter, der versperrten Türen, der fehlenden Brandmelder, der fehlenden Feuerlöscher und der fehlenden Fluchtwege. Der fordert nun ebenfalls ein Sachverständigen-Gutachten an, diesmal „aus dem Gebiet der Ethnologie verbunden mit der Verhaltensforschung“ – über „das Verhalten von Mittelafrikanern im Vergleich zu Mitteleuropäern im Brandfalle“.

Denn der Heimbetreiber meint, „dass Afrikaner vorschnell aus Fenstern springen“ und generell „aufgrund des Kulturkreises, aus dem sie kommen, nicht in der Lage sind, auf Einrichtungen wie Fluchtwege und Feuerlöscher zu reagieren.“ Deswegen, will er sagen, hätten auch die besten Fluchtwege und die besten Feuerlöscher gar nichts genützt. Deswegen seien die Opfer also wieder selber schuld, Brandstiftung hin oder her.

Wie verhalten sich „Mittelafrikaner im Brandfalle“? Versuchen wir uns das – auch ohne abgeschlossenes Ethnologiestudium – einmal vorzustellen: Wahrscheinlich haben sie Angst. Wahrscheinlich kriegen sie keine Luft. Wahrscheinlich schreien sie um Hilfe, rütteln an den Fenstergittern und den Türen, versuchen zu entkommen. Wenn sie spüren, dass sie in der Falle sitzen, wenn das Feuer immer näher kommt, wenn sie immer weniger Luft kriegen, und wenn immer noch keine Hilfe da ist – dann springen sie vielleicht auch.

Sie sind aus dem brennenenden World Trade Center gesprungen, die Broker, die Kellner und die Putzkräfte. Sie sind gesprungen, egal ob sie afrikanischer, amerikanischer, chinesischer oder sonsteiner Abstammung waren. Sie sind gesprungen, weil sich das für alle Menschen wahrscheinlich ungefähr ähnlich anfühlt: Ausweglosigkeit, Panik, Todesangst.

Es mag schwer zu ertragen sein, für den Kärnter Bauunternehmer, für die Kärntner Polizei, für alle, die Asylwerber auf Saualmen verbannen, einsperren, ausperren, aussondern oder sonstwie von sich fernhalten wollen: So sehr „anders“ sind die nicht.

 

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