Sie besitzen eine Wohnung und wollen sie vermieten. An wen? Das geltende Anti-Diskriminierungsgesetz verbietet Ihnen, bei dieser Entscheidung auf das Geschlecht und auf die ethnische Herkunft zu achten. Das ist richtig so – denn weder seine Hautfarbe noch seine Geschlechtsmerkmale hat sich ein Mensch ausgesucht. Dasselbe müsste für die sexuelle Orientierung gelten.

Schwieriger wird es jedoch, wenn es um Merkmale geht, die nicht zufällig angeboren sind, sondern für die man sich voller Absicht entscheidet. Die Weltanschauung etwa. Soll auch hier der Diskriminierungsschutz gelten? Sollen Sie Schadenersatz leisten, wenn Sie sagen: „Ein Skinhead kriegt meine Wohnung nicht!“?

Ja, meinen die Grünen und Teile der SPÖ. Nein, meint die ÖVP. Sie hat sich, nach motatelangem Hin und Her in der Koalition, nun durchgesetzt. Und hat im Prinzip Recht.

Es ist selbstverständlich, dass in allen öffentlichen und halböffentlichen Bereichen, etwa bei der Vergabe von Gemeindewohnungen, weltanschauliche Neutraliltät herrschen muss. Ähnliches sollte überall gelten, wo es private Monopolisten gibt. Auch in täglichen Routineangelegenheiten, beim Einkaufen, im Kaffeehaus oder bei einer Hotelübernachtung, ist eine Ungleichbehandlung von Kundinnen und Kunden aus weltanschaulichen Gründen fehl am Platz.

Aber wo man längerfristige Verpflichtungen und Beziehungen herstellt, die mit ständiger Nähe und Vertrauen einhergehen, muss eine Privatperson das Recht haben, ihre unmittelbare Lebensumgebung autonom zu gestalten. Es muss möglich sein, eine Feriensiedlung christlicher Fundis zu gründen, ebenso wie eine trotzkistische Feministinnen-WG. Es ist verständlich, wenn das Schwulenbeisl keine offensiv schwulenfeindliche Steuerberaterin engagiert, und ein Fleischhauer keinen veganen Verkäufer.

Wozu sonst gründet man einen eigenen Betrieb oder ein selbstverwaltetes Projekt – wenn nicht um dieser Freiheiten willen?

O ja, es gibt strittige Bereiche. Ungleichbehandlung aufgrund des Alters zum Beispiel. Oder aufgrund der Religion. Ist eine Religion eine selbstgewählte Weltanschauung? Oder wird das Wort eher als Chiffre benützt, wenn eigentlich „ethnische Herkunft“ und banaler Rassismus gemeint sind?

O nein, wir sind noch lange nicht am Ende der Antodiskriminierungsdebatte, und das ist gut so. Aber fürs erste ist ein kleiner Schritt in Richtung Ehrlichkeit gemacht.

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