Meine Wahlkampfwoche

Ein Gastbeitrag fürs profil

Diese Wahlkampfwoche beginnt mit einem Geständnis. Da ist nämlich dieses „ganz private“ Doppelinterview mit Eva Glawischnig und Volker Piesczek in der Sonntagsausgabe des „Kurier“. Sie im strahlenden limettenfarbenen Sommerkleid, er superlässig mit offenen Schuhbandln. Volkers Geständnis lautet: „Wir sind wie das Wetterpärchen. Einmal ist die Eva weiter vorne. Dann bin ich wieder weiter vorne“. Evas Geständnis lautet: „Für meine Kinder lasse ich Heinz Fischer warten.“ Und mein Geständnis lautet: Ich verschlinge so etwas.

Eigentlich, sagt das medienkritische Über-Ich, müsste man dezent wegschauen, wenn einem Politiker und Politikerinnen ungefragt Einblicke in ihren Alltag aufdrängen – so wie man höflich die Augen niederschlägt, wenn jemandem auf der Straße versehentlich die Hose zu weit herunterrutscht. Es gehört zum guten Ton, Homestorys mega-peinlich zu finden und zu beteuern, das beeinflusse einen nie und nimmer in der eigenen Wahlentscheidung, denn da gehe es ausschließlich um inhaltliche Positionen. Um gesellschaftlich relevante Fragen. Um Politik.

Aber ich kann nicht anders: Ich höre zu. Ich schaue ganz genau hin. Immer. Dieser unsägliche Einbauschrank! Was hat denn der für Schlapfen an! Und diese Körperssprache! Einerseits aus purem Voyeurismus. Andererseits jedoch kann ich dieses Laster, meinem Über-Ich zuliebe, sogar rational begründen. Schließlich ist es eine brennend aktuelle gesellschaftspolitische Frage, was passiert, wenn Arbeitwelt und Familienleben kollidieren. Es ist wichtig, dass sich Männer ebenso wie Frauen darüber Gedanken machen, auch öffentlich. Was ein Karriereschritt für die Familie bedeutet. Wie man damit umgeht, wenn der eine Partner wesentlich mehr verdient als der andere. Wer sich kümmern wird, wenn das Kind während einer Dienstreise die Feuchtblattern kriegt. Und wer den Geschirspüler ausräumt.

Millionenfach addiert, erzeugen all diese intimen, höchstpersönlichen Verhandlungen so etwas wie die gesellschaftliche Norm. Es ist also sehr okay, wenn Politiker und Politikerinnen uns, zumindest durchs Schlüsselloch, zuhören lassen, wie sich das bei ihnen daheim abspielt. Besser zumindest, als zu Wahlkampfzwecken heile Familien aus dem Model-Katalog zu plakatieren, wildfremde Babies zu küssen, oder vage die Kraft der Liebe zu beschwören.

Womit wir bei der FPÖ wären. Und der „Nächstenliebe“, die diese entdeckt hat. Um Himmels willen, was ist da passiert? Reiht sich jetzt auch noch die FPÖ an der Seite der Caritas in die Gutmenschenphalanx ein? Ruft Heinz-Christian Strache demnächst zu einer Lichterkette für die Heimholung der Votivkirchenflüchtlinge auf? Nein, keine Sorge. „Ich habe die größte Freude mit mir selbst“, sagt der Parteichef im „Falter“-Interview am Mittwoch. „Ich bin verdammt glücklich mit meinem Leben, und ich sag mir jeden Tag, wenn ich aufstehe: Danke.“

Danke sage auch ich, für die Klarstellung. Der Allernächste ist halt immer man selber, und je mehr Liebe man für diesen Allernächsten aufbringt, desto mehr Grund hat man am Ende, sich bei sich selber zu bedanken.

Sonst noch was? Nein. Zu allen anderen Parteien fällt mir nichts ein.

 

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