Uschi Fellner-Pöttler macht schon wieder eine neue Frauenzeitschrift.
Ein Porträt für den Falter
Ihr Pressesprecher nennt diese Frau „Prinzessin“. Und in dem Moment weiß man, dass man sich im Epizentrum eines Problems befindet. Oja, auf Fotos kann sie durchaus so ausschauen: Sie ist blond, klein, zierlich, zerbrechlich beinahe, und hat ein strahlendes Lächeln. Doch Uschi Fellner-Pöttler, Verlegerin, Herausgeberin, eine „Prinzessin“? Das kann nur jemandem einfallen, der ausschließlich in Äußerlichkeiten denkt.
Uschi Fellner-Pöttler ist genervt. An der Art, wie sie redet, merkt man, dass ihr Vorurteile nicht zum ersten mal in ihrem Leben begegnen. 51 Jahre ist sie alt, und in vielen langen Arbeitsjahren wird sie gelernt haben, dass man nichts geschenkt kriegt. Dass gutes Aussehen zwar Aufmerksamkeit bringt, aber nicht zwangsläufig Erfolg. Dass man klar verlangen muss, was man haben will. Und dass Vertrauensseligkeit zwar niedlich sein mag, im Business aber tödlich sein kann.
Uschi Fellner-Pöttler traut dem „Falter“ nicht. Es gebe dort generelle Vorbehalte gegenüber ihrer Art Journalismus, meint sie, man sei ihr feindlich gesinnt, jedes Jahr sei sie ganz vorn im „Best-of-Böse“-Ranking dabei. Wenn sie diese Geschichte nicht vor Veröffentlichung gegenlesen dürfe, „dann können wirs gleich bleiben lassen“, sagt sie bestimmt. So, und jetzt stehen wir mit unserem Gespräch schon auf dem falschen Fuß, noch ehe wir richtig zu reden begonnen haben.
Dabei habe ich mit Uschi Fellner-Pöttler gar kein Problem. Über Frauenzeitschriften wollte ich mit ihr reden. Und über ein Spannungsfeld, auf dem sich diese Frau so gut auskennen muss wie kaum eine andere: Wie spricht man über Äußerlichkeiten – und hilft Frauen gleichzeitig dabei, sich vom Diktat ebendieser Äußerlichkeiten zu befreien?
Frauenzeitschriften gibt es traditionel in drei Varianten. Erstens: Hochglanz-Modezeitschriften wie die „Vogue“ – nobel, teuer, Statussymbole. Zweitens: Billige Klatschpostillen wie die „neue Post“, Herzschmerz aus der Prinzessinnenwelt für die älteren. Drittens die „Brigitte“, Mutter aller deutschsprachigen Frauenzeitschriften, als emanzipatorische Begleiterin durch den Alltag der Siebzigerjahre. Die „Brigitte“ nahm Frauen als Berufstätige, Liebhaberinnen und Mütter ernst, samt aller Konflikte, die zwischen diesen Rollen bisweilen entstehen. Sie versorgte Frauen mit Bastelanleitungen zum Valentinstag, Diättips und Horoskopen ebenso wie mit Informationen über die Pille danach und ein bisschen Feminismus.
Uschi Fellners Erfolgsrezept bestand darin, dass sie diese drei Zeitschriftentypen zu einer einzigen zusammenrührte. Welche Rolle soll eine Frauenzeitschrift im Leben von Frauen spielen? „Im Idealfall die einer Freundin“, sagt sie. „Die einem Neuigkeiten erzählt, gute Tips gibt, und vor der einem nichts peinlich ist.“
2001 gründete sie „Woman“, bis heute ist es das erfolgreichste Produkt aus dem News-Verlag. Nachdem sie gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Wolfgang Fellner den Verlag verließ, leitete sie „Madonna“, die wöchentliche Frauenbeilage zur Tageszeitung „Österreich“. Nun ist sie – neuer Ehemann, neuer Verlag – zu neuen Ufern aufgebrochen, aber im selben Wasser geblieben: Für den Echo-Verlag (Chef: Ihr derzeitiger Mann Christian Pöttler) entwirft sie wieder ein neues Frauenmagazin (Arbeitstitel: „Primadonna“), das ab März erscheinen soll. Gleichzeitig übernmimt sie die Herausgeberschaft der Bundesländerinnen-Zeitungen.
In intellektuellen Wiener Kaffeehauszirkeln mag man „Die Tirolerin“ oder „die Burgenländerin“ nicht kennen. Aber es handelt sich um einen riesigen Markt. Derzeitig verkaufen die Bundesländerinnen eine Auflage von gesamt … Eine Million Leserinnen peilt Fellner-Pöttler als Ziel an. Das sind Zahlen, bei denen es nicht nur stil-, sondern auch meinungsbildend wird.
Was für eine Welt ist das, die Frauenzeitschriftenwelt? Wer in sie eintaucht, erfährt, was „Wedges“ sind (keine Bratkartoffeln, sondern Keilabsätze an den Schuhen), und „Knuckle Rings“ (trägt man am mittleren Fingerglied). Eine „Clutch“ ist ein Täschchen ohne Riemen, das man in der Hand hält; die „Entgiftungskrise“ kommt nach der Einnahme von Abführmitteln am zweiten Tag; wer einen Orgasmus will, muss dem Partner genau sagen, was er tun soll; und die Farbe der nächsten Saison heißt Apricot. Die moderne Frau, die in dieser Magazinwelt wohnt, hat eine Schwäche für Pumps und stets zu wenig Platz im Kleiderkasten, verdient ihr eigenes Geld und findet ungerecht, dass es immer ein bisschen zu wenig ist, ist mit ihrem hängenden Busen unzufrieden, hat sich jedoch fest vorgenommen, sich davon nicht unglücklich machen zu lassen. Am liebsten trägt sie eine weiße Bluse zu Jeans, geht barfuß (Pediküre!). Und einmal im Monat will sie ein romantisches Essen mit Kerzenlicht zu zweit.
Die emanzipatorische Grundhaltung, die die Brigitte einst allein transportierte, „hat mittlerweile jede Frauenzeitschrift“, meint Uschi Fellner. Einen wesentlichen Unterschied jedoch sieht sie zu früher: „Alles ist wesentlich körperbetonter geworden“. Insbesondere ein Thema habe sich hineingefräst, mit aller Gewalt: „Anti-Aging. Das ist heute das absolut marktbeherrschende Thema geworden. Sicher auch deswegen, weil hier eine riesige Industrie dahintersteckt, von den Kosmetikherstellern über die Ärzte bis hin zur Nahrungsmittelindustrie.“
Selbstverständlich bildet ebendiese Industrie die ökonomische Basis aller Frauenzeitschriften. Sei der große Einfluss der Anzeigenkunden ein Problem? Nein, meint Fellner. „Das ist bei jedem Magazin so, das Erfolg haben will.“
Dunkel erinnert man sich an die „Machen Sie das beste aus Ihrem Typ“-Serien von früher, als man der Attraktivität noch mit Längsstreifen, kaschierenden Blazern oder einem flotten neuen Haarschnitt auf die Sprünge half. Heute toben sich am alternden weiblichen Körper ganze Armeen aus, bewaffnet mit Messern, Laser und Gentechnologie. „Man lässt Frauen einfach nicht älter werden“ sagt Fellner-Pöttler. „Da sind sehr starke Emotionen im Spiel, so vieles ist mittlerweile fr Geld machbar, wir bekommen unglaublich viele Anfragen dazu.“ Einer Frauenzeitschrift könne sich aus diesem Hype nicht ausklinken. Sie könne die Leserinnen im Krieg gegen das Altern bloß bei der Hand nehmen, und bei der Wahl der Waffen helfen. „Ich bin eine große Freundin der Lachfältchen“, sagt sie.
Es ist ein Widerspruch, den man aushalten muss im Frauenbusiness. Genauso wie man akzeptieren muss, dass Sich-Zeigen und Angeschaut-Werden stets dazugehören. Für „Woman“ und später für „Madonna“ schrieb Fellner eine Kolumne mit kleinen Schwänken aus ihrem Alltag. Es ging um die Verzweiflung beim morgendlichen Blick in den Spiegel, um den Alltag mit zwei großen und zwei kleinen Kindern, um den Zwang, vorzuputzen, bevor die Putzfrau kommt; um Strumpfhosen, Bikinis und um das Zeug, das stets zwischen den Sitzkissen ihres Autos klebt.
Man kann das peinlich finden. Man kann darin die Umsetzung der alten feministischen Forderung sehen, dass das Private politisch ist. Oder man erkennt darin die Strategie eines pragmatischen Machtmenschen – wer wohl dosiert kleine Schwächen offen legt, immunisiert sich offensiv gegen Angriffe.
Wo steht Uschi Fellner-Pöttler denn sonst, in einigen frauenpolitischen Fragen? Die Quote: „Bin dafür, ist notwendig“, sagt sie. „Halbe –halbe? „Kann nicht ganz funktionieren. Denn sonst würde es ja fuktionieren.“ Prostitution? „Meine Tochter hat für die Schule eine Diskussion darber vorbereitet, und wir haben das durchgespielt. Mir ist dabei bewusst geworden, dass es mehr Argumente gegen ein Verbot gibt. Da kann man Fruaen besser beschützen.“ Gleiches Pensionsalter? „Hm, das müsste ich mir erst noch genauer anschauen.“ Porno? „Die Kinder sind immer früher damit konfrontiert. Wenn mein neunjähriger Sohn den Dr. Sommer bei Bravo liest, kann man rote Ohren kriegen. Da merkt man, wie sehr sich die Sprache seit unserer Zeit verschärft hat.“ Botox? „Bin dagegen.“ Alice Schwarzer? „Eine sehr charismatische Frau, die mich immer sehr beeindruckt hat, und die ich mit großer Freude interviewt habe. Aber man weiß jetzt halt, dass sie auch nur mit Wasser kocht.“
Sind Sie Feministin, Frau Fellner? Sie zögert. „In den Augen von Alice Schwarzer bin ich eine. Es ist halt ein sehr abstrakter Begriff “, sagt sie. Aber viel falscher als „Prinzessin“ kann er eigentlich gar nicht sein.

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