Wie eine Weinviertler Wirtin vor 25 Jahren beim Sturz der ugandischen Diktatur half. Und warum so etwas heute nicht mehr möglich wäre. Leider.

Sibylle Hamann

Vor dem Gasthaus „Zum grünen Jäger“ im Weinviertler Unterolberndorf, gleich neben dem Fahrradständer mit dem Logo der Raiffeisenkassa, liegt seit vergangenem Wochenende ein Quadratmeter afrikanische Erde. Die ist drei, vier Farbnuancen röter als die umliegende niederösterreichische. Es handelt sich um ein Denkmal. Wolfgang Krebs, der Künstler, hat es vor der Einweihnung liebevoll mit der Gießkanne besprenkelt, damit keine Krume davonfliegt.

Es ist gar nicht so einfach, die Einfuhrgenehmigung für 150 Kilo Erde zu bekommen. Dreimal musste sie sterilisiert und als „Tonerde für bildhauerische Zwecke“ deklariert werden, obwohl Krebs sie aus einer stinknormalen ugandischen Wiese ausgegraben hat. Die Wirtinnen des Unterolberndorfer Wirtshauses jedenfalls, die alte Leopoldine Bayer, ihre Tochter und ihre Enkelin, sind stolz auf den rotbraunen Flecken vor ihrem Fenster. Wer weiß, ob der Sturz der ugandischen Diktatur auch ohne ihre Mithilfe gelungen wäre.

25 Jahre ist es her. Da suchte Yoweri Museveni, ein ambitionierter ugandischer Exilpolitiker, einen Ort für ein konspiratives Treffen mit Gleichgesinnten. Schweden wäre logisch gewesen, dort lebten viele ugandische Flüchtlinge, doch die dortigen Behörden sahen das nicht so gern.

Auch in Wien lebte ein Bekannter. Er war Student und arbeitete gleichzeitig als Zeitungskolporteur. Bei einem Ausflug war der einmal im „Grünen Jäger“ eingekehrt und schlug es als idealen Treffpunkt vor: Es war abgelegen, das Essen war gut und billig, die Wirtin war nett, und Gästezimmer gab es auch. Die Wirtin erlaubte ihnen, die Getränke beim Greißler zu kaufen, unter der Bedingung, dass sie die Gläser selber abwuschen. So entstand im Extrastrüberl, in mehrtägigen Beratungen, das „Unterolberndorfer Programm“, das bis heute Teil der ugandischen Verfassung ist.

Diese Geschichte wäre heute kaum noch möglich. Kaum ein ugandischer Student kann sich mehr ein Studium in Österreich samt Studiengebühren leisten. Nebenher als Zeitungskolporteur zu arbeiten, wäre ohnehin verboten. Die Exilanten, die damals aus aller Welt anreisten, müssten sich heute monatelang mit den Visaformalitäten herumschlagen – von der Krankenversicherung bis hin zum Nachweis ausreichender Geldmittel in bar, und würden mit hoher Wahrscheinlichkeit daran scheitern. Würden sie es dennoch schaffen, müssten sie immer noch damit rechnen, in der Schnellbahn nach Mistelbach für Drogendealer gehalten und dementsprechend beamtshandelt zu werden.

Die Entwicklungszusammenarbeit schließlich, die jahrelang einen Schwerpunkt in Uganda setzte, ist heute auf ein Maß zusammengeschrumpft, für das sich Österreich nur noch genieren kann. Im neuen Budget wurde sie erneut um ein Zehntel gekürzt.

Nein, es ist nicht alles perfekt in Uganda, seit Yoweri Museveni an die Macht kam. Der Dauerpräsident hält wenig von der Mehrparteiendemokratie, im Nordwesten des Landes kämpft er gegen Rebellen, aber ökonomisch schaut es gut aus, 98% der Kinder gehen in die Schule. Unterm Strich kann man sagen: Unterolberndorf war gut für Uganda, und Uganda war gut für Unterolberndorf.

Schade eigentlich, dass es so etwas nicht nicht noch einmal geben wird.

 

Getagged mit
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.