Eine Werbekolumne.

Okay, Fünfzigerjahre. Findet man jetzt wieder gut. So sexy, so cool, so geil, so retro. Zumindest, seit wir alle  „Mad Men“ schauen. Man darf sich wieder mit Miedern die Wespentaille schnüren und vor dem Spiegel üben, wie man eine Rotfuchs-Stola um den Hals drapiert. Die Oberweite mit Taschentüchern ausstopfen, damit der Chef bei Bedarf auf dem Plateau sein Whiskyglas abstellen kann. Beim Gang zum Kaffeeautomaten immer drauf achten, wer aller einen grad beobachtet, dann ordentlich mit dem Arsch wackeln wie Christina Hendricks, die Naht hinten am Strumpf sollte stets kerzengerade genau in der Mitte der Wade verlaufen. Regelmäßig am Klo den Lidstrich nachziehen, dann kommt das anzügliche Zwinkern besser rüber. Man hat schließlich sonst nichts zu tun in einer Werbeagentur.

Wenn neuerdings sogar die fortschrittlichsten Zeitgenossinnen in unkritischer Fifties-Nostalgie schwelgen, dann darf das ein Favoritner Eissalon schon lang. Schon gar, wenn er tatsächlich aus den Fünfzigern stammt. Lassen wir sie also heraushängen, die saftig und prall gefüllten Knödel. Der Unterleib ist keusch im Schuppenmieder verstaut, auf dem BH kann man tatsächlich ein Tablett abstellen, die Haarfarbe ist von Christina Hendricks, und der Lidstrich sitzt perfekt. Ja, selbstvertständlich müssen die Fifties, auch am Reumannplatz, eine ganz schreckliche Zeit gewesen sein. Aber zwinker, zwinker, ernst gemeint ist es eh nicht. Schön anzuschauen wars halt.

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