Wie gut, dass es in unseren Affären auch ausländische Geschädigte gibt

Sibylle Hamann

Erinnert sich noch jemand an Refco? Das war ein amerikanisches Brokerhaus. 2005 wars, langs ist es her, Fritz Verzetnitsch war ÖGB-Präsident, die internationale Finanzkrise lag in mittelferner Zukunft, und Claudia Bandion-Ortner war eine resche, der Öffentlichkeit unbekannte Richterin.

Refco jedenfalls manipulierte damals seine Bilanzen, die BAWAG half dabei, anschließend krachte Refco zusammen. Die amerikanischen Gläubiger und Aktionäre jedoch wollten den Betrug nicht hinnehmen. Sie suchten Schuldige, forderten Schadenersatz, engagierten scharfe Anwälte, erstatteten Anzeigen und brachten Klagen ein.

Man kann sagen: Amerikaner zogen in Amerika an der Tuchent, und im fernen Österreich, jenseits der Karibik, kam die BAWAG-Affäre zur Vorschein.

Und man kann fragen: Wäre das, ohne geschädigte Amerikaner, jemals passiert?

In diesen Tagen drängt sich ein ähnlicher Gedanke auf. Irgendwie ist es beruhigend, dass es in Sachen Haider und Hypo einen potenten deutschen Geschädigten gibt – die bayrische Landesbank. Es ist gut zu wissen, dass auch das deutsche Bundeskriminalamt ermittelt, dass deutsche Staatsanwälte über mögliche Anklagen gegen Verdächtige entscheiden, und dass deutsche Medien den Ermittlern dabei auf die Finger schauen.

Nicht etwa, weil Deutsche generell professioneller arbeiten würden. Es ist einfach die Distanz, die gut tut.

Kärnten nämlich wurde (und wird?) offenbar wie ein mittelalterliches Fürstentum regiert, und die Hypo diente als edelsteinbesetzte Privatschatulle des Fürsten. Prall gefüllt mit Geschenken aus aller Herren Länder, wurde sie dem Fürsten von braven Lakaien hinterhergetragen, und auf seinen Wink hin aufgeklappt.

Ein feudales System ist stets in sich geschlossen. Außerhalb der Gunst des Fürsten gibt es kein Leben. Sich dem feingesponnenen Netz aus Freundschaften und Abhängigkeiten zu entwinden, ist beinahe unmöglich; bei der freiwilligen Feuerwehr ebenso wie im VIP-Zelt beim Beachvolleyball. Insbesondere, wenn man noch etwas werden will im Land.

Dann schiebt man den Fürsten und seine Entourage betreffende Fälle halt „eher von sich weg, als dass man sich an sie klammert“, wie ein Klagenfurter Staatsanwalt im „Standard“ zugab; und in den anderen acht Fürstentümern wird das ähnlich sein.

Aber die Hoffnung lebt. Feudale Strukturen krachen sofort in sich zusammen, sobald außerhalb Referenzpunkte auftauchen. Einen Akt einfach bis zur Verjährung liegenzulassen, wird schwieriger, wenn der deutsche Kollege schon zum dritten mal in dieser Woche anruft und danach fragt.

Und, wer weiß, vielleicht erwacht im grenzüberschreitenden Aufklärungswettbewerb sogar der sportliche Ehrgeiz?

Wenn die bayrischen Ermittler helfen, aus den österreichischen das Beste herauszuholen, kann man am Ende sagen: Jörg Haider hat mit dem Hypo-Verkauf doch noch etwas beigetragen zur politischen Kultur im Land.

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