Die Regierung streicht allen unabhängigen Forschungsinstituten die Basisfinanzierung. Das heißt: einpacken, zusperren. Nicht nur für die Institute.

Sibylle Hamann

Auch österreichische Politiker träumen. Besonders gern vom Nobelpreis. Viele kleine Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wuseln in diesen Träumen herum. Sie lächeln in die CNN-Kameras, schwärmen vom intellektuellen Klima in Österreich, bedanken sich artig für die weitblickende, mutige Unterstützung der Regierung. Am Ende lassen sie sich von der Ministerin gar noch für ein, zwei Fotos herzen. Was für ein Triumph!

Vielleicht hat irgendein Regierungsstratege tatsächlich darüber nachgedacht, wie man diesem Triumph näherkäme. Österreich zum spannendesten Forschungsstandort der Welt zu machen, die besten, ehrgeizigsten, kreativsten Leute herzulocken – das wär doch was!

Folgender Plan ist dabei herausgekommen: Erst entlässt man die Universitäten in die Autonomie, dann kürzt man ihnen das Budget und sagt, das sei ihr Problem, denn nun seien sie ja autonom. Dann schreckt man möglichst viele junge Menschen vom Studium ab, indem man den Uni-Alltag möglichst menschenunwürdig macht, verordnet die Verschulung sämtlicher Studienpläne und streicht über Nacht die Beihilfen. Jene unverbesserlichen Studierenden und Lehrenden, die sich davon immer noch nicht beirren lassen, hält man mit rigiden Ausländersgesetzen fern.

Nun folgt ein weiterer kühner Schachzug des unbekannten Strategen: Die Regierung streicht ab 2011 den unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsinstituten die Basisfinanzierung. Und zwar ALLEN, die nicht im Eigentum von Bund oder Ländern sind. Es trifft das Institut für Internationale Politik (ÖIIP), jenes für die Wissenschaft vom Menschen (IWM), jenes für Konfliktforschung (IKF), die Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA), das Forschungszentrum für Kulturwissenschaften (IFK) und viele mehr. Was für die meisten schlicht bedeutet: Bücher einpacken, Mietvertrag kündigen, Computer runterfahren, zusperren.

Außeruniversitäre Forschung – „za wos brauch ma des?“, wird irgendwer in Loipersdorf gesagt haben.

Eine im Prinzip berechtigte Frage – die sich aber leicht beantworten ließe, hätte sich jemand dafür interessiert. Gerade den außeruniversitären Instituten ist ja die Rolle zugedacht, die Wissenschaft näher an die Praxis heranzubringen; anwendungsorientiert und interdisziplinär zu forschen, in kleinen, flexiblen, internationalen Teams. Wie wendige Beiboote sollen sie dem behäbigen Massengutfrachter Universität vorausfahren, die unbekannten Gewässer sondieren und schauen, was da draußen an wissenschaftlichen Herausforderungen wartet – sei es beim Nation-Building in Afghanistan oder bei der spieltheoretischen Bewertung von Aktienkursen.

Wie gut einzelne Institute diese Aufgabe erfüllen, hätte man jederzeit evaluieren können. Hat man aber nicht – denn auch das hätte ein Minimum an Interesse vorausgesetzt.

Fest steht, dass sich die außeruniversitäre Forschung schon längst auf dem globalen Wissenschaftsmarkt bewähren muss. Den überwiegenden Teil ihrer Forschungsgelder bekommen die erwähnten Institute nicht vom Staat, sondern treiben sie selbst auf. Um Projekte zu kalkulieren, Finanzierungsanträge zu schreiben und eine ordentliche Buchhaltung zu machen, können eine Sekretärin, ein Computer und ein regendichter Büroraum allerdings von Vorteil sein.

Nur in Politikerträumen kriegt man nämlich Nobelpreise, ohne sich je an einen Schreibtisch gesetzt zu haben.

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