Die Medizin kann Menschen helfen, Eltern zu werden. Das ist gut. Noch besser wäre es, wäre dabei mehr Ehrlichkeit und weniger Ideologie im Spiel.

Sibylle Hamann

Kinder sind wichtig. Je mehr es gibt, desto besser, sagen Politiker. Männern und Frauen soll „Mut zur Elternschaft“ gemacht werden. Was prinzipiell in Ordnung ist.

Wäre da nicht das Paradox, dass es in Österreich gar nicht so wenige Männer und Frauen gibt, die gern Eltern wären, aber nicht sein können. Nicht nur aus biologischen Gründen. Sondern auch, weil die oben genannten Politiker Gesetze beschlossen haben, die ihnen die Elternschaft verleiden, erschweren oder gar verbieten.

Beginnen wir mit einem besonders tragischen Beispiel: Jenen Paaren, die Anlagen zu schweren Erbkrankheiten in sich tragen. Haben sie Glück, würfelt das Schicksal ihre Chromosomen zu einem gesunden Kind zusammen. Haben sie Pech, dann erleben sie eine Fehlgeburt nach der anderen. Bekommen Babys, die nur Wochen oder Monate leben. Müssen ihnen beim Leiden zuschauen, und womöglich gar beim qualvollen Sterben.

Die Gesetzeslage verlangt von solchen Eltern derzeit: Werdet schwanger und wartet so lange, bis Pränataldiagnostik möglich ist. Zeigt sich dabei die Erbkrankheit, könnt ihr die Schwangerschaft beenden. Dann könnt ihrs nochmal versuchen. Immer und immer wieder: Warten, hoffen, bangen, bluten. Diese schrecklichen Wochen könnte man Eltern ersparen. Man könnte die Embryos schon im Achtzellerstadium untersuchen, bevor man sie in die Gebärmutter einsetzt. Doch das wäre Präimplantationsdiagnostik. Und die ist in Österreich verboten.

Solche Konfliktsituationen auszuhalten, ist nicht einfach. Doch statt mit Hilfe müssen diese Menschen noch mit Verurteilung rechnen. Der ganz normale Wunsch nach einem halbwegs gesunden Kind wird als Jagd nach dem „perfekten Designerbaby“ diffamiert. „Ein Kind nach Maß designen“: Das klingt, als würden sich leichtfertige, konsumgeile Egoisten schnell mal einen schicken Wintermantel schneidern lassen. Diese Wortwahl, samt aller Assoziationen, ist wahrscheinlich beabsichtigt. Und es stimmt traurig, dass sich sogar ein lebenserfahrener Intellektueller wie Franz-Joseph Huainigg (vergangene Woche hier in der Presse) ihrer bedient.

Eine andere Gruppe, die die Lebensfeindlichkeit unseres Fortpflanzungsgesetzes zu spüren bekommt, sind Homosexuelle. Auch die wären sehr oft gern Eltern – und zumindest weiblichen Paaren könnte man unkompliziert helfen, diesen Wunsch zu erfüllen. Nicht jedoch in Österreich. Denn hier ist es Frauen in einer lesbischen Beziehung verboten, sich mit einer Samenspende künstlich befruchten zu lassen.

Warum eigentlich? Warum maßt sich der Staat ein Urteil über die Art der Beziehung an, ehe er Menschen die Elternschaft erlaubt? Warum schickt er brave Bürgerinnen ins Ausland, in den halblegalen Untergrund? Statt sich einfach über jedes Wunschkind zu freuen?

Christiane Druml, die Vorsitzende der Bioethikkommission, hat Recht, wenn sie das geltende Fortpflanzungsgesetz „heuchlerisch“ nennt. Es ist unlogisch, lebensfremd und zynisch. Es stellt das (abstrakte) Lebensrecht von Achtzellern über die (sehr konkreten) Gefühle und Bedürfnisse von lebenden Menschen. Und es spricht ideologische Urteile, wo ehrliche, praktische Handlungshilfen gefragt wären.

Politiker, die „Mut zum Kind“ fordern, sollten Mut zur Politik aufbringen. Und die öffentliche Debatte über dieses Gesetz eröffnen.

 

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