Das beste Sing-along der Welt der Woche

Enthusiasmuskloumne für den „falter“

Singen ist einfach. Auf beiden Beinen stehen, locker lassen, atmen, Mund auf, und dem Ton zuhören, der herauskommt. Doch gibt es immer tausend Gründe, das Einfache nicht zu tun: Man fühlt sich blöd, spürt sich nicht richtig, will keinen Fehler machen, geniert sich, vertraut dem Nebenstehenden nicht. Ergibt, in Summe, eines der Grundübel unseres Zusammenlebens.
Dann aber ist, am Dienstag vergangener Woche, Sing-along in der Brunnenpassage, und alle Grundübel haben Pause. Alte und Junge, Trainingsanzüge und Sakkos, Stecktücher und Stoppelglatzen, die einen stopfen noch rasch Pizzareste in den Mund, die anderen haben schon brav die Noten aufgefaltet. Mittendrin: Bratsche, Gitarre, Dudelsack, Monika Jeschko, Leiterin der Konzerthausjugend, und Gerald Wirth, Leiter der Wiener Sängerknaben, im verschwitzen Hemd. Wir singen Carrickfergus, Whiskey in the Jar, irische Lieder. Der Rhythmus ist präzise, der Raum vibriert, und plötzlich ist alles ganz einfach. Aber ja, jeder Mensch kann singen. Nein, man muss sich für gar nichts genieren. Und der Nebenstehende klingt doch ebenfalls super!
Man kann sie gar nicht genug loben, die Mission der drei so verschiedenen Institutionen Caritas, Konzerthaus, Sängerknaben: Seit Jahren schon ziehen sie gemeinsam durch Vorstädte, Märkte, Schulen, Problembezirke; fixen Kinder, Omis, Teenies, Prolos und Normalos, egal welcher Herkunft, mit Musik an; und bringen Menschen zum gemeinsamen Singen, die einander ansonsten wohl nie begegnet wären.
Ganz einfach ist das. Und doch so revolutionär.
Sibylle Hamann
Das nächste Sing-along in der Brunnenpassage: 10. Oktober, mit Liedern aus Jerusalem.

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