Es gibt viele Gründe, Bücher in der Buchhandlung zu kaufen statt bei Amazon. Man muss sie bloß deutlich sagen. Petra Hartlieb macht das jetzt.

Ein Porträt

Wenn Sie grade vom Postamt kommen, mit einem Amazon-Packerl in der Hand, kann es passieren, dass Sie von einer Frau angesprochen werden, in freundlichem, aber insistierendem Ton. Ob in dem Packerl denn ein Buch sei? Und warum man das denn bei Amazon bestellt habe, statt es in der Buchhandlung zu kaufen, übrigens — gleich hier ums Eck sei zufällig eh grad eine. „Ich bin da gnadenlos“ sagt Petra Hartlieb, obwohl sich das jetzt gar nicht so gnadenlos anhört.

Petra Hartlieb, 45 Jahre alt, hat nichts von einer keifenden Tugendwächterin. Aber sie ist Buchhändlerin. Und muss als solche schließlich Marktforschung betreiben. „Mich interessiert wirklich, warum die Leute bei Amazon einkaufen, ehrlich jetzt!“, sagt sie mit einem entwaffnenden Grinsen. „Ich frag bei jeder Party. Und jeden meiner Freunde. Ich muss doch wissen, wie meine Kunden denken! Ich bin Unternehmerin, so funktioniert Kapitalismus, oder?“

Einige interessante Ergebnisse hat diese Hartlieb’sche Methode bereits zutage gefördert. Erstens: Dass viele Menschen offenbar glauben, Bücher, seien online billiger als in der Buchhandlung — was, der Buchpreisbindung sei Dank, nicht stimmt. Zweitens: dass Menschen normalerweise gar nicht drüber nachdenken, wo sie was einkaufen. Und drittens: dass sie überrascht sind, wenn sie draufkommen, dass ihre Konsumentscheidungen Folgen haben.

Für andere und für sie selber. Für den Staat. Für die Post. Für Verlage, Autoren, das Mikroklima in der Nachbarschaft, die Immobilienpreise, das Straßenbild. In einer Buchhandlung, argumentiert Hartlieb mit der Verve einer Jeanne d’Arc, finde nämlich mehr statt als der Tausch Geld gegen Ware: „Wir bilden Lehrlinge aus und geben kulturelles Wissen weiter. Wir sind Teil der sozialen Infrastruktur und machen ein Grätzel attraktiv. Und wir zahlen unsere Steuern nicht wie Amazon in Luxemburg, sondern in Österreich.“

Wer will, dass es Nahversorger gibt, muss bei Nahversorgern einkaufen: Das müsse man den Kunden sagen, laut und deutlich, mit einer „Buy Local“-Kampagne wie in den USA, meint Hartlieb. Doch weil weder in der Wirtschaftskammer noch im Buchhändlerverband jemand Begeisterung dafür zeigt, fängt sie halt jetzt selber damit an.

Dass die romantische Spontanidee vom eigenen kleinen Geschäft in einen Feldzug münden würde — damit haben Oliver und Petra Hartlieb nicht gerechnet, als vor acht Jahren alles begann. Sie lebten damals samt kleiner Tochter in Hamburg, er gelernter Buchhändler, sie Literaturkritikerin, besuchten Freunde in Wien, gingen zufällig in der Währingerstraße an der Auslage einer zugesperrten Wirtschaftsbuchhandlung vorbei, boten „mehr aus Spaß“ auf die Konkursmasse, und kriegten einen Riesenschreck, als der Laden plötzlich ihnen gehörte.

Sie zogen in die Altbauwohnung direkt über dem Geschäft, bauten eigenhändig um und aus, inzwischen haben sie sechs Angestellte auf sechzig Quadratmetern. Es herrscht reger Betrieb. Die Straßenbahn spült in regelmäßigen Wellen Kundschaft herein, „die Station vor der Tür ist praktisch, da stellen sich viele bei uns unter, wenn’s regnet.“ Man verkauft Daniel Glattauer, Ingeborg Bachmann und Mira Lobe. Sogar dem Kunden, der „ein Buch über geflügelte Worte“ sucht, „das muss irgendwann nach dem Krieg herausgekommen sein“, kann geholfen werden.

Reich wird man so nicht: Die Angestellten werden nach demselben Handels-KV bezahlt, der für Semmelverkäufer beim Anker gilt. In Stundenlöhne umgerechnet, bleibt auch den Inhabern nicht viel mehr. Ob sie zu viel oder zu wenig Gewinn entnommen haben, wissen sie immer erst nach dem Weihnachtsgeschäft –  im Dezember machen sie ein Viertel ihres Jahresumsatzes von etwa einer Million Euro. Der stieg die ersten sieben Jahre land stetig, seither bleibt er gleich, bei weiter steigenden Kosten.

„Man muss halt immer mehr tun für denselben Umsatz“, sagt Oliver: Man muss kompetenter sein als die Computersoftware. Man muss Real-Life-Erlebnisse bieten: Zu Lesungen drängt sich die ganze Nachbarschaft herein, da gibt’s Soletti, Käse und Wein. Auch die erste Nummer einer eigenen Zeitung haben sie im November produziert und in alle Postkästen der Umgebung gesteckt, der Kabarettist Thomas Maurer, der in der Nachbarschaft wohnt, schrieb dafür den Leitartikel. „Und dann standen plötzlich Leute im Geschäft, die sich verlegen umschauten und sagten — seltsam, jetzt wohn ich schon fünf Jahre hier, und wusste gar nicht, dass es bei euch so nett ist.“

Die Hartliebs sind Idealisten, aber keine altmodischen Sonderlinge. Sie sind mit Technik vertraut, internetaffin, und im richtigen Leben genausogut vernetzt wie auf Facebook. „Wir gehören ja selber zu jener Generation, die wir als Kunden zurückgewinnen wollen“, sagen sie. In den Köpfen dieser Menschen hat sich das Wort „Amazon“ halt irgendwann mit dem Wort „Bücher“ verwoben, so wie das Wort „Klebeband“ mit dem Wort „Tixo“. Was sich inzwischen jedoch als dramatisches Missverständnis herausgestellt habe: „Amazon sind Bücher komplett wurscht. Uns nicht. Den Lesern auch nicht. Und das ist der entscheidende Unterschied.“

Oja, auch die Hartliebs kennen das Bedürfnis, um zwei Uhr früh schnell vom Sofa aus einen Einkauf zu erledigen. Auch dafür gibt es eine Lösung: Online-Shops, die die Hartliebs ebenso wie ganz viele andere Buchhändler inzwischen anbieten. Da trägt der Chef oder die Chefin halt dann am nächsten Tag persönlich die Packerln zur Post und zahlt das Porto (3,90 Euro) aus eigener Tasche.

Bloß eines würde Hartlieb, anders als einige Kollegen, strikt verweigern: Für die Hausbewohner Amazon-Packerln entgegenzunehmen, wenn der Postler kommt.

„Komisch“, sagt sie, „aber der hat uns eigentlich noch nie darum gebeten. Mir scheint, der traut sich nicht!“

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35 Responses to Eine gegen Amazon

  1. Liebe Frau Hartlieb!
    Habe mich auch erst vor ca drei Jahren mit einer Buchhandlung selbstständig gemacht und auch mitbekommen, dass vielen unsere Buchpreisbindung nicht bekannt ist. Ich finde es super, was Sie machen und ich hoffe, dass viele viele Buchhändler sich vereinen und auch von der WK und anderen zuständigen Stellen Unterstützung bekommen. Ansonsten bin ich sehr dankbar, dass viele meine Kunden (in der Nähe von Wien) froh sind, dass es uns gibt und uns passieren (weil noch viel neuer wie Sie) eine Menge Fehler, und sie verzeihen das Ihnen und wir versuchen wirklich alles zu finden, zu recherchieren etc was geht, es ist ganz einfach toll, mit MENSCHEN zu tun zu haben, kein Roboter sein zu müssen….und das kann Amazon nicht, und alle die nur über das Internet bestellen wollen, sollen es tun, aber alle, die Bücher spüren, riechen, anschauen wollen, die sollen uns nicht sterben lassen. Geht mir so auch mit dem Greißler ums Eck….ich will mit Menschen reden…..

  2. […] Eine gegen Amazon | Sibylle Hamann „Man muss halt immer mehr tun für denselben Umsatz“, sagt Oliver: Man muss kompetenter sein als die Computersoftware. Man muss Real-Life-Erlebnisse bieten: Zu Lesungen drängt sich die ganze Nachbarschaft herein, da gibt’s Soletti, Käse und Wein. Auch die erste Nummer einer eigenen Zeitung haben sie im November produziert und in alle Postkästen der Umgebung gesteckt, der Kabarettist Thomas Maurer, der in der Nachbarschaft wohnt, schrieb dafür den Leitartikel. […]

  3. Félin sagt:

    Ich mag meinen regionalen Buchladen und ich weiß auch, dass dieser teilweise schneller liefert als amazon. Allerdings, je spezieller der Büchergeschmack wird, umso weniger zieht das Beratungsargument. Früher hat das recht gut funktioniert, mittlerweile weiß ich einfach, was ich will.
    Und wo amazon einen großen Vorteil hat: sie sind bei englischen Büchern günstiger und diese sind schneller da, deshalb bestell ich diese ausschließlich bei amazon. Und ansonsten DVDs und Elektronikkram.

    • Judy sagt:

      Hallo, Frau Hartlieb,
      Sie haben zwei Bücher geschrieben, die man über Amazon kaufen kann. Eines gibts auch als E-Book für den Kindle. Finden Sie es nicht verlogen, hier gegen Amazon zu wettern und gleichzeitig auf diese Weise Geld zu verdienen?

  4. Hotcha sagt:

    Interessanter Artikel.

    Würde mich eine Buchhändlerin auf dem Weg von der Post abfangen und befragen, warum ich denn nicht bei ihnen bestellt hätte, wäre die Antwort einfach. Es liegt an den real existierenden Buchhandlungen. Hier bei uns zum Beispiel kann man das Angebot nur noch als Beleidigung der Kundinnen auffassen. Esoterik, Engel, Quanten, Matrix etwa machen das Philosphieregal aus. Ich scherze nicht.

    Ich gehe solchen Buchhandlungen aus dem Weg, genau so wie homöopathiepropagierenden Apotheken. Beide haben jegliche Orientierung verloren, wenn sie überhaupt mal eine hatten.

    PS: ich war in den 70ern Buchhändler, es wird’s mir kaum jemand glauben, aber damals konnte man mit so einem Beruf noch richtig punkten in der Gesellschaft…

  5. fert sagt:

    Amazon ist schon o.k.
    Bei kleineren Händlern/Unternehmen kann man halt nicht so einfach feststellen, was da an krummen Dingern läuft.

  6. Jens Best sagt:

    Nette Aktion der Buchhändlerin. Besser noch wäre es den Börsenverein des Buchhandels zu fragen, warum dort die Plattform libreka.de zu dermaßen verhunzt wurde, dass dort kaum bis keine Umsätze entstehen.
    Eine Buchhandelsplattform vom Bördsenverein wäre eine Möglichkeit (gewesen) lokale Buchhandelsangebote beim Wandel zu unterstützen. Stattdessen wurde lieblos und mit Ignoranz gegenüber den digitalen Realitäten eine nutzlose Plattform gestartet. Wer Amazon (zurecht) kritisiert, sollte sich auch Gedanken über die digital durchdrungene Kaufrealität machen, die Menschen dort abholen und lokal neu mit dem Laden als Begegnungsstätte mit literarischer Kompetenz verbinden.

  7. […] kräf­tig in die offene Kerbe, Sybille Hamann roman­ti­siert über Vorteile der Grätzel-Nahversorgung und fährt mit ihrem Beitrag einen Kommentar ein, der das Problem wun­der­bar auf den wun­den […]

  8. bradbury sagt:

    ich mag buchhandlungen. kaufe trotzdem bei amazon. warum?

    ich mag u.a. science fiction. Folgendes kam da so von echten buchhändlern in echten buchhandlungen:
    “Philip K. Dick? Kenn ich nicht… Hat der vielleicht auch Krimis geschreiben?”
    “Science Fiction? Ja da hinten (Zeigt auf eine Drehsäule voll mit Buch-zum-Film, Buch-zum-Computerspiel, Buch-zum-Rollenspiel)”
    “Science Fiction? Hamma nicht (Schaut angewidert, steht neben einem Regal voller John Grisham)”
    “So was ähnliches wie (Apfel) suchen sie? Wie wärs mit (Ziegelstein), ist grad populär?”

    sorry, ich seh im buchhandel keine qualität mehr. alle ausgebildeten buchhändler, die ich kenne, bekommen keine jobs, weil sie teurer als praktikanten sind. auch in “echten” buchhandlungen.

    ich kaufe ungern online. nehme lieber sachen in die hand vorm kaufen. aber ich bin bei amazon einfach besser beraten, der “vielleicht gefällt ihnen auch..”-roboter ist leider kompetenter, als alles, was ich im fachhandel so antreffe. und ich finde wirklich jedes buch, das ich suche, nicht nur die best-of-best-seller-liste. und, wie auch immer die buchpreisbindung funktioniert, amazon ist trotzdem oft billiger (was aber das schwächste kriterium ist).

  9. Hanni sagt:

    Gut, dann oute ich mich hier einfach mal: Ich bestelle fast ausschließlich all meine Bücher nur über amazon.de. Wieso ich das so mache? Das hat zwei einfache Gründe: Bequemlichkeit und Zeitersparnis! Als Student muss ich unheimlich viel lernen, nach der Uni habe ich einfach keine Lust mehr in irgendwelche Geschäfte zu gehen. Amazon ist super, weil ich dort, dank des Studenten Prime Service, ich meine Bücher sofort am nächsten Tag ohne Versandkosten bekomme und die sind immer in einem Topzustand, in vielen Bücherläden habe ich es oft erlebt, dass die Bücher schon Knicke etc. hatten.

    Gerne kann man mir vorwerfen, dass ich den bösen Arbeitgeber amazon nun bei seinen Machenschaften unterstütze, aber so ist das in der heutigen Zeit leider eben, es wird eben lieber online gekauft. Klar könnte ich auf den Luxus verzichten, will ich aber nicht und so werden bei mir und all den anderen Studenten auch all die Bücher meistens über amazon kommen.

    Es tut mir natürlich Leid für die kleinen Läden, aber es war uns fast allen seit der Einführung des Internets und der Online Shops doch klar, dass solche Buchläden etc. irgendwann Geschichte sein werden.

  10. […] Buchhändlerin will wissen, warum die Leute bei Amazon kaufen – und fragt sie […]

  11. Andrea Klein sagt:

    Nicht nur Ihr Beitrag oder der aktuelle Leiharbeiter-Neonazi-Skandal: Es gibt eine Liste von unterträglichen Zuständen bei Amazon – jeder, der mal als Marketplace-Verkäufer etwas angeboten hat, kann ein Klagelied davon singen wie jeder Zulieferer abgezockt wird. Nur die Kunden sind König, büßen können andere…
    Ich werde dort sicher nichts mehr kaufen, auch wenn Amazon jetzt auf Richtigstellung oder gar Einsicht etc machen sollte. Ich habe dort schon viel gekauft, von Spielen über DVD playern bis zu Handys! – no more.
    Ich bin aber in der moralischen Zwickmühle, weil ich auch ein Produkt auf Amazon verkaufe, das dort 95% meines Umsatzes einspielt
    Wenn ich es schaffe, es dort über meinen Vertrieb abzuziehen, juckt es Amazon nicht, mich aber gewaltig! :-/
    man sieht, Geld regiert! :-( )

    Und schlussendlich: ich liebe Buchhandlungen, dort riecht es immer gut, und in vielen gibt es Cafés – man kann auch ohne Amazon einkaufen, ich werde mich nie wieder über 5,90 Versandkosten ärgern!

  12. Liebe Petra,
    ich denke, Du wirst das hier lesen :-)) Ich war im Sommer 2012 dabei als der deutsche Buy-Local-Verein gegründet wurde. Ich denke, der nimmt auch Mitglieder in A. Du kannst Dir die Website ja mal anschauen: http://www.buylocal.de . Initiator ist Michael Riethmüller von der Buchhandlung Ravensbuch in Ravensburg. Vermutlich kennst Du die Initiative ja auch schon.
    Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg (und bin mir sichern, Du hast ihn)!
    Dieter Dausien (www.freiheitsplatz.de)

  13. klexel sagt:

    Ich habe gerade eben den Bericht “Ausgeliefert – Leiharbeiter bei Amazon” in der ARD gesehen. Spätestens jetzt weiß ich, dass ich niiiieee wieder ein Buch dort bestellen werde, um dieses menschenunwürdige Verhalten dieser Firma nicht noch zu unterstützen. Es war einfach nur erschreckend und widerlich, mitanzusehen, wie die ausländischen Leiharbeiter dort bewacht, gedemütigt und ausgenutzt werden.
    Ich selber kaufe meistens und gerne in kleinen Geschäften vor Ort, nachdem ich festgestellt habe, dass die Preise dort selten höher sind als bei großen Händlern. Das beziehe ich nicht nur auf Bücher, auch zwei Fernseher und einen PC hab ich beim Fachhändler um die Ecke gekauft, mit dem erfreulichen Nebeneffekt, dass ich dann auch den Kundendienst um die Ecke habe. Und in Buchhandlungen zu stöbern ist doch das Allergrößte.
    Wie kann ich etwas online bestellen, wenn ich noch gar nicht weiß, was ich will? Vielleicht finde ich im Laden plötzlich etwas, womit ich nicht gerechnet habe, oder die freundliche Verkäuferin (wieso sind das eigentlich meistens Frauen?) kann mir etwas empfehlen und mir mehr Infos drüber geben, als ich online lesen kann. Das macht Spaß, und ich weiß, dass ich damit ein klitzekleines bisschen dazu beigetragen habe, dass ihr Geschäft hoffentlich noch lange besteht. Ich würde es vermissen.
    Hier noch ein Link:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ard-reportage-dokumentiert-missstaende-in-der-leiharbeit-bei-amazon-a-883156.html

  14. Parker sagt:

    Amazon hat die Bücher alle auf Lager. Zum Glück ist dem nicht so. Da leider zu viele Menschen nur das lesen was sie auch lesen wollen, fällt der Zusatz “Erhältlich bei diesen Anbietern” oft nicht auf. Erst wird einmal der Händler erpresst das Amazon das Buch noch liefern kann. “Vergriffen? Amazon hat es aber”. Da ja die meisten Händler auch einen Internetanschluss im Geschäft haben, können diese den Kunden immer wieder von der Wahrheit überzeugen und die Ware vielleicht auch auf anderen Wegen besorgen. Jedes zweite Buch muss bestellt werden. Wo bestellt der Händler es? Vielleicht beim Buchgroßhändler in Bad Hersfeld. Über Nacht. Ohne irgendwelche Aufschläge.Kosten-und Umweltbewußt in der Mehrwegwanne. Wo liegt das Amazon Zentrallager? In Bad Hersfeld! Wo bedient sich Amazon um immer alles verfügbar zu haben? Vielleicht beim Buchgroßhändler nebenan. Zwei Tage Lieferzeit. Ein Karton für ein Buch und jede Menge stinkender Kleinlaster in unseren Strassen.
    Ich finde das alles sehr schade.

  15. Günther Reisenauer sagt:

    Sie ist nicht alleine

    Es ist schön, dass Frau Hamann Frau Hartlieb kennt, und vice versa. Es ist schön, dass Frau Hamann über David gegen Goliath berichtet. Sie sollte zumindest dafür die Ehrennadel des Hauptverbandes des österreichischen Buchhandels bekommen. Sich offensichtlich der Problematik bewusst, wäre es noch schöner gewesen, wenn Frau Hamann auf die Hartliebschen Mitstreiter wie Orlando, Rckart-Buchhandlung, Bücherstube Baumann, Leporello, Buchhandlung Lerchenfeld, Thrill & Chill, etc. auch noch verwiesen hätte. Mögen mir die vielen Nichtgenannten verzeihen, aber auch sie tragen dazu bei, dass Wien die Stadt mit der größten Buchhandelsdichte ist, und hoffentlich bleibt.

    • Petra Hartlieb sagt:

      Lieber Herr Reisenauer,

      natürlich bin ich nicht alleine, aber ich bin zu dem Thema gefragt worden. Es liegt nicht in meiner Hand, Frau Hamann zu sagen, dass sie alle anderen tollen Buchhandlungen in Österreich im Artikel namentlich erwähnen muss. Ich habe aber dezitiert gesagt, und so wurde es auch im Artikel geschrieben, dass inzwischen fast alle Buchhandlungen auch den Service der Online-Bestellung anbieten.
      Ich habe noch in keinem meiner zahlreichen Interviews versucht, durch unseren Onlineshop anderen Buchhandlungen Kunden wegzuagitieren – im Gegenteil – ich wiederhole gebetsmühlenartig, wie wichtig es ist, im eigenen Viertel einzukaufen.

  16. Werner Beyer sagt:

    Dass bei einer Buchhandlung mal was schief geht, ist natürlich ein so schwer wiegendes Vergehen, dass man ihr nicht nur die Freund- und Kundschaft aufkündigt, sondern das auch noch der ganzen Welt per Internet mitteilen muss, auf dass es einem möglichst viele gleichtun können und man selber clever aussieht. Da kann Amazon seine Kundendaten an die US-Behörden weitergeben, Wikileaks sabotieren, Steuerzahlungen vermeiden Subventionen kassieren, Bücher im Vorauseilenden Gehorsam aus dem Angebot nehmen, Verlage und Lieferanten zu exorbitanten Rabatten nötigen, bei den Versendern Sonderbehandlung durchsetzen Politik und Medien für sich einspannen (von den Arbeitsbedingungen und dem Energeiverbrauch ganz zu schweigen) u.v.a.m. das ficht die Freunde des “freien Wettbewerbs” nicht an, schließlich ist der Buchhändler der da nicht mithalten will und kann selber schuld. Freunde, wisst ihr wirklich was ihr da redet und tut und auf was das Ganze rausläuft?

  17. Hallo Mitmensch sagt:

    Liebe BuchfreundInnen, lieber Dr. Kläring!

    Wer noch nie im Handel geschweige denn im Buchhandel den vorweihnachtlichen Wahnsinn – ja Wahnsinn erlebt hat sollte allen ProtagonistInnen verständnisvoller entgegen treten. Es ist wirklich nicht vorstellbar was sich in diesen 6 – 8 Wochen abspielt. Und dass da schon der eine oder andere Fehler passieren kann ist nur allzu menschlich.

    Und es kommt bei einem Fehler auch immer darauf an wie reagiert wird. Bei patzigen Meldungen drehe ich mich auch am Absatz um und komme nie wieder. Wenn man jedoch auf eine nette Art um Entschuldigung bittet und auf keinen Fall unterwürfig den Fehler einsieht, dann ist für mich persönlich die Welt wieder in Ordnung.

    Es ist schon interessant wie viele Menschen dieser Gesellschaft immer strenger mit Fehlern umgehen bei sich immer höher schraubenden Anforderungen bei noch knapperem Zeitkonto ihrer Mitmenschen.

    Hallo: Wir sitzen alle im selben Boot, und wenn wir möchten dass Burn-Out nicht zum Standard-Problem wird können wir alle bei uns selbst mit Gnade beginnen. Das wär doch mal was wirklich Neues!

  18. bernhard hacker sagt:

    und dann hat der lokale buchhändler noch ein platzerl für mein im selbstverlag “gestricktes” buch gefunden, und schön dutzendweise die kommission geordert und allen kunden extra angeboten und diesen erstling verkauft, stück für stück. das macht mut, weiter zu schreiben und die tipps des profis sind wertvolle grundlage für die nächsten projekte.

  19. Georg Kraft Kinz sagt:

    Wer eine lebendige Straße will die Vielfalt bietet der/die kauft da ein! Ihr seid die Manufaktur fuers Buch, gratuliere!

  20. 2003 hat Knaur München, meinen Krimi “Geier” veröffentlicht. Kurz darauf wurde das Buch als eines von fünf Romanen von der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur – Das Syndikat als bestes Debüt für den alljährlich vergebenen “Glauser” nominiert. Ich fuhr also 2004 zur “Criminale”, dem Krimifest des Syndikats (ich lebe in den USA), und wollte gern mein Buch – und vielleicht seine drei Vorgänger – in eine Buchhandlung sehen. Vergeblich. Großstadt- und Kleinstadtbuchhändler hatten entweder noch nie von meinem Buch gehört, sagten alle, sie können es bestellen, und mehrere lachten, als ich sagte, der Geier sei vor zehn Monaten erschienen: “Dann”, hieß es, “ist es natürlich nicht mehr auf Lager.”

    Seit 2003 verkauft Amazon den Geier weltweit. Ununterbrochen.

    • Spang sagt:

      Lieber Herr Kraus,

      Amazon verkauft ihr Buch auch nicht, da es längst vergriffen ist.
      Das, was sie bei Amazon sehen, ist die Verknüpfung zu den Antiquariaten, die ihr Buch gebraucht und neu verkaufen.
      Sie glauben doch wohl nicht ernsthaft, dass sich Amazon in irgendeiner Form für Ihr Buch eingesetzt hat?
      Ich behaupte, dass jeder Buchhändler – auch der kleine an der Ecke – den Titel von einem auf den anderen Tag bestellen konnte (als es noch lieferbar war).
      im Übrigen: Beim “Glauser” handelt es sich nicht um den Deutschen Buchpreis…

  21. Sophie von Lenthe sagt:

    Das ist genau die in dem Artikel beschriebene Grundhaltung: bloß keine Verantwortung mehr für das eigene Tun übernehmen. Nur zur Info: Kurz vor Weihnachten kommen die Bücher auch von Amazon nicht mehr pünktlich zum Fest. Dann wird der stationäre Buchhandel gestürmt, der dann bitteschön alles und zwar sofort verfügbar haben muss. Da gibt’s keine Gnade. Sorry, aber diese Kunden – es sind Gott sei dank nur wenige – sind für den stationären Buchhandel verzichtbar.

  22. Klaus Unterrieder sagt:

    Das ist ganz einfach: ich habe auch immer gern in Buchhandlungen eingekauft. Aber mittlerweile muss jedes zweite Buch bestellt werden, und es dauert immer länger als die Lieferung der amazon-Bestellung. Ein Beispiel: eine Grazer Buchhandlung nannte mir eine Lieferzeit von 8 bis 10 Tagen, über amazon war das Buch nach zwei Tagen in meiner Post. Das war’s dann auch zum Thema Buchhandlung.

  23. Claudia Putz sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Kläring,

    ärgerlich, sehr ärgerlich so etwas….. aber nix für ungut… das Argument mit dem Nahversorger hat schon was!! Und Amazon liefert auch per Post und die ist vor Weihnachten generell ein Problem…. Und das mit den Abgaben die unserem Land entgehen… Also ich wohne hier. Ich arbeite hier. Ich gehe hier zum Arzt. etc. Und ich kaufe – mit unter durchaus übers Internet – aber bei einer Österreichischen Buchhandlung die das anbietet :-) PS: Ich hoffe, sollte Ihre Gattin, Kinder oder Freunde mal was nicht perfekt hinkriegen, dass Sie ihnen denoch die Treue halten ;-)

  24. Karl Z. sagt:

    Schön und gut, dass ein Buchladenbetreiber das so sieht. Aber das schlagende Argument war für mich jetzt nicht dabei, warum Amazon jetzt so schlecht ist. Die sind halt richtig effizient in ihrem Lager und überhaupt der ganzen Logistik. Sowas kann man eben nur im großen stil aufbauen, da kann ein kleiner Laden einfach nicht mithalten.

    Andererseits bin ich auch der Meinung, dass man Konzerne eigentlich nicht unterstützen sollte. Weil die sonst immer mächtiger werden, und dann über die Politik hinweg bestimmen.

    Das Einkaufen in lokalen Kleinläden macht mir persönlich einfach keinen Spaß, mir ist es zu umständlich den ganzen Weg auf mich zu nehmen, nur um ein bestimmtes Buch kaufen zu gehen.

    Trotzdem wünsch ich noch viel Spaß und Erfolg beim Kunden bekehren.

  25. Dr. Werner J. Kläring sagt:

    Liebe Freundinnen und Freunde, ich habe einige Jahre sehr gerne bei Hartlieb in der Währingerstrasse meine Bücher gekauft. Man muss festhalten, dass die Bücher bei Hartlieb meist erst bestellt und dann abgeholt werden. Zum letzten Mal vor 3 Jahren kurz vor Weihnachten, es musste wieder bestellt werden, ich erhielt Terminzusagen, rief am selben Tag noch an, ob die Bücher hier sind, ja, sind schon hier, dann fahre ich im Weihnachtsverkehr in den 18ten, suche Parkplatz – und die Bücher sind noch nicht da! Das war’s dann, ich dnke, verständlich, oder?

    • Katja Langmaier sagt:

      Tut mir leid, das ist für mich nicht verständlich.

      Bei Bestellungen über Amazon kurz vor Weihnachten stehen die Chancen gut, dass Amazon schnell, die Österreichische Post AG jedoch langsam ist. Mit Pech werden Sie dann noch „leider nicht angetroffen“ (egal, ob Sie anzutreffen gewesen wären) und können in eine Postfiliale hirschen, die wahrscheinlich dank der Schließung vieler ebenjener weiter entfernt ist als der nächste Buchladen.

      Als notorische Zu-spät-Einkäuferin von Weihnachtsgeschenken kann ich schon nachvollziehen, dass die Sache für Sie ärgerlich war, aber genauso wenig wie Amazon etwas dafür kann, wenn die Post ihre Dienstleistung nicht erbringt, können Buchhändler*innen etwas dafür, wenn ihre Bücherwagendienste vor Weihnachten nicht mit den Bestellungen nachkommen (wie ich vermute). Was würde denn außerdem dagegen sprechen, nur die dringendsten Bestellungen an Amazon zu geben und andere Buchkäufe in einem Laden mit engagierten, wissenden, beratenden Buchhändler*innen zu tätigen? Amazon hat auf seine Kund*innen ja schließlich kein Monopol und jede*r Buchändler*in wird sich über jedes im Laden gekauftes Buch freuen.

      Und zum Punkt „Man muss festhalten, dass die Bücher bei Hartlieb meist erst bestellt und dann abgeholt werden.“ – im Prinzip wäre es aber auch kein großer Aufwand, eine Bestellung zu schicken oder telefonisch durchzugeben und sie dann abzuholen. (Amazon hat übrigens auch nur deshalb eine so große Auswahl an Büchern lagernd, weil die Lagerkosten an Verlage weitergegeben werden.)

      Als Mitarbeiterin in einem jungen, kleinen Verlag in Wien kann ich Ihnen berichten, dass es für viele Buchhändler*innen und Antiquariate, alleine dadurch, dass Amazon versandkostenfreie Lieferungen anbietet, erheblich schwieriger geworden ist, zu überleben. Der Versand eines durchschnittlich großen Buches mit der Post beläuft sich innerhalb Österreichs inzwischen auf EUR 2,90 (dünne Bücher) bis EUR 3,80, was in puncto Gewinn für Buchhändler*innen und Verlage einer Aufhebung der Buchpreisbindung gleichkommt (will man als Verlag auf die Bücher nicht von vornherein diese Versandkosten draufschlagen und Gefahr laufen, nicht mehr konkurrenzfähig zu sein).

      Fazit: Wenn Sie Ihre Bücher über Amazon bestellen trägt das dazu bei, dass die Kosten, die dabei entstehen (Versand, Lager) letztlich wieder bei den Kund*innen landen, oder kleine Unternehmen nicht mehr gegen große bestehen können.

      Versuchen Sie es doch einfach noch einmal und kaufen das eine oder andere Buch wieder in einem kleinen Laden. Es muss ja nicht jedes sein.

      • Gerlinde Droste sagt:

        Amazon hat übrigens gar nicht so viele Bücher auf Lager, wie viele Menschen denken. Er bezieht diese nämlich u.a. bei Libri, dem gleichen Bad Hersfelder Großhändler, bei dem auch viele Buchhändler bestellen, wird also über Nacht beliefert, wie alle Buchhandlungen auch – bzw. Libri verschickt in Amazons Namen. Sein Lager muss Amazon ja vor allem mit den ganzen anderen Dingen füllen, die Leute ebenfalls online bestellen – nur, dass für neue Bücher überall die gleichen Preise gelten, und bei anderen Dingen wie CDs, Balkonstühlen, Waschmaschinen, usw. nicht unbedingt. Übrigens sehen die Käufer auch nicht, dass es sich oft um Marketplace-Angebote handelt, sie also nur über die Plattform Amazon bei irgendeinem Privatanbieter oder bei anderen Händlern bestellen – und dann extra Porto zahlen, was sie beim Besuch einer Buchhandlung vermieden hätten. Und wer unbedingt online bestellen will, der wähle doch bitte einen Onlineshop der zahlreichen kleinen Buchhandlungen, die liefern nämlich meist zu den gleichen Bedingungen wie Amazon, viele haben einen professionellen Onlineshop. Bei einigen kann man sogar wählen, ob man sein Buch zugeschickt haben will, oder ob man es in der Buchhandlung abholt, weil man sowieso am nächsten Tag in der Stadt ist. Das kann Amazon nicht. Und so vieles mehr auch nicht, z.B. eine nette Stöber-Atmosphäre bieten, Bücher ohne Aufwand zur Ansicht bestellen, komplizierte Titel ausfindig machen, von denen man nur halbe Angaben hat (das kann nämlich so manche Buchhandlung viel besser), Praktikums- und Ausbildungsplätze für eure Söhne und Töchter anbieten, uvm.

    • Wenn ein Termin nicht eingehalten wird ist das ärgerlich, stimmt. Auch, wenn eine Verwechslung passiert ist – das ist blöd.
      Aber dann dürfte ich nie wieder online etwas bestellen, manchmal sind Weihnachtsgeschenke die ich bestellt habe erst im neuen Jahr angekommen-auch von Amazon. Aber das nimmt man in Kauf, vergisst und vergibt.
      Ich bin faul, gehe nicht mehr gerne “shopping” und lebe am Land. Das ist meine Begründung für Online-Einkäufe.

    • Bernd Vockeroth sagt:

      Sehr geehrter Herr Dr. Werner J. Kläring

      ich freue mich endlich einen Menschen gefunden zuhaben, der absolut fehlerfrie ist!!!

    • Elisabeth Stein-Salomon sagt:

      Mein nächster Besuch in Wien wird mich sicher in die Währingerstraße führen. Ich freue mich schon auf einen Einblick in dieses individuell geführte Buchhandelssortiment und auf die Leseempfehlungen von Oliver und Petra Hartlieb!
      Kompliment auch für die tolle website der Buchhandlung!

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