Mein Beitrag zum Jubiläumsband des Presseclubs Concordia – als stolze Preisträgerin des heurigen Jahres

Wenn Menschen, die journalistisch schreiben, sich vor den Computer setzen, ist da kein leeres Blatt Papier, und nur selten stellt sich ein Horror Vacui ein. Wer journalistisch schreibt, ist nämlich nie allein mit Tasten, Buchstaben und Inhalt. Stets gibt es einen Bezugsrahmen. Da ist ein Layout, das sauber abgesteckt und befüllt werden muss, möglichst genau auf Zeile, ohne dass was fehlt oder drüberhängt. Da ist, meistens, ein Chef, der einem über die Schulter schaut. Da ist eine Blattlinie. Da sind Befindlichkeiten von Kolleginnen und Konkurrenten. All das denkt man beim Tippen mit. All das webt sich beim Tippen zwischen die Buchstaben.

Ob ein Text als gelungen oder misslungen gilt, für dieses Urteil werden üblicherweise unterschiedlichste Messlatten angelegt. Ob er zitiert wird. Ob ein Pressesprecher anruft. Ob es viele Leserbriefe gibt, oder eine Reaktion der zuständigen Stellen. Wir achten drauf, wer sich aufregt, wer sich ärgert, wer schweigt; wer sich verstanden und wer sich missverstanden fühlt.

Wenn es die jeweils „Richtigen“ sind, sind wird froh und haben das Gefühl, das Richtige geschrieben zu haben. So einfach ist das, üblicherweise.

Das Wunderbare am Concordia-Preis ist, dass er genau diese Normalität durchbricht. Er führt unsere handelsüblichen Maßstäbe ad absurdum. Er erinnert uns daran, dass es, jenseits von Produktionszwänge und Eitelkeiten, auch noch etwas anderes gibt. Einen größeren Rahmen. Einen Sinn.

Der Concordia-Preis führt große Worte in seinem Namen: Pressefreiheit und Menschenrechte. Er spricht aus, was wir eigentlich eh wissen müssten, aber aus Zynismus, Langeweile oder Zwang zur Originalität sehr oft zu verschweigen gelernt haben: Dass die Welt draußen stets ein bisschen besser, ein bisschen freier, ein bissen gerechter sein könnte, als sie ist. Und dass in ihr Menschen leben, die guten Journalismus – das heißt: Recherche, Kritik, Aufklärung – in einigen Lebenslagen ganz gut brauchen könnten.

In solchen Momenten fällt vielen von uns ein, warum wir einmal, lang ist es her, beschlossen haben, Journalisten zu werden.

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