Kaum zu glauben, wie achtlos man in anderen Ländern mit Scheiße umgeht. Die menschliche lässt man einfach ins Wasser der Toilette plumpsen, wo sie gnadenlos durchgequirlt wird; die tierische entsorgt man ruckzuck. In Wien ist das anders. Da sorgt man in allen Lebenslagen für ausreichend Gelegenheit, Scheiße eingehend zu betrachten. Schließlich hat sich schon die Psychoanalyse für die spezifisch österreichische Form der Klomuschel interessiert.  Die fängt alles behutsam auf und dient als Präsentiernapf, damit man sich in Ruhe davon verabschieden kann, bevor man es hinunterspült. Vielleicht muss man ja noch etwas wiederfinden, das man versehentlich verschluckt hat. Oder die Konstistenz typologisieren, weil man täglich über alles, was beim Körper hinein- und hinausgeht, penibel Buch führt. Wie einst Adalbert Stifter.

So sehr, wie wir in Wien mit Scheiße-Begutachtung vertraut sind, kann uns das neue Werbesujet der MA 48 nicht mehr schrecken. Die Konsistenz saftig. Die Farbe ocker, changierend in Richtung Mokka-Chocolat. Wie ein sattes, pralles, gleißendes Monument liegt dieser Scheißhaufen vor uns, ruht in sich, kein Windhauch stört die Szenerie, selbst der Hund ist in stummer Bewunderung erstarrt. Grauslich? Aber geh. Ein Heiligtum.

Sibylle Hamann

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