Ein Kommentar

In die Obsorgedebatte gerät Bewegung. Diese Woche beraten die Familienrichter über das heikle Thema, Ende Juni lädt die Justizministerin zu einer Enquete, um die Rechte von Vätern zu stärken. Die SPÖ, insbesondere die SPÖ-Frauen, tun sich schwer mit dem Thema, haben aber bereits Expertenmeinungen eingeholt. Und eben legten die Grünen ein Papier mit Reformideen vor, zu dem man nur sagen kann: Das ist ausgewogen, durchdacht, richtig gut.

Im Kern kreist alles um eine Grundsatzfrage: Wie können Menschen es schaffen, verantwortungsvolle und gleichberechtigte Eltern zu sein – auch wenn ihre Beziehung auseinandergeht? Und was kann der Staat tun, um ihnen dabei zu helfen?

Der erste Lösungsansatz lautet: Information. Verglichen damit, wie lange Konsumenten vergleichen, bevor sie sich für einen Handytarif entscheiden, ist das Unwissen über die rechtlichen Folgen einer Familiengründung oft sagenhaft.

Sollen wir heiraten oder nicht? Welchen Unterschied macht das für die Kinder? Welche Folgen hat es, wenn einer von uns seinen Beruf aufgibt, wenn wir uns eine gemeinsame Wohnung kaufen, oder wenn wir uns trennen? Wer ist wem gegenüber unterhaltspflichtig, und wer hat das Sorgerecht?

Dass sich Eltern rechtzeitig solche Fragen stellen, kann für das Wohlergehen des Kindes ebenso wichtig sein wie eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung. Deswegen gehört mindestens eine rechtliche Beratungseinheit in den Mutter-Kind-Pass.

Und damit im Konfliktfall nicht immer die Gerichte entscheiden müssen, samt langwierigen zermürbenden Verfahren, Gutachten und Anwaltskosten, gehören Schlichtungsstellen mit Psychologen und Sozialarbeitern her, die nach jeder Trennung rasch eine Obsorgeregelung finden, die gut für das Kind ist.

Denn irgendeine Lösung muss es geben – immer. Weil man Mutter und Vater bleibt, egal, wie sehr man einander auf die Nerven geht, egal, wie gekränkt man ist, egal wie leidenschaftlich man einander hasst.

Wir haben, wenn wir emanzipatorische Familienpolitik vorantreiben wollen, tatsächlich Unerhörtes vor: Wir müssen Elternschaft von unseren idealisierten Bildern einer geglückten, ewig währenden Paarbeziehung loslösen. Wenn das eine und das andere zusammentreffen – wunderbar. Wenn nicht, dann eben nicht.

Kinder brauchen nämlich weder verheiratete Eltern, noch brauchen sie verliebte Eltern. Sie brauchen Eltern, auf die sie sich verlassen können.

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