Geld das wir anlegen, “arbeitet für uns”, heißt es. Aber was genau tut es dabei? Und wem nützt das? Solche Fragen stellte Frau Meschar. Und nicht nur sie.

Im Prinzip hat Gertrud Meschar alles richtig gemacht. Sie hat eine gute Ausbildung absolviert, ein Leben lang gearbeitet, gut verdient. Ein Häuschen und Garten, Reisen ab und zu, Theaterbesuche, Kaffeehaus, Friseur – das ging sich alles schön aus. Hang zu Luxus und Angeberei hatte sie nicht. Auch keine Familie. Deswegen blieb einiges übrig, das sich im Lauf der Jahre zu einer runden Million Euro summierte. Wofür hat man Geld? fragte sich Frau Meschar, als sie auf die achtzig zuging. Und kam zu dem Schluss: Es soll einem selber nützen, wenn mans braucht. Und was man nicht selbst braucht, soll anderen nützen, oder einer Sache, die man persönlich für wichtig hält.

Wer besitzt, kann nämlich verfügen. Hält ein Stückchen Welt in der Hand, und kann es gestalten. Was einen Besitzenden ein Stückchen freier macht als einen Besitzlosen.

Die Superreichen dieser Welt haben dieses Prinzip immer schon verstanden. Steckten ihre Milliarden, wie Bill und Melinda Gates, in eine Stiftung zur globalen Bekämpfung von Malaria und Aids. Finanzierten, je nach Gusto, Revolutionäre, Diktatoren oder Drogenhändler, gründeten Fernsehsender, Bibliotheken oder Fußballmannschaften. Nur die kleinen Sparer blieben bisher überraschend zurückhaltend. Trugen jahrelang ihre Tausender brav auf die Bank und stellten ihrem Bankberater Blankoschecks aus, frei darüber zu verfügen.

Seit den multiplen Finanzkrisen der letzten Jahre ist es damit vorbei. Immer mehr Sparer fragen nach, was ihr Geld eigentlich tut, wenn sie es den ganzen Tag auf der Bank allein lassen, in fremder Obhut sozusagen. Wer peinlich darauf achtet, keine gentechnisch veränderten Lebensmittel zu essen, dem kann es schließlich nicht gleichgültig sein, ob er, mit dem eigenen Geld im eigenen Pensionsfonds, nicht genau solche Lebensmittel erzeugt.

Diese Kontrolle kann man sich zurückholen. Die bunten Hochglanzprospekte wegwerfern, die “Finanzprodukte” anpreisen, und sich stattdessen im eigenen Haushalt umschauen, nach einem Produkt, das einen ganz besonders überzeugt. Wieso nicht gleich Aktien des Herstellers kaufen? Man kann dem Fleischhauer nebenan Kredit geben, für den Bau seiner neuen Kühlkammer. Sich an einer Solarstromanlage beteiligen, an einem Acker oder am Start-up-Kapital des Neffen mit einer genialen Geschäftsidee. Wer sein Geld lieber breiter streut, dem stehen mittlerweile Online-Plattformen zur Verfügung, die Investoren und Kreditnehmer zusammenbringen.

Ist alles riskant? Ja, ist es. Aber, wie wir heute wissen, auch nicht riskanter, als auf die Immofinanz oder Julius Meinl zu setzen. Und hat den Vorteil, dass man sich nebenbei zumindest das eigene Lebensumfeld verbessert. Mit seinem Geld dazu beiträgt, dass Produkte hergestellt und Dienstleistungen angeboten werden, die einem wichtig sind. Statt irgendwem Spielgeld in die Hand zu drücken, mit dem irgendwer anderer auf den Verfall von Währungen oder den Bankott von Staaten wettet, denen man, ganz persönlich, eigentlich noch hundert weitere Jahre Existenz gegönnt hätte.

Auch Frau Meschar wollte ein Stück Souveränität zurück. Etwas für die Wissenschaft tun, speziell für die Augenheilkunde. Blöd, wenn man da ausgerechnet an einen freundlichen Mann mit bürgerlichem Auftreten gerät, der einem staatdessen eine Immobilie samt Wirtshaus und Website aufdrängt.

Aber für den Fall, dass wir Investoren Martin Graf begegnen, sind wir jetzt wenigstens gewarnt.

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